
Prop Trading: Der 12-Milliarden-Dollar-Markt, der Gen Z und Millennials anzieht
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Der Markt für Prop Trading, bei dem Privatpersonen gegen eine Gebühr Zugang zu Handelskapital von Firmen erhalten, boomt. Innerhalb der letzten drei Jahre stieg die Zahl der aktiven Prop Trader weltweit um 25%, und die Branche wird auf rund 12 Milliarden US-Dollar geschätzt. Besonders die Generation Z und Millennials sehen darin eine Chance auf finanzielle Unabhängigkeit, auch wenn der Weg dorthin oft steinig ist.
Der Aufstieg des Prop Tradings
Das Interesse am Prop Trading hat im letzten Jahr explosionsartig zugenommen, parallel zu den Rekordhochs an den US-Börsen. Laut Google Trends-Analysetool Glimpse stieg das Suchinteresse für "Prop Firms" um 85% und für "Prop Trading" um 139%. Es ist wichtig zu beachten, dass dieses Prop Trading nicht mit dem proprietären Handel großer Wall-Street-Firmen zu verwechseln ist.
Prop Trading Firmen bieten Privatanlegern, die risikoreichere und aggressivere Wetten eingehen möchten, die Möglichkeit, mit einem Pool an Kapital zu handeln. Für eine Gebühr, die zwischen 50 und mehreren hundert Dollar liegen kann, erhalten Trader Zugang zu diesen Geldern. Viele Trader sind bereit, Tausende von Dollar an Gebühren zu zahlen und Verluste in Kauf zu nehmen, um diese Chance zu nutzen.
Wie Prop Trading funktioniert
Der Einstieg ins Prop Trading folgt einem klaren Schema. Zuerst müssen Trader eine Evaluation bestehen, die aus einer Reihe kleiner Herausforderungen besteht und ihre Handelsfähigkeiten unter Beweis stellen soll. Nach erfolgreichem Abschluss erhalten sie ein sogenanntes "funded account" – ein finanziertes Konto.
Dieses Konto kann zwischen 5.000 und mehreren hunderttausend Dollar umfassen, die dem Trader zur Verfügung stehen. Es gibt jedoch einige wichtige Bedingungen: Wenn ein Trader einen erheblichen Betrag am Markt verliert, wird das Konto geschlossen und die Finanzierung entzogen. Im Erfolgsfall behält die Firma einen Teil des Gewinns, typischerweise etwa 20%.
Die Kehrseite der Medaille: Risiken und Realität
Trotz des verlockenden Versprechens von hohem Kapital und potenziellen Gewinnen ist der Erfolg im Prop Trading schwer zu erreichen. Die Analyse von ZipDo zeigt, dass der durchschnittliche Prop Trader nur 29 Jahre alt ist und etwa drei von vier Tradern über einen Zeitraum von sechs Monaten keine nachhaltige Rentabilität erzielen.
Topstep, eine bekannte Prop Trading Firma, gibt auf ihrer Website an, dass im Jahr 2024 nur 12,4% der Trader die Evaluation bestanden und ein finanziertes Konto erhalten haben. Von diesen finanzierten Tradern erhielten wiederum nur 28,3% eine Auszahlung ihrer Gewinne. Daniel Inskeep, ein 37-jähriger Trader aus Chicago, beschreibt Prop Trading als eine emotionale Achterbahnfahrt und weitaus stressiger als den Handel mit eigenem Kapital.
Stimmen aus der Praxis: Warum Trader dabei bleiben
Ricky Saldana, ein 29-jähriger Trader aus New York, sah im Prop Trading eine fantastische Gelegenheit, finanziell unabhängig zu werden. Er schätzt, dass er über die Jahre rund 10.000 US-Dollar für die Eröffnung neuer Prop-Konten bezahlt hat und mehrere Konten "geblasen" hat – ein Begriff, der die Schließung eines Kontos nach Verlusten beschreibt. Trotzdem ist er nicht bereit, aufzuhören, da die Aussicht auf finanzielle Freiheit zu verlockend ist.
Auch Daniel Inskeep, der ebenfalls rund 10.000 US-Dollar an Gebühren gezahlt hat und insgesamt im Minus ist, bleibt dabei. Er schätzt die Freiheit, von zu Hause aus zu handeln, und sieht es als eine Fähigkeit, die ihm niemand nehmen kann. Joseph Katumba, ein 32-jähriger Trader aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, der rund 7.000 US-Dollar an Gebühren investierte, hat nach eigenen Angaben Gewinne erzielt. Er sieht im Prop Trading eine einzigartige Chance, sein Leben zu verbessern und philanthropische Arbeit in seinem Heimatland Uganda zu leisten.
Die Perspektive der Prop-Firmen
Dan Cook, Chief Strategy Officer bei Apex Trader Funding, einer Prop Trading Firma, die in den letzten drei Jahren ein explosives Wachstum verzeichnete, erklärt den Boom mit der Mundpropaganda. Er betont, dass Trader nicht Tausende ihres eigenen Geldes einsetzen müssen und die Hemmschwelle sinkt. Die Auszahlungen seiner Firma an Trader seien im letzten Jahr um das Sechsfache gestiegen.
Auf die Kritik an der Gebührenstruktur und den niedrigen Erfolgsquoten der Trader entgegnet Cook, dass es eine "Verantwortung" seitens der Trader geben müsse. Er betont, dass alle Bedingungen und Regeln im Voraus klar kommuniziert werden: "Es ist wirklich ein offenes Buch. Es gibt keine Überraschungen." Die Firmen sehen sich als Ermöglicher, die eine Chance bieten, die jedoch mit Disziplin und Können genutzt werden muss.