
Reliance Retail: Wachstumsschwäche belastet Indiens größten Konzern
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Indiens größter Mischkonzern, Reliance Industries, sieht sich trotz geopolitischer Herausforderungen im Ölraffineriegeschäft mit seinen größten Problemen im Inland konfrontiert. Insbesondere das Einzelhandelssegment, die drittgrößte Sparte des Konzerns, verzeichnete im Dezember-Quartal ein verlangsamtes Wachstum, was Analysten dazu veranlasste, ihre Gewinnschätzungen und Kursziele zu senken. Diese Entwicklung wirft Fragen bezüglich der zukünftigen Wachstumsfähigkeit des Einzelhandelsgeschäfts auf.
Herausforderungen im Einzelhandel
Das Einzelhandelsgeschäft von Reliance Retail, einem Schlüsselbereich für Reliance Industries, zeigte im Dezember-Quartal eine deutliche Verlangsamung. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich lediglich um 8,1 %, während das EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation) nur um 2 % zulegte. Diese Zahlen stehen im Kontrast zu den ambitionierten Zielen, die Isha Ambani, Leiterin des Einzelhandelsgeschäfts, im vergangenen Jahr auf der Hauptversammlung geäußert hatte, nämlich ein jährliches Umsatzwachstum (CAGR) von über 20 % in den nächsten drei Jahren.
Die schwächeren Ergebnisse haben bereits zu Reaktionen am Markt geführt. Macquarie Capital hat Reliance von seiner "Asia Marquee"-Liste gestrichen und bezeichnete Reliance Retail als "entscheidenden Einflussfaktor" für die Sum-of-the-Parts-Bewertung des Konzerns. Auch die Kursziele wurden angepasst: Citi senkte ihr Ziel von 1.860 auf 1.815 Rupien (19,9 US-Dollar) pro Aktie, während UBS von 1.820 auf 1.790 Rupien reduzierte. UBS hatte für das Einzelhandelsgeschäft im Dezember-Quartal noch ein Wachstum von 10 % erwartet.
Uneinheitliche Konsumdynamik in Indien
Die Verlangsamung im Einzelhandel von Reliance spiegelt teilweise eine uneinheitliche Konsumdynamik in Indien wider. Kurz vor der Festtagssaison im September hatte die indische Regierung die Waren- und Dienstleistungssteuersätze (GST) gesenkt, um den Binnenkonsum anzukurbeln. Die Nachfrageentwicklung war jedoch segmentübergreifend ungleichmäßig.
Während Verkäufe von Gold und Autos im Dezember-Quartal zunahmen, verzeichneten die Bereiche Mode und Grundnahrungsmittel ein schwächeres Wachstum. Bernstein äußerte sich in einer aktuellen Notiz mit "nüchternen Erwartungen" für 2026 und prognostizierte bestenfalls eine "allmähliche Erholung, keinen dramatischen Aufschwung". Auch Wettbewerber wie Avenue Supermarkets und Trent der Tata Group meldeten im gleichen Zeitraum ein langsameres Wachstum.
Reliance Retail argumentierte, dass die Ergebnisse des Dezember-Quartals nicht direkt mit dem Vorjahr vergleichbar seien, da das Geschäft mit Grundnahrungsmitteln ausgegliedert und nun eine direkte Tochtergesellschaft von Reliance Industries ist. Das Bruttoeinkommen dieses Geschäfts betrug im Dezember-Quartal 50,65 Milliarden Rupien (556,8 Millionen US-Dollar), was etwa 5 % des Gesamtumsatzes von Reliance Retail von 976 Milliarden Rupien ausmachte.
Analysten sehen langfristigen Trend
Die meisten Brokerhäuser interpretieren die Ergebnisse des Dezember-Quartals nicht als einmaligen Ausrutscher, sondern als Teil eines säkularen Abwärtstrends im Einzelhandel. Citi hat beispielsweise ihre Schätzungen für das konsolidierte EBITDA von Reliance für die Fiskaljahre 2026 bis 2028 um 1 % bis 2 % gekürzt, unter Verweis auf eine "Moderation" im Einzelhandelsgeschäft.
Seit der Bekanntgabe der Quartalsergebnisse haben die Aktien von Reliance Industries fast 5 % an Wert verloren. Dies geschieht, obwohl das Kerngeschäft der Ölraffinerie das schwierige Geschäftsumfeld gut zu meistern scheint und das große Telekommunikationsgeschäft ein stetiges Wachstum verzeichnete. Die Herausforderungen im Einzelhandel bleiben somit ein zentraler Fokus für den Konzern und seine Investoren.