Prediction Markets: Neue Bedrohung für US-Stammes-Glücksspielindustrie

Prediction Markets: Neue Bedrohung für US-Stammes-Glücksspielindustrie

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Die Indian Gaming Association (IGA) hat auf ihrer Jahrestagung in San Diego die rasante Ausbreitung von Prediction Markets als zentrale Bedrohung für die hart erkämpfte Position des Stammes-Glücksspiels in den USA identifiziert. Diese Plattformen, die Wetten auf Ereignisse als Finanzhandel deklarieren, stellen die Milliarden-Dollar-Einnahmen der Stämme in Frage, die essenzielle soziale Dienste finanzieren.

Der Aufstieg der Prediction Markets

Plattformen wie Polymarket, Kalshi und Robinhood stehen im Zentrum der Debatte. Sie ermöglichen Nutzern, auf den Ausgang nahezu jedes Ereignisses zu wetten, vom NCAA-Turnier bis zu politischen Wahlen. Seit der Wahl 2024 haben diese Märkte, einst ein Nischenexperiment, an Popularität und Kontroversen gewonnen.

Die Betreiber dieser Märkte argumentieren, dass ihre Kunden "Event Contracts" handeln und somit Finanzgeschäfte tätigen, die von der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) reguliert werden sollten, ähnlich wie Rohstoffmärkte. Sie bestreiten, dass sie Vorschriften umgehen.

Eine Bedrohung für die Stammesökonomie

Die Glücksspielunternehmen der indigenen Stämme generierten 2024 fast 44 Milliarden US-Dollar, ein Rekordwert. Diese Einnahmen sind entscheidend für die Finanzierung von Gesundheitsversorgung, Wohnraum, Bildung und anderen sozialen Diensten in den Native American Communities. IGA-Vorsitzender David Bean bezeichnete die Prediction Markets als "rechtswidriges Glücksspiel, das als Finanzprodukt getarnt ist."

Jon Greendeer, Präsident der Ho-Chunk Nation, beschreibt den Kampf als "David gegen Goliath", da das soziale Sicherungssystem seines Stammes auf dem Spiel steht. Er merkt an: "Wir nehmen es mit jemandem auf, der bei einem einzigen Event mehr Geld verdient, als wir in einem ganzen Jahr." Victor Rocha, Konferenzvorsitzender der IGA, warnte, dass "alles, wofür wir in den letzten 30 Jahren gekämpft haben, im Handumdrehen verschwunden sein könnte."

Regulierungsstreit und rechtliche Auseinandersetzungen

Die Indian Gaming Association fordert den Kongress auf, gegen Prediction Markets vorzugehen, und hat einen Verteidigungsfonds für rechtliche Schritte angekündigt. Sie werfen den Plattformen vor, ihre Produkte falsch darzustellen, um ein sorgfältig ausgehandeltes System von Bundes-, Landes- und Stammesgesetzen zu umgehen.

Die CFTC prüft derzeit neue Regeln für Prediction Markets. Allerdings hat die Trump-Administration die Plattformen bisher unterstützt. Mehr als ein Dutzend US-Bundesstaaten und vier Stammesnationen haben Klagen gegen die Plattformen eingereicht, darunter die Ho-Chunk Nation gegen Kalshi und Robinhood.

Historischer Kontext des Stammes-Glücksspiels

In den 1970er Jahren, der Ära der Stammes-Selbstbestimmung, suchten Stämme nach Wegen, ihre Gemeinschaften aus der Armut zu befreien. Bingo-Hallen und Kartenräume entstanden auf Reservaten. Patrice Kunesh von der Brookings Institution erklärt, dass Stämme, deren Fähigkeit zur Steuererhebung begrenzt ist, diese neuen Einnahmequellen nutzten, um ihre Regierungen nach Jahrzehnten der Bundeskontrolle wieder aufzubauen.

Nach einer Entscheidung des US-Obersten Gerichtshofs im Jahr 1987, die Kaliforniens Versuch blockierte, Kartenräume auf zwei Reservaten zu schließen, drängten die Bundesstaaten den Kongress auf eine Rolle bei der Regulierung des Stammes-Glücksspiels. Dies führte 1988 zum Indian Gaming Regulatory Act, einem komplexen Regulierungssystem, das Kunesh als Kompromiss für die Stämme bezeichnete. Das Gesetz erweiterte die Arten des Glücksspiels, die Stämme anbieten konnten, und ebnete den Weg für eine Multi-Milliarden-Dollar-Industrie.

Die Strategie der Indian Gaming Association

Die IGA verfolgt eine koordinierte Strategie, die Aufklärung, Koalitionsbildung, Rechtsstreitigkeiten und Lobbyarbeit auf Bundesebene umfasst. IGA-Vorsitzender David Bean hat in den letzten Monaten 16 Stammesnationen besucht, um sie über die Bedrohung aufzuklären.

Die IGA plant, eine Klage gegen die CFTC einzureichen, da sie der Behörde vorwirft, ihre eigenen Vorschriften gegen Sportwetten nicht durchzusetzen. Zudem gibt es parteiübergreifende Gesetzesentwürfe im Kongress, die Sportwetten und Casinospiele auf Prediction-Market-Plattformen verbieten würden. Ein Änderungsantrag von US-Repräsentant Gabe Vasquez würde bekräftigen, dass föderal regulierte Derivatebörsen keine Event Contracts anbieten dürfen, die an Sportereignisse oder Casinospiele gebunden sind.

Herausforderungen und politische Hürden

Das Stammes-Glücksspiel ist Konkurrenz gewohnt. Als der Indian Gaming Regulatory Act 1988 verabschiedet wurde, waren kommerzielle Casinos nur in zwei US-Bundesstaaten legal; heute sind es 27. Hinzu kommen legale Sportwetten in 39 Staaten und der Aufstieg von Online-Casinos.

Der ehemalige Vorsitzende der National Indian Gaming Commission, Jonodev Chaudhuri, hebt hervor, dass Prediction Markets einzigartig sind, da sie scheinbar über Nacht mit minimaler Aufsicht auf dem Online-Glücksspielmarkt aufgetaucht sind. David Bean äußerte Bedenken hinsichtlich der "Zögerlichkeit von Gesetzgebern, die den großen Chef nicht verärgern wollen", angesichts der Unterstützung der Prediction Markets durch die Trump-Administration.

Kunesh weist darauf hin, dass die Kosten für die Einhaltung des Indian Gaming Regulatory Act einen erheblichen Teil der Einnahmen der Stämme verschlingen. Das Gesetz ermöglicht es den Staaten auch, Einnahmenbeteiligungsvereinbarungen mit den Stämmen auszuhandeln, oft im Austausch für eine gewisse Exklusivität.

Erwähnte Persönlichkeiten