PicPay strebt US-Börsengang an: Brasiliens Digitalbank testet Finanzmarkt

PicPay strebt US-Börsengang an: Brasiliens Digitalbank testet Finanzmarkt

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Die brasilianische Digitalbank PicPay hat erneut einen Antrag für einen Börsengang in den USA eingereicht. Dieser Schritt signalisiert nicht nur wachsendes Vertrauen in die US-Kapitalmärkte, sondern stellt auch einen wichtigen Test für die Bewertung von Fintechs aus Schwellenländern dar. Das Unternehmen strebt eine Notierung am Nasdaq Global Select Market unter dem Tickersymbol PICS an.

PicPays Weg an die Börse

PicPay, ein in São Paulo ansässiges Fintech für mobiles Banking und Zahlungsdienste, hat seinen Antrag bei der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC öffentlich gemacht. Das 2012 als digitales Zahlungsunternehmen gegründete Unternehmen hatte bereits im April 2021 einen ersten IPO-Antrag gestellt, diesen jedoch im Juni 2022 zurückgezogen. Damals wurde eine Bewertung von 8 Milliarden US-Dollar angestrebt.

Der erneute Börsengang könnte laut der IPO-Research-Firma Renaissance Capital bis zu 500 Millionen US-Dollar einbringen. Troy Hooper, Co-Leiter der Eigenkapitalmärkte für Amerika bei Mergermarket, sieht darin ein Zeichen für das wachsende Vertrauen in die US-Aktienmärkte. Eine Notierung könnte PicPays internationales Profil schärfen und eine breitere Basis technologieorientierter Investoren anziehen.

Als Ankerinvestor hat Bicycle Management Company LLC, ein Wachstumsfonds, der von ehemaligen SoftBank-Managern wie Marcelo Claure geleitet wird, die Absicht bekundet, Class A-Aktien im Wert von bis zu 75 Millionen US-Dollar zum IPO-Preis zu erwerben. Die Transaktion wird von Citigroup, BofA Securities und RBC Capital Markets als Joint Global Coordinators geleitet. Mizuho und Wolfe | Nomura Alliance agieren als Joint Bookrunners, während FT Partners als Co-Manager fungiert.

Finanzielle Entwicklung und Wachstum

PicPay hat in seinem Prospekt eine deutliche Verbesserung der finanziellen Leistung ausgewiesen. Für die ersten neun Monate des Jahres 2025 meldete das Unternehmen Umsatzerlöse und Finanzeinnahmen von 7,26 Milliarden Brasilianischen Reais (etwa 1,34 Milliarden US-Dollar). Dies entspricht einem Anstieg von 97 % gegenüber dem Vorjahr.

Der Nettogewinn belief sich in diesem Zeitraum auf 313,8 Millionen Brasilianische Reais (etwa 58 Millionen US-Dollar). Zum Vergleich: Im Jahr 2021, als PicPay seinen ersten IPO-Antrag stellte, verzeichnete das Unternehmen einen Umsatz von 220 Millionen US-Dollar und einen Nettoverlust von rund 357 Millionen US-Dollar. Die annualisierte Eigenkapitalrendite (ROE) lag im dritten Quartal 2025 bei 17,4 %.

Das Unternehmen hat seine Produktpalette erheblich erweitert und bietet neben digitalen Geldbörsen auch Kreditkarten, Privatkredite, Buy-Now-Pay-Later-Produkte, Investitionen und Versicherungen an. PicPay erhielt 2022 eine Banklizenz von der brasilianischen Zentralbank und agiert seither als vollwertiges Bankinstitut. Die Kundeneinlagen beliefen sich zum 30. September 2025 auf 27 Milliarden Brasilianische Reais.

Wettbewerbslandschaft und Marktposition

PicPay ist mit 66 Millionen Kundenkonten in Brasilien (Stand: 30. September 2025) und 42 Millionen aktiven Nutzern im dritten Quartal 2025 die zweitgrößte Digitalbank Brasiliens. Das Unternehmen konkurriert mit anderen großen Akteuren wie Nubank und Mercado Pago sowie zunehmend digitalisierten traditionellen Banken. Das gesamte Zahlungsvolumen (Total Payment Volume) erreichte im dritten Quartal 2025 141 Milliarden Brasilianische Reais (26,1 Milliarden US-Dollar), ein Anstieg gegenüber 109 Milliarden Brasilianischen Reais (20,2 Milliarden US-Dollar) im Vorjahr.

Nubank, ebenfalls ein brasilianisches Neobank-Unternehmen, ging im Dezember 2021 an die Nasdaq und erreichte damals eine Bewertung von 41 Milliarden US-Dollar. Nubank meldete im dritten Quartal 2025 weltweit 127 Millionen Kunden, davon 110 Millionen in Brasilien, 13 Millionen in Mexiko und 4 Millionen in Kolumbien. Im Gegensatz zu PicPay besitzt Nubank noch keine Banklizenz in Brasilien, plant aber, diese 2026 zu erwerben.

Die schnelle Einführung von Pix, dem von der Zentralbank unterstützten Sofortzahlungssystem Brasiliens, hat die digitale Finanzlandschaft maßgeblich geprägt. PicPay hat diese Entwicklung genutzt und ermöglicht beispielsweise Pix-Zahlungen über WhatsApp durch Partnerschaften mit Meta und Microsoft.

Herausforderungen und Chancen

Laut Troy Hooper von Mergermarket steht PicPay in einem überfüllten Fintech-Markt und muss sich sowohl dem harten Wettbewerb als auch der Währungsvolatilität stellen. Hooper merkt an, dass Anleger, die ein Engagement in Fintechs aus Schwellenländern suchen, auch regulatorische Unsicherheiten, Zinsdynamiken und makroökonomische Risiken berücksichtigen müssen. Diese Faktoren könnten die Nachfrage nach risikoreicheren IPOs dämpfen.

Ein erfolgreicher Börsengang könnte PicPay jedoch strategische Wachstumschancen eröffnen, darunter die Expansion des Kreditgeschäfts, die Einführung neuer Dienstleistungen oder Akquisitionen zur Stärkung der Wettbewerbsposition. Die Kontrolle über das Unternehmen wird voraussichtlich bei J&F, der Holdinggesellschaft der Familie Batista, verbleiben. Der Erfolg des IPOs und die daraus resultierende Bewertung werden entscheidend sein für PicPays Marktanteil, den grenzüberschreitenden Wettbewerb und das Kreditwachstum.

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