Private Credit: Anleger fordern Milliarden ab – Was steckt hinter dem Rückzug?

Private Credit: Anleger fordern Milliarden ab – Was steckt hinter dem Rückzug?

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Im ersten Quartal 2026 forderten Anleger die Auszahlung von 19,5 Milliarden US-Dollar aus Private-Credit-Direktkreditfonds. Eine Analyse von SEC-Einreichungen durch Business Insider zeigt jedoch, dass die Fonds nur 53 % dieser Anträge, also 10,4 Milliarden US-Dollar, über 17 untersuchte Anlagevehikel hinweg bedienten. Neun Fonds entschieden sich, die Auszahlungen auf die vierteljährlich zulässigen Höchstbeträge von 5 % oder 7 % zu begrenzen.

Rekordabzüge bei Private-Credit-Fonds

Die Summe der Rücknahmeanträge im ersten Quartal 2026, die laut Financial Times (zitiert in Private Equity Wire) sogar 20,8 Milliarden US-Dollar erreichte, markiert einen deutlichen Anstieg. Die tatsächlichen Auszahlungen von 10,4 Milliarden US-Dollar stellen einen Rekordwert dar. Die Anträge stiegen um 142,2 % gegenüber dem letzten Quartal 2025, während die tatsächlichen Auszahlungen um 28,9 % gegenüber den 8 Milliarden US-Dollar am Ende des Vorjahres zunahmen. Viele dieser Fonds entschieden sich im ersten Quartal dieses Jahres erstmals, Abhebungen zu begrenzen, wodurch über 9 Milliarden US-Dollar in den Fonds verblieben.

Die Auszahlungsbeträge waren bereits zuvor stetig gestiegen und hatten sich von Q3 auf Q4 2025 um 154 % erhöht, als Anleger 8 Milliarden US-Dollar abzogen. Die Analyse konzentriert sich ab dem zweiten Quartal 2025, da ab diesem Zeitpunkt die Rücknahmezahlen zu steigen begannen, möglicherweise beeinflusst durch Zölle auf Business Development Companies (BDCs).

Was steckt hinter dem Private Credit Boom?

Private Credit, also Kredite, die von Nicht-Banken wie Vermögensverwaltern vergeben werden, hat sich in der ersten Hälfte des Jahrzehnts zu einer der am schnellsten wachsenden Anlageklassen entwickelt. Das größte Segment ist die Direktkreditvergabe an Unternehmen zur Finanzierung ihrer Geschäftstätigkeit, oft zur Finanzierung von Leveraged Buyouts für Private-Equity-Firmen. Seit der Finanzkrise 2008 hat sich Private Credit als wichtige Alternative zur traditionellen Bankkreditvergabe etabliert.

Die Private-Markets-Branche drängt zudem stark in den Bereich der Privatanleger, indem sie über Vermögensverwalter semi-liquide Anlagevehikel wie Business Development Companies (BDCs) oder Interval Funds anbietet. Diese Private-Credit-Vehikel versprechen höhere Renditen als "öffentliche" Kredite, der Kompromiss besteht jedoch darin, dass Anleger ihr Geld nur vierteljährlich abziehen können.

Gründe für die schwindende Anlegerzuversicht

Die aktuellen Rücknahmeanträge sind ein Zeichen für ein nachlassendes Vertrauen einiger Anleger in nicht gehandelte Private-Credit-Fonds. Es wachsen Bedenken hinsichtlich der Exposition gegenüber Software-Darlehen im Zeitalter der generativen Künstlichen Intelligenz (KI) und der Diskrepanz zwischen Bewertungen an privaten und öffentlichen Märkten.

Zusätzlich spiegelt sich eine allgemeine Besorgnis über alternde Leveraged Buyouts wider, die schwer zu veräußern sind und oft über Private-Credit-Kanäle finanziert wurden. Obwohl einige Anleger Geld abziehen, investieren andere weiterhin, was bedeutet, dass diese Vehikel im Quartal möglicherweise deutlich geringere Nettoabflüsse oder sogar Nettozuflüsse verzeichnen könnten.

Unterschiedliche Reaktionen der Fondsmanager

Die Fondsmanager reagierten unterschiedlich auf die Abzugswellen. Der Blackstone Private Credit Fund, der größte nicht gehandelte BDC mit einem Vermögen von 82,7 Milliarden US-Dollar, zahlte mit 3,7 Milliarden US-Dollar den bei weitem größten Betrag an Anleger aus, da das Unternehmen auf eine Begrenzung der Abhebungen auf 5 % verzichtete. Dabei ist zu beachten, dass fast 2,5 Milliarden US-Dollar von neuen Anlegern sowie vom Unternehmen und einigen Führungskräften in den Fonds flossen. Auch Oaktree erlaubte, dass Rücknahmen die üblichen vierteljährlichen Obergrenzen von 5 % überschritten.

Andere große Manager wie Apollo, Ares, Blue Owl, HPS Investment Partners und Morgan Stanley hielten an diesen Limits fest, um die verbleibenden Anleger zu schützen und potenzielle Notverkäufe zu vermeiden. Die größten Anträge in Dollarbeträgen verzeichneten der Cliffwater Corporate Lending Fund und der Blue Owl Credit Income Corp. Der Blue Owl Technology Income Corp, ein kleinerer, technologieorientierter Fonds von Blue Owl, hatte in den letzten beiden Quartalen den höchsten prozentualen Anteil an Rücknahmeanträgen und zahlte im vierten Quartal des Vorjahres 15,40 % oder 527 Millionen US-Dollar aus. Dieser Fonds verkaufte im ersten Quartal auch einige Vermögenswerte, um seine Liquidität zu stärken, und beschloss im folgenden Quartal, Abhebungen zu begrenzen.

Trotz der Abzüge bleibt die zugrunde liegende Kreditperformance im Private-Credit-Sektor weitgehend stabil. Viele Private-Credit-Fonds verzeichnen weiterhin Wachstum, unterstützt durch Zuflüsse in Interval Funds und nicht gehandelte Business Development Companies. RA Stanger schätzt, dass die Branche in den ersten beiden Monaten des Jahres 2026 3,5 Milliarden US-Dollar in solchen Vehikeln eingesammelt hat.

Regulatorische Beobachtung und Marktausblick

Der Anstieg der Rücknahmeanträge hat die Aufmerksamkeit der Regulierungsbehörden auf sich gezogen. Die Federal Reserve und das US-Finanzministerium überwachen den Sektor, und die Ratingagentur Moody’s hat den Branchenausblick aufgrund des erhöhten Rücknahmedrucks herabgestuft. Marktbeobachter warnen, dass die Ausfallraten steigen könnten, falls sich die makroökonomischen Bedingungen verschlechtern, insbesondere angesichts der Konzentration von Private Credit in risikoreicheren Software- und technologiegestützten Deals. Trotz dieser Herausforderungen bleibt die Rolle des Sektors als wichtige Kapitalquelle für Leveraged Buyouts und von Private Equity unterstützte Unternehmen bestehen.

Ausgewählte Private-Credit-Fonds: Abzüge im Detail (Q1 2026)

Die folgende Tabelle zeigt die angefragten und tatsächlich ausgezahlten Beträge für eine Auswahl von Private-Credit-Fonds im ersten Quartal 2026, basierend auf einer Analyse von SEC-Einreichungen:

  • Apollo Debt Solutions BDC: $1,6 Milliarden angefragt, $730 Millionen ausgezahlt
  • Ares Strategic Income Fund: $1,2 Milliarden angefragt, $524,5 Millionen ausgezahlt
  • Barings Private Credit Corp: $317,7 Millionen angefragt, $140,7 Millionen ausgezahlt
  • **BlackRock Private Credit Fund:** $70 Millionen angefragt, $70 Millionen ausgezahlt
  • Blackstone Private Credit Fund: $3,7 Milliarden angefragt, $3,7 Milliarden ausgezahlt
  • Blue Owl Credit Income Corp: $4,3 Milliarden angefragt, $988 Millionen ausgezahlt
  • Blue Owl Technology Income Corp: $1,2 Milliarden angefragt, $179 Millionen ausgezahlt
  • Cliffwater Corporate Lending Fund: $4,5 Milliarden angefragt, $2,2 Milliarden ausgezahlt
  • **Fidelity Private Credit Fund:** $35,7 Millionen angefragt, $35,7 Millionen ausgezahlt
  • **Goldman Sachs Private Credit Corp:** $430 Millionen angefragt, $430 Millionen ausgezahlt
  • HPS Corporate Lending Fund: $1,2 Milliarden angefragt, $620 Millionen ausgezahlt
  • **KKR FS Income Trust:** $97 Millionen angefragt, $77 Millionen ausgezahlt
  • Monroe Capital Income Plus Corp: $149,7 Millionen angefragt, $149,7 Millionen ausgezahlt
  • (Morgan Stanley) North Haven Private Income Fund: $349 Millionen angefragt, $167 Millionen ausgezahlt
  • Nuveen Churchill Private Capital Income Fund: $44,4 Millionen angefragt, $44,4 Millionen ausgezahlt
  • Oaktree Strategic Credit Fund: $313 Millionen angefragt, $313 Millionen ausgezahlt
  • TPG Twin Brook Capital Income Fund: $31 Millionen angefragt, $31 Millionen ausgezahlt