Prediction Markets: Boom, Bedenken und der Kampf um Regulierung

Prediction Markets: Boom, Bedenken und der Kampf um Regulierung

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Prediction Markets, auf denen Nutzer auf zukünftige Ereignisse wetten können, erleben einen bemerkenswerten Aufschwung. Plattformen wie Kalshi und Polymarket gewinnen rasant an Popularität, beflügelt durch die US-Präsidentschaftswahlen 2024, eine anfänglich wohlwollende Regulierung unter der Trump-Administration und gezielte PR-Aktionen. Doch dieser Boom ruft zunehmend Besorgnis bei US-Gesetzgebern und Regulierungsbehörden hervor, die sich mit komplexen Fragen des Insiderhandels, der Abgrenzung zum Glücksspiel und der umfassenden Regulierung auseinandersetzen müssen.

Wachsende Skepsis im US-Kongress

Im US-Kongress äußern sich viele Abgeordnete und Senatoren kritisch gegenüber dem Aufstieg der Prediction Markets. Senator Chris Murphy aus Connecticut gehört zu den Skeptikern und bezeichnet die Plattformen als "Betrug", der zu einer "dystopischen Welt" beitrage. Auch die demokratische Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez aus New York findet die Entwicklung "schlecht", während der republikanische Abgeordnete Abe Hamadeh aus Arizona sie als "traurig" empfindet und befürchtet, dass "Glücksspiel das Leben vieler junger Männer zerstört hat".

Rep. Ritchie Torres aus New York, der einen Gesetzentwurf gegen Insiderhandel eingebracht hat, sieht den Status quo als "langfristig nicht tragbar" an. Selbst Sen. Ted Cruz aus Texas, Vorsitzender des Senatsausschusses für Handel, prüft das Thema noch und hört sich "Argumente beider Seiten" an.

Korruptionspotenzial und Insiderhandel

Ein zentrales Anliegen vieler Gesetzgeber ist das Potenzial für Korruption und Insiderhandel. Diese Sorge verstärkte sich Anfang Januar, als ein anonymer Polymarket-Händler Hunderttausende Dollar durch eine gut getimte Wette auf die Gefangennahme des ehemaligen venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro verdiente.

Als Reaktion darauf brachte Rep. Torres seinen Gesetzentwurf ein, und zwölf demokratische Senatoren forderten in einem Brief an den Vorsitzenden der Commodity Futures Trading Commission (CFTC), Michael Selig, ein hartes Vorgehen gegen potenziellen Insiderhandel. Abgeordnete wie Ocasio-Cortez befürchten, dass Personen mit Macht die Märkte nutzen könnten, um Vertraute zu bereichern, indem sie beispielsweise die Länge von Reden im Voraus preisgeben.

Kalshi hat auf diese Bedenken reagiert, indem das Unternehmen versichert, Insiderhandel auf seiner Plattform zu verbieten, verdächtige Transaktionen zu verfolgen und Torres' Gesetzentwurf zu unterstützen. Das Unternehmen kündigte zudem eine Ausweitung seiner Überwachungs- und Durchsetzungsrahmen an und hat im letzten Jahr über 200 Untersuchungen eingeleitet. Die Coalition for Prediction Markets, die von Kalshi unterstützt wird, hat ehemalige Kongressabgeordnete eingestellt und sich in einer Anzeige in der Washington Post für ein Verbot von Insiderhandel und eine umfassendere Regulierung ausgesprochen.

Die "Gamification" des Lebens

Über die Bedenken hinsichtlich des Insiderhandels hinaus gibt es tiefere Sorgen über die "Gamification" des menschlichen Daseins. Der demokratische Abgeordnete Ro Khanna aus Kalifornien äußerte sich besorgt darüber, dass Prediction Markets "jeden Aspekt der menschlichen Existenz zu einem Spiel machen" und die Gesellschaft "unbequemer mit dem Unbekannten und den Geheimnissen des Lebens" werden lässt.

Prediction Markets wie Kalshi und Polymarket präsentieren sich jedoch als mehr als bloße Glücksspielplattformen. Sie argumentieren, dass sie die kollektive Weisheit Tausender Wettender aggregieren und so eine wertvolle Informationsquelle über zukünftige Ereignisse darstellen. Rep. Torres, der Prediction Markets während der Wahlen 2024 neben Umfragen beobachtete, sieht darin Potenzial: "Wenn man finanziell beteiligt ist, wenn man Geld riskiert, hat man tatsächlich einen Anreiz zur Wahrheitsfindung." Sen. Murphy hingegen bleibt bei seiner Einschätzung, dass die Plattformen "Millionen von Menschen um Geld betrügen".

Regulatorische Herausforderungen und der Konflikt zwischen Bund und Ländern

Die rasante Expansion der Prediction Markets hat ein komplexes regulatorisches Minenfeld geschaffen. Während diese Plattformen unter der Aufsicht der US-amerikanischen Commodity Futures Trading Commission (CFTC) als Derivatprodukte nach dem Commodity Exchange Act (CEA) operieren, sehen sich die Betreiber zunehmendem Widerstand von einzelnen Bundesstaaten gegenüber, die die Märkte als getarntes Glücksspiel betrachten.

Die CFTC hat in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Kursänderung vollzogen. CFTC-Vorsitzender Michael Selig hat eine "Future-Proof-Initiative" gestartet, um bestehende Regeln für Prediction Markets und digitale Assets zu überprüfen. Er wies seine Mitarbeiter an, einen Vorschlag von 2024, der politische und sportbezogene Event-Kontrakte verboten hätte, sowie eine beratende Stellungnahme von 2025 zurückzuziehen. Stattdessen ordnete er die Ausarbeitung neuer Regeln an, um "klare Standards" für Event-Kontrakte festzulegen und die Zuständigkeit der Behörde in laufenden Gerichtsverfahren zu verteidigen.

Viele große Prediction Markets, darunter Kalshi und Polymarket, sind bei der CFTC als Designated Contract Markets (DCMs) registriert. Kalshi erhielt diese Bezeichnung am 3. November 2020, Polymarket im Juli letzten Jahres nach der Übernahme der Derivatebörse QCEX. Die CFTC-Abteilungen für Marktaufsicht und Clearing und Risiko haben in "No-Action-Letters" im Dezember festgestellt, dass bestimmte Kontrakte von Polymarket Clearing, QCEX, Aristotle und MIAXdx Contracts eher börsengehandelten Optionen auf Futures ähneln als traditionellen Swaps, wodurch sie von bestimmten Berichtspflichten befreit wurden.

Trotz der föderalen Genehmigung sehen sich die Plattformen auf staatlicher Ebene mit rechtlichen Anfechtungen konfrontiert:

  • Nevada: Ein Gericht erließ eine einstweilige Verfügung, die Polymarket vorübergehend daran hinderte, bestimmte Event-basierte Kontrakte für Einwohner anzubieten. Die Nevada Gaming Control Board kämpft zudem gegen Plattformen wie Crypto.com und Robinhood.
  • Massachusetts: Ein Richter entschied im Januar, dass Kalshi keine sportbezogenen Kontrakte ohne staatliche Lizenz anbieten darf, nach einer Klage von Andrea Joy Campbell.
  • Hawaii: Gesetzgeber arbeiten an einem Gesetzentwurf (HB 2198), der die Definition von "Glücksspiel" erweitern würde, um den Handel mit Event-basierten Kontrakten explizit zu verbieten. Der Gesetzentwurf, der am 5. Februar 2026 einstimmig einen Ausschuss passierte, listet Kontrakte zu Sport, Politik, Katastrophen und sogar Todesfällen auf. Er soll am 1. Juli 2026 in Kraft treten.
  • Tennessee: Auch hier gab es Bestrebungen, Sport-Event-Kontrakte in Prediction Markets zu verbieten.

Koleman Strumpf, Professor für öffentliche Wirtschaft an der Wake Forest University, betont, dass das regulatorische Umfeld "extrem volatil" sei und sich eine "breitere kulturelle Gegenbewegung oder ein Regierungswechsel, der eine viel härtere Linie fährt", auf die Zukunft der Prediction Markets auswirken könnte.

Reaktionen der Branche und Ausblick

Die Prediction-Market-Branche versucht, der Kritik entgegenzuwirken. Kalshi-Sprecher Jack Such berichtet von "Dutzenden Gesprächen mit Gesetzgebern auf beiden Seiten des Ganges" und betont, dass Kalshi ein "regulierungsfreundliches Unternehmen" sei, das auf Partnerschaft setzt. Der CEO von Kalshi, Tarek Mansour, trifft sich persönlich mit Gesetzgebern.

Während Polymarket nach dem Maduro-Handel relativ still geblieben ist, drängen andere Handelsriesen in den Markt. Cboe Global Markets prüft regulierte Derivate, die die Einfachheit von Prediction Markets widerspiegeln sollen. Crypto.com hat sein Prediction-Market-Geschäft in eine eigenständige App namens OG ausgegliedert, die in den letzten sechs Monaten ein 40-faches Wachstum der Handelsaktivität verzeichnete. Auch dezentrale Plattformen wie Jupiter und Hyperliquid integrieren oder planen die Einführung von Prediction Markets.

Die National Football League (NFL) hat sich von Prediction Markets distanziert und behandelt sie in ihrer internen Glücksspielrichtlinie ähnlich wie andere verbotene Wetten für Liga-Mitarbeiter. Die Zukunft der Prediction Markets hängt maßgeblich davon ab, wie sich der Konflikt zwischen der föderalen Regulierung durch die CFTC und den Bedenken der einzelnen Bundesstaaten sowie die breitere gesellschaftliche Akzeptanz entwickeln werden.

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