
Rideshare-Nebenverdienst: Medizinstudentin kämpft mit hohen Kosten und Zeitdruck
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Die Gig Economy verspricht oft flexible Arbeitszeiten und attraktive Verdienstmöglichkeiten. Doch die Realität kann für viele anders aussehen, wie das Beispiel von Porshaye Watkins, einer 37-jährigen Medizinstudentin aus Atlanta, zeigt. Ihr Versuch, mit Rideshare-Diensten wie Uber und Lyft ein Einkommen zu erzielen, erwies sich als weitaus weniger profitabel und nachhaltig als erhofft.
Ein unerwarteter Weg: Medizinstudium und familiäre Verantwortung
Porshaye Watkins begann ihr Medizinstudium im Januar 2020. Nach dem Tod ihrer Großmutter, die sie aufgezogen hatte, übernahm sie die alleinige Pflege für ihren Großvater, einen Vietnamkriegsveteranen, und ihren erwachsenen Bruder mit geistiger Behinderung. Um ihr Einkommen aufzubessern und gleichzeitig ihren familiären Verpflichtungen und dem Studium nachzukommen, begann sie im Herbst des letzten Jahres, als Rideshare-Fahrerin zu arbeiten. Die Erwartung war, eine flexible und lukrative Einnahmequelle zu finden.
Die Realität des Rideshare-Geschäfts: Hohe Kosten, geringe Flexibilität
Die anfänglichen Erfahrungen von Porshaye Watkins standen im krassen Gegensatz zu den Geschichten von Vollzeitfahrern, die angeblich Tausende von Dollar pro Woche verdienten. Die profitabelsten Arbeitszeiten, oft nachts, kollidierten mit ihren Studienzeiten. Dies schränkte ihre Flexibilität erheblich ein.
Ein wesentlicher Kostenfaktor war zunächst die Fahrzeugmiete. Porshaye mietete ein Fahrzeug über Lyft, was sich als sehr teuer erwies:
- Etwa 300 US-Dollar pro Woche für das Auto.
- Zusätzliche Kosten für Kaution, Steuern, Gebühren und Versicherung.
- Insgesamt über 1.000 US-Dollar pro Monat für ein gemietetes Fahrzeug.
Angesichts von Fahrten, die teilweise nur 2 oder 3 US-Dollar einbrachten, war dies finanziell nicht tragbar. Anfang dieses Jahres kaufte sie daher ihr eigenes Auto.
Finanzielle Hürden und Zeitdruck
Trotz des Kaufs eines eigenen Fahrzeugs blieb der finanzielle Druck hoch. Porshaye Watkins berichtet, dass sie in manchen Wochen bis zu 55 Stunden fahren muss, um ihre Ausgaben zu decken. Bislang hat sie etwa 1.400 Fahrten für Uber und 500 für Lyft absolviert. Aktuell pausiert sie ihr Studium, plant aber, im Januar ihr letztes Studienjahr wieder aufzunehmen.
Gesundheitliche Bedenken und Sicherheitsrisiken
Als angehende Ärztin beobachtet Porshaye Watkins besorgniserregende Verhaltensweisen bei anderen Rideshare-Fahrern. Viele Fahrer, mit denen sie spricht, opfern Freizeit und Schlaf, um zu arbeiten. Dies kann zu erhöhter Angst führen, besonders spät in der Nacht, was ein Risiko für alle Verkehrsteilnehmer darstellt. Ein Lyft-Sprecher betonte, dass die Gesundheit und das Wohlbefinden der Fahrer oberste Priorität hätten. Das Unternehmen ermutige Fahrer, Pausen zu machen, und limitiere die Arbeitszeit auf 12 Stunden am Stück. Ein Uber-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab.
Porshaye Watkins bemerkte auch, dass sie als Fahrerin deutlich mehr sitzt als während ihres Medizinstudiums, was sich negativ auf ihre Gesundheit auswirkt. Sie sucht aktiv nach Wegen, um wieder körperlich aktiver zu werden.
Alternativen und die Suche nach Nachhaltigkeit
Im Laufe des letzten Jahres wurde Porshaye Watkins klar, dass das Fahren für Rideshare-Dienste für sie kein nachhaltiger Nebenverdienst ist. Sie hat begonnen, sich auf andere Stellen zu bewerben, erhält jedoch selten Rückmeldungen. Zusätzlich zu Uber und Lyft liefert sie Lebensmittel und Restaurantbestellungen über Instacart und DoorDash aus. Die erfolgreichste Alternative, die sie gefunden hat, ist die Arbeit als Vertretungslehrerin.
Porshaye Watkins empfindet es als zermürbend, so hart arbeiten zu müssen. Sie hatte gehofft, dass die Rideshare-Branche eine verlässliche Option für Menschen wie sie sein könnte, die Flexibilität benötigen, doch diese Erwartung wurde nicht erfüllt. Ihre Erfahrung unterstreicht die Herausforderungen, denen sich viele in der Gig Economy gegenübersehen, wenn es darum geht, ein stabiles und nachhaltiges Einkommen zu erzielen.