Pilotlose Kampfjets und die Drohnenrevolution: Militär und Markt im Wandel

Pilotlose Kampfjets und die Drohnenrevolution: Militär und Markt im Wandel

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Die Zukunft der Luftkriegsführung könnte eine entscheidende Komponente vermissen: den Piloten. Autonome Kampfflugzeuge und Drohnen revolutionieren derzeit die Militärstrategien weltweit und treiben gleichzeitig ein enormes Wachstum im gesamten Drohnen-Ökosystem voran, von Verteidigung bis hin zu kommerziellen Anwendungen.

Northrop Grummans "Project Talon": Der loyale Flügelmann

Northrop Grumman hat kürzlich sein autonomes Kampfflugzeug der nächsten Generation, "Project Talon", vorgestellt. Dieses Flugzeug ist als "loyaler Flügelmann" für bemannte Kampfflugzeuge konzipiert und soll als Teammitglied in Kampfeinsätzen fungieren. Tom Jones, Präsident der Aeronautics Systems von Northrop Grumman, betont, dass autonome Flugzeuge ihre Missionen vollständig eigenständig ausführen können, was Personal freisetzt und Kampfpiloten ermöglicht, sich auf andere Aufgaben zu konzentrieren.

Der "Talon" ist modular aufgebaut und kann vielfältige Aufgaben übernehmen, von Luft-Luft-Raketen bis hin zu Bomben. Die Entwicklung erfolgte in nur 15 Monaten, mit dem Ziel des Erstflugs innerhalb der nächsten neun Monate. Die KI und Instrumentierung des Jets werden bereits auf einem anderen Flugzeug, der "Beacon", mit einem Piloten an Bord getestet.

Kostenersparnis und "Affordable Mass" als strategischer Vorteil

Ein Hauptargument für autonome Kampfflugzeuge wie den "Talon" ist der Preis. Während typische bemannte Kampfjets zwischen 75 und 150 Millionen US-Dollar kosten, wird der "Talon" voraussichtlich nur 15 bis 20 Millionen US-Dollar kosten. Diese Kostenersparnis ist entscheidend für das Konzept der "affordable mass", das vom Department of War verfolgt wird.

Tom Jones von Scaled Composites, einer Tochtergesellschaft von Northrop Grumman, erklärt: "Das Konzept hinter 'affordable mass' ist es, leistungsfähige Plattformen zu schaffen, die erschwinglich sind, sodass der Verlust eines solchen Flugzeugs nicht mit dem Verlust einer F-35 oder B-2 vergleichbar ist, die wesentlich teurere Plattformen sind. Und offensichtlich gibt es keinen Verlust eines Besatzungsmitglieds, was ebenfalls sehr bedeutsam ist." Die geringeren Anforderungen an Geschwindigkeit und Manövrierfähigkeit im Vergleich zu bemannten Flugzeugen tragen ebenfalls zur Kosteneffizienz bei.

Das Pentagon und das "Drone Dominance Program"

Das Pentagon hat eine umfassende Initiative im Wert von 1 Milliarde US-Dollar gestartet, um in den nächsten zwei Jahren Hunderttausende von Einweg-Angriffsdrohnen zu beschaffen. Dieses "Drone Dominance Program (DDP)" ist eine direkte Reaktion auf die Lehren aus dem Ukraine-Krieg, wo Drohnen im industriellen Maßstab eingesetzt werden. Das Programm zielt darauf ab, die Beschaffung und den Einsatz dieser kostengünstigen unbemannten Systeme grundlegend zu überarbeiten.

Die Beschaffungsziele sind ambitioniert:

  • 30.000 Drohnen sollen bis Juli 2026 bestellt werden.
  • Über 200.000 Drohnen mit tödlicher Wirkung sollen bis 2027 erworben werden.
  • Insgesamt plant das Pentagon, mehr als 300.000 Systeme bis Anfang 2028 zu kaufen.
  • 1 Milliarde US-Dollar aus dem "Big Beautiful Bill" werden die Herstellung von etwa 340.000 kleinen UAS für Kampfeinheiten über zwei Jahre finanzieren.

Das DDP ist darauf ausgelegt, eine schnelle, groß angelegte Fertigung anzukurbeln und die Kosten pro Einheit von 5.000 US-Dollar auf etwa 2.300 US-Dollar zu senken.

Der globale Drohnenmarkt im Aufwind

Das gesamte Drohnen-Ökosystem, angetrieben durch kommerzielle Anwendungen, geopolitische Spannungen und steigende Verteidigungsbudgets, erlebt ein rasantes Wachstum. Es wird prognostiziert, dass sich der Markt zwischen diesem Jahr und 2030 von 73 Milliarden US-Dollar auf 163 Milliarden US-Dollar mehr als verdoppeln wird, was einer jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 14,3 % entspricht.

Besonders der kommerzielle Drohnensektor wird in den nächsten fünf bis zehn Jahren voraussichtlich am stärksten expandieren, mit einer beeindruckenden CAGR von 37 % zwischen diesem Jahr und 2035. Dies würde den Markt von geschätzten 31 Milliarden US-Dollar auf 993 Milliarden US-Dollar anwachsen lassen. Neue Geschäftsmodelle wie "Drone-as-a-Service" (DaaS) ermöglichen Unternehmen den Zugang zu Drohnentechnologie und -dienstleistungen auf Abonnement- oder Pay-per-Use-Basis, was die Kosten senkt und die Effizienz steigert.

Manned-Unmanned Teaming (MUM-T) und die Zukunft der Luftfahrt

Experten sind sich einig, dass unbemannte Luftfahrzeuge (UAVs) bemannte Kampfflugzeuge in absehbarer Zeit nicht vollständig ersetzen werden. Stattdessen wird sich das "Manned-Unmanned Teaming (MUM-T)" schnell weiterentwickeln. Die Stärken eines teuren bemannten Kampfjets, kombiniert mit einer größeren Anzahl relativ günstiger Drohnen, können für eine bessere Situationswahrnehmung und Angriffsmissionen genutzt werden.

Die zukünftige Kampfflugzeugtechnologie wird die Überlebensfähigkeit in umkämpften Umgebungen verbessern und gleichzeitig die Integration mit anderen Plattformen durch sichere, hochbandbreitige Datenverbindungen erfordern. Künstliche Intelligenz (KI) wird entscheidend sein, um die Datenbewertung und schnelle Entscheidungsfindung zu unterstützen, was oft als "data-to-decision" (D2D)-Fähigkeit bezeichnet wird.

Ethische Grenzen und menschliche Kontrolle

Trotz der zunehmenden Autonomie gibt es klare ethische Grenzen. Tom Jones von Northrop Grumman betont: "Bei einer jungen Technologie wie dieser, bei der der Verlust von Menschenleben eine potenzielle Konsequenz ist, wollen wir Menschen in die Entscheidung über das Feuern und Nicht-Feuern einbeziehen. Das ist eine Art ethische Grenze, die wir gezogen haben." Dies deutet darauf hin, dass die letzte Entscheidung über den Waffeneinsatz weiterhin bei einem menschlichen Bediener liegen wird.

Wettbewerb und internationale Nachfrage

Northrop Grumman ist nur eines von mehreren amerikanischen Unternehmen, die an der Entwicklung autonomer Kampfjets arbeiten. Anduril Industries entwickelt die YFQ-44 "Fury", General Atomics die YFQ-42 "Gambit" und Lockheed Martin die "Vectis". Andurils Kampfjet absolvierte im Oktober seinen ersten autonomen Flug.

Das Interesse an autonomen Systemen ist groß, sowohl von verschiedenen Teilstreitkräften der USA als auch von internationalen Kunden, die von der Erschwinglichkeit und Leistung dieser neuen Generation von Flugzeugen überzeugt sind. War Secretary Pete Hegseth hat die Verteidigungsindustrie aufgefordert, neue Technologien mit eigenen Mitteln zu entwickeln, mit dem Versprechen größerer und längerer Verträge bei Erfolg. Die "Drohnenrevolution" in der Ukraine, wo bereits leichte Flugzeuge wie die Yakovlev Yak-52 und Aeroprakt A-22 zur Drohnenabwehr eingesetzt werden, unterstreicht die Dringlichkeit dieser Entwicklung.

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