
Privatinsolvenzen in den USA steigen: Junge Generationen und Sportwetten im Fokus
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Die Zahl der Privatinsolvenzen in den USA steigt nach pandemiebedingten Tiefstständen wieder an. Besonders auffällig ist dabei eine Zunahme bei jungen Erwachsenen, die mit steigenden Lebenshaltungskosten, stagnierenden Löhnen und leichtem Zugang zu Krediten zu kämpfen haben. Diese Entwicklung spiegelt eine wachsende finanzielle Belastung wider, die sich in verschiedenen Wirtschaftsbereichen bemerkbar macht.
Anstieg der Privatinsolvenzen in den USA
Im vergangenen Jahr wurden in den Vereinigten Staaten über 533.000 individuelle Insolvenzverfahren eingereicht, was einem Anstieg von rund 11 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Diese Zahlen zeigen eine deutliche Trendwende nach den Tiefstständen während der Pandemie. Die Amerikaner kämpfen weiterhin mit hohen Preisen und erhöhten Kreditkosten, was den finanziellen Druck verstärkt.
Aktuelle Daten von G2 Risk Solutions (G2RS) bestätigen diesen Trend: Im Februar 2026 stiegen die Verbraucherinsolvenzen leicht um 0,43 % gegenüber Januar 2026. Im Vergleich zum Februar 2025 war jedoch ein signifikanter Anstieg von 13,3 % zu verzeichnen.
Junge Generationen unter finanziellem Druck
Konsumenteninsolvenzanwälte berichten von einer spürbaren Zunahme von Klienten der Generation Z und junger Millennials in den letzten Jahren. Chad Van Horn, ein Insolvenzanwalt aus Florida, erklärte gegenüber Business Insider: „Wir sehen definitiv mehr junge Antragsteller, und das liegt nicht daran, dass sie unverantwortlich sind. Es liegt daran, dass sie in einem der finanziell verzerrtesten Umfelder seit Jahrzehnten erwachsen wurden.“
Ed Boltz, ein Insolvenzanwalt aus North Carolina, ergänzte, dass die aktuelle Situation "eine Art Kater von mehreren Jahren staatlicher Konjunkturprogramme und all den verschiedenen wirtschaftlichen Dingen ist, die Kosten und Ausgaben in die Höhe getrieben haben, während die Löhne ziemlich flach blieben." Obwohl es keine umfassenden nationalen Daten zum Alter der Insolvenzantragsteller gibt, wird der Trend auch auf Plattformen wie TikTok sichtbar, wo junge Menschen offen über ihre Insolvenzerfahrungen berichten und den Prozess als Weg zur Schuldentilgung befürworten.
Ursachen der wachsenden Verschuldung
Mehrere Faktoren tragen zu dieser Entwicklung bei:
- Steigende Lebenshaltungskosten: Die Kosten für Wohnen, Lebensmittel und andere Güter sind in den letzten Jahren erheblich gestiegen.
- Stagnierende Löhne: Die Einkommen halten oft nicht mit der Inflation Schritt, was die Kaufkraft mindert.
- Leichter Zugang zu Krediten: Die Verfügbarkeit von Kreditkarten und anderen Kreditformen kann zu einer schnellen Anhäufung von Schulden führen.
- Hohe Kreditkosten: Erhöhte Zinsen machen die Rückzahlung von Schulden teurer und belasten die Haushalte zusätzlich.
Ryan Sanders, Direktor bei G2RS, kommentierte: „Während die Insolvenzanträge nicht über Nacht explodieren, deuten die Februar-Daten darauf hin, dass sich für die Verbraucher der zugrunde liegende finanzielle Druck deutlich aufbaut.“ Er sieht die "frühe Bildung einer Pipeline, die typischerweise im Laufe der Zeit zu erhöhungen der Antragsaktivität führt."
Kapitel 7 und Kapitel 13 Insolvenzen
Innerhalb der Verbraucherinsolvenzen stiegen die Anträge nach Kapitel 7 um 15,9 % und nach Kapitel 13 um 8,5 % im Vergleich zum Februar 2025.
- **Kapitel 7 Insolvenz:** Wird von den am stärksten verschuldeten Verbrauchern eingereicht, die ihre Schulden nicht angemessen zurückzahlen können. Nicht-ausgenommene Vermögenswerte werden liquidiert, um ungesicherte Schulden zu tilgen.
- Kapitel 13 Insolvenz: Ermöglicht Verbrauchern mit regelmäßigem Einkommen, Schulden durch einen strukturierten Rückzahlungsplan über einen bestimmten Zeitraum zu reorganisieren.
Der Anstieg der Kapitel 7 Anträge um fast 16 % ist laut Ryan Sanders ein Zeichen dafür, dass "mehr Haushalte einen Punkt erreichen, an dem die Schuldentilgung nicht mehr machbar ist."
Der Einfluss von Online-Sportwetten auf die Finanzlage
Ein weiterer signifikanter Faktor, der die finanzielle Belastung vieler Amerikaner verschärft, ist der Boom der legalen Online-Sportwetten. Seit einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofs im Jahr 2018, die den Bundesstaaten die Legalisierung ermöglichte, hat sich die Branche zu einem Multi-Milliarden-Dollar-Geschäft entwickelt. Die Möglichkeit, Wetten direkt über das Smartphone zu platzieren, hat die Zugänglichkeit erheblich erhöht.
Eine Studie der New Yorker Federal Reserve stellte fest, dass Sportwetten mit einem Rückgang der Kreditwürdigkeit in den über 30 US-Bundesstaaten, in denen die Aktivität legal ist, verbunden sind. Obwohl legale Sportwetter nur 3 % der Bevölkerung ausmachen, stiegen die Kreditdelinquenzraten – hauptsächlich durch versäumte Zahlungen bei Kreditkarten und Autokrediten – in diesen Staaten um etwa 0,3 %. Bei den 3 % der Bevölkerung, die nach der Legalisierung mit Sportwetten begannen, stiegen die Kreditdelinquenzen sogar um über 10 %. Kreditdelinquenz bedeutet, dass Kreditraten mindestens 90 Tage überfällig sind.
Brett Hollenbeck, Professor für Marketing an der UCLA Anderson School of Management, fand in seiner Studie ähnliche besorgniserregende Trends. Er stellte fest, dass der durchschnittliche Kredit-Score in Staaten, die Sportwetten legalisiert hatten, um 0,8 Punkte sank. Seine Forschung zeigte, dass "nach einer gewissen Zeit eine ziemlich signifikante Verschlechterung der finanziellen Gesundheit der Verbraucher" eintrat, mit schlechteren Kredit-Scores und mehr Delinquenzen.
Besonders alarmierend ist, dass Studien einen direkten Zusammenhang zwischen dem Zugang zu Online-Wetten und Insolvenzen feststellen. In Staaten, die Online-Wetten erlaubten, wurde eine 10%ige Zunahme der Insolvenzwahrscheinlichkeit und eine 8%ige Zunahme der Inkassobeträge beobachtet, typischerweise etwa zwei Jahre nach der Legalisierung. Die vierteljährlichen Ausgaben von Wettern haben sich seit der Pandemie mehr als verdoppelt, von unter 500 US-Dollar im Dezember 2019 auf über 1.000 US-Dollar im Juni 2021.
Gemischtes Bild bei Unternehmensinsolvenzen
Auch bei den Unternehmensinsolvenzen zeigt sich ein gemischtes Bild. Im Februar 2026 gab es insgesamt 1.239 Anträge, was 10,9 % weniger als im Januar 2026 war. Im Jahresvergleich zum Februar 2025 stiegen die Anträge jedoch um 36,3 % und erreichten das zweithöchste Niveau für einen Februar seit 2018.
Ryan Sanders von G2RS merkt an: „Auf der kommerziellen Seite liegt das aktuelle Niveau, obwohl es einen Rückgang von Monat zu Monat gab, deutlich über dem Niveau vor der Pandemie.“ Dies sei eine Erinnerung daran, dass viele Unternehmen durch höhere Kosten und strengere Kreditbedingungen herausgefordert werden, während sie gleichzeitig versuchen, Änderungen in der Verbrauchernachfrage zu bewältigen.