
Powells Zukunft bei der Fed: Unabhängigkeit der Zentralbank unter Druck
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Die Zukunft der US-Notenbank Federal Reserve steht im Zentrum intensiver Spekulationen, da die Amtszeit von Jerome Powell als Vorsitzender am 15. Mai endet. Während Präsident Donald Trump voraussichtlich einen Nachfolger nominieren wird, könnte Powell eine ungewöhnliche Entscheidung treffen und als Fed-Gouverneur im Amt bleiben, um die Unabhängigkeit der Zentralbank zu verteidigen. Diese Situation wird durch eine strafrechtliche Untersuchung gegen Powell und einen Fall vor dem Obersten Gerichtshof zusätzlich verkompliziert.
Powells ungewöhnliche Option: Bleiben als Gouverneur
Jerome Powells Amtszeit als Vorsitzender der Federal Reserve endet am 15. Mai. Es wird erwartet, dass Präsident Trump lange vorher seinen Nachfolger nominieren wird, wie Finanzminister Scott Bessent am Dienstag gegenüber CNBC mitteilte. Powells 14-jährige Amtszeit als Gouverneur erstreckt sich jedoch bis zum 31. Januar 2028.
Historisch gesehen haben fast alle scheidenden Fed-Vorsitzenden auch ihre Gouverneursämter niedergelegt. Powell könnte jedoch von diesem Muster abweichen, falls er die Bedrohungen für die Unabhängigkeit der Zentralbank als gravierend genug erachtet, um seinen Verbleib zu rechtfertigen. Ein Präzedenzfall hierfür ist Marriner Eccles, der in den späten 1940er Jahren im Amt blieb, da er seine Absetzung durch den damaligen Präsidenten Harry Truman als politisch motiviert ansah.
Trumps anhaltender Druck auf die Fed
Präsident Trump hat sich zunehmend lautstark über die Kontrolle der Federal Reserve geäußert. Dies geschah durch anhaltende Kritik an Powell und seinen Kollegen, durch seine eigenen Ernennungen sowie durch die Aussage, dass der Präsident bei Zinsentscheidungen konsultiert werden sollte. Trump hat Powell wiederholt als "krumm", "inkompetent", "Trottel", "sturen Esel", "echten Steifen" und "Mr. Too Late" bezeichnet.
Er hat kein Geheimnis daraus gemacht, dass er niedrigere Zinsen bevorzugt, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln und die Kreditaufnahme zu verbilligen. Seine Frustration über Powells langsames Tempo bei Zinssenkungen, aus Sorge vor einer wieder auflebenden Inflation, ist bekannt.
Die Justiz ermittelt: Eine "Vorwand"-Anschuldigung
Die Spekulationen über Powells Verbleib haben sich in den letzten Tagen verstärkt, nachdem bekannt wurde, dass das Justizministerium gegen ihn wegen möglicher strafrechtlicher Verfolgung ermittelt. Powell enthüllte am 11. Januar, dass er Gegenstand einer strafrechtlichen Untersuchung sei und beschuldigte Trump-Ernannte, die Untersuchung zu nutzen, um die Unabhängigkeit der Fed zu untergraben. Er bezeichnete eine entsprechende Vorladung als "Vorwand" für Trumps Bestreben, die Fed zu kontrollieren.
Die US-Staatsanwältin für D.C., Jeanine Pirro, hatte am 9. Januar Vorladungen der Grand Jury an den Federal Reserve Board geschickt, um Informationen zu Powell zu erhalten. Sie bestand darauf, dass die Vorladungen keine Drohung seien, sondern aufgrund mangelnder Antworten der Fed ausgestellt wurden. Powell hingegen argumentierte, die Bedrohung durch strafrechtliche Anklagen sei eine Konsequenz der Zinsfestlegung durch die Federal Reserve auf der Grundlage wirtschaftlicher Bedingungen und nicht politischer Präferenzen.
Der Fall Lisa Cook vor dem Obersten Gerichtshof
Die Rechtmäßigkeit von Präsident Trumps Versuch, die Fed-Gouverneurin Lisa Cook zu entlassen, war bereits vor den jüngsten Enthüllungen ein zentrales Thema vor dem Obersten Gerichtshof. Trump versuchte im August, Cook zu entlassen, mit der Begründung, sie habe Hypothekenbetrug begangen, indem sie zwei Häuser als Hauptwohnsitz angegeben habe, um niedrigere Zinsen zu erhalten. Cooks Anwälte bestreiten die Vorwürfe und sehen darin einen Versuch, eine weitere freie Stelle im Vorstand zu schaffen.
Der Oberste Gerichtshof wird am Mittwoch (nach dem 11. Januar) Argumente in Cooks Fall anhören. Die Entscheidung, die bis zum Sommer erwartet wird, könnte nicht nur Cooks Schicksal, sondern auch Powells Zukunft bei der Fed, Trumps Einfluss auf die Bank und letztlich die Richtung der Wirtschaft bestimmen. Lev Menand, Professor für Rechtswissenschaften an der Columbia University, betonte die Tragweite: „Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass die wirtschaftlichen und verfassungsrechtlichen Grundlagen des Landes in diesem Fall auf dem Prüfstand stehen.“
Die Bedeutung der Zentralbank-Unabhängigkeit
Viele entwickelte Länder verfügen über unabhängige Zentralbanken, um Zinsen auf der Grundlage wirtschaftlicher Bedingungen festzulegen und nicht nach den Überlegungen von Politikern, die politische Vorteile suchen. Andernfalls könnten Politiker Zentralbanken dazu drängen, die Zinsen künstlich niedrig zu halten, um die Wirtschaft anzukurbeln, was langfristig zu Inflation führen kann.
Menand befürchtet zudem, dass ein Präsident mit Kontrolle über die Fed das "Zentralbank-Instrumentarium" missbrauchen könnte, um Gewinner und Verlierer im Finanzsektor zu bestimmen, die Kreditvergabe zu instrumentalisieren und die Bank zur Finanzierung von Programmen zu nutzen, für die der Kongress keine Mittel bereitgestellt hat.
Weitere Schlüsselpersonalien im Fokus
Neben Powell könnten auch andere Fed-Gouverneure vor wichtigen Entscheidungen stehen. Michael Barr, dessen Amtszeit bis 2032 läuft, hatte ebenfalls über einen Rücktritt nachgedacht. Barr war zuvor Vizevorsitzender für Bankenaufsicht, legte dieses Amt jedoch kurz nach Beginn von Trumps zweiter Amtszeit nieder, um einer möglichen Ablösung durch Trump zuvorzukommen. Er wurde in dieser Position durch Gouverneurin Michelle Bowman ersetzt, eine Trump-Ernennung aus seiner ersten Amtszeit.
Ähnlich könnte Philip Jefferson, der stellvertretende Vorsitzende des Federal Open Market Committee (FOMC), sich entscheiden, auf einem Sitz zu bleiben oder diesen zu verlassen, der erst im Januar 2036 ausläuft. Krishna Guha, Leiter der globalen Politik und Zentralbankstrategie bei Evercore ISI, kommentierte, dass die Ereignisse "es viel wahrscheinlicher machen, dass Powell, [Fed-Gouverneur Michael] Barr und andere nach Mai im Amt bleiben werden."
Hürden für Trumps Zinspolitik
Der Wunsch von Präsident Trump nach niedrigeren Zinsen und einer ihm wohlgesonnenen Fed stößt auf mehrere Hürden. Die Empörung einiger republikanischer Gesetzgeber über die Vorladungen des Justizministeriums könnte Trumps Plan, sofort einen neuen Fed-Vorsitzenden zu nominieren, gefährden. David Wessel, Direktor des Hutchins Center on Fiscal and Monetary Policy der Brookings Institution, merkte an: „Wie wir diese Woche erfahren haben, hat [Herr Trump] möglicherweise nicht so viel Freiheit, einen Fed-Vorsitzenden auszuwählen, wie er dachte.“
Letztendlich werden die Entscheidungen über die Zinssätze von einem Ausschuss getroffen, der größtenteils außerhalb der Reichweite des Präsidenten liegt. Die Fed hatte am 10. Dezember 2025 die Zinsen um einen Viertelprozentpunkt auf eine Spanne von 3,5 Prozent bis 3,75 Prozent gesenkt, was die dritte Zinssenkung in diesem Jahr war.