
Patreon-CEO fordert faire KI-Vergütung für Kreative
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Jack Conte, CEO der Abonnementplattform Patreon, äußert scharfe Kritik an den großen Technologieunternehmen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI). Er befürchtet, dass die Schöpferwirtschaft, insbesondere unabhängige Künstler, bei der Vergütung für die Nutzung ihrer Inhalte durch KI-Modelle systematisch übergangen wird. Conte fordert daher dringend eine Lösung, um die Rechte der Kreativen zu schützen und Innovationen weiterhin zu fördern.
KI und die Schöpferwirtschaft: Eine ungleiche Gleichung
Conte betont, dass die Schöpferwirtschaft, und damit meint er die einzelnen Kreativen und nicht die Unternehmen wie Patreon, "laut und deutlich" außen vor gelassen wird. Während KI-Unternehmen wie OpenAI und Meta Lizenzierungsvereinbarungen mit traditionellen Medienunternehmen treffen, fehle eine solche Infrastruktur für unabhängige Kreative vollständig. Dieses Ungleichgewicht sieht Conte als ein Kernproblem.
Ruf nach Regulierung und fairer Vergütung
Das Hauptproblem liegt laut Conte darin, dass Big Tech-Unternehmen derzeit kaum Anreize haben, einzelne Kreative zu bezahlen. Er spricht sich daher "stark für eine Art Regulierung aus, die die Rechteinhaber und Kreativen schützt, die sich in solchen Momenten nicht selbst schützen und mit ausreichend Verhandlungsmacht an den Tisch gehen können." Conte ist der Meinung, dass KI dem Menschen helfen wird, "wirklich schöne Dinge zu schaffen", warnt aber gleichzeitig, dass dies den Unternehmen keine "Carte Blanche" gebe, KI auf eine Weise einzuführen, die "ein Blutbad für die kreativen Menschen der Welt" verursache.
Urheberrecht im Wandel: Die rechtliche Grauzone
Der Status von KI unter dem bestehenden Urheberrecht wird derzeit in Echtzeit bewertet. Ein Beispiel hierfür ist ein Fall aus dem Jahr 2025, in dem ein Bundesgericht in Kalifornien entschied, dass das Training von Anthropic-Modellen mit urheberrechtlich geschützten Büchern als "Fair Use" betrachtet werden könnte, sofern das Material rechtmäßig erworben wurde. Dennoch stimmte das KI-Unternehmen einer Vergleichszahlung von 1,5 Milliarden US-Dollar an die klagenden Autoren zu, nachdem der Richter geurteilt hatte, dass das Kopieren und Speichern von piratierten Büchern ohne Zustimmung nicht die Kriterien für "Fair Use" erfüllte. Im Januar wurde zudem ein parteiübergreifender Gesetzesentwurf im Kongress eingebracht, der Transparenz bezüglich der Nutzung urheberrechtlich geschützten Materials durch KI-Unternehmen schaffen soll.
Lösungsansätze und Branchenbeispiele
Conte hat zwar noch keine konkrete Lösung für die Vergütung von Kreativen durch KI-Unternehmen parat, verweist aber auf das Rechteverwaltungssystem Content ID von YouTube als potenzielles Modell. Content ID ermöglicht es Rechteinhabern, YouTube-Videos, die ihr urheberrechtlich geschütztes Werk enthalten, zu erkennen, zu entfernen und zu monetarisieren. Er schlägt vor: "Entweder kann ich meine Arbeit aus den Trainingsdaten entfernen, oder ich werde bezahlt, wenn sie als Trainingsdaten verwendet und repliziert wird, und ich erhalte dafür Anerkennung."
Das Ziel sei es, den "Geist des geistigen Eigentums" zu wahren, nämlich die Anreize für die Schaffung von Neuem zu erhalten. Erste Schritte in diese Richtung sind bereits erkennbar: Bloomberg berichtete letztes Jahr, dass mehrere KI-Unternehmen, darunter das Startup Moonvalley, Kreative für die Lizenzierung ihrer unveröffentlichten Inhalte bezahlen. Zudem hat OpenAI kürzlich Metas ehemaligen Leiter für Partnerschaften eingestellt, der zuvor Instagrams Beziehungen zu Prominenten und Kreativen verantwortete. Conte ist zuversichtlich: "Wir werden eine Art Modell sehen, das Künstler für ihre Arbeit entschädigt."
Patreons eigene KI-Nutzung und Contes Vision
Trotz seiner Bedenken ist Conte nicht grundsätzlich gegen KI. Patreon, ein Unicorn-Startup der Schöpferwirtschaft, nutzt intern selbst KI-Tools wie Anthropic's Claude und Cursor. Conte sieht das Potenzial von KI, "Menschen zu helfen, wirklich schöne Dinge zu schaffen und sich auf erstaunliche Weise selbst auszudrücken, genau wie Synthesizer, genau wie Ton und Bild bei Filmen." Er betont jedoch, dass dies nicht bedeute, KI ohne Rücksicht auf die Urheberrechte einzusetzen.