
Rivian-CEO: Autonomes Fahren bis 2030 "unvorstellbar" optional – Branche im Wandel
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Rivian-CEO RJ Scaringe prognostiziert, dass selbstfahrende Autos bis 2030 zum Standard werden. Diese kühne Vision spiegelt einen breiteren Trend in der Automobilindustrie wider, die verstärkt in fortschrittliche Fahrerassistenzsysteme investiert, während Rivian selbst mit der Einführung des günstigeren R2-Modells seine Marktposition stärken will.
Die Vision des Rivian-CEOs: Autonomes Fahren als Standard
RJ Scaringe, CEO von Rivian, äußerte in einem "No Priors"-Podcast, dass es bis 2030 "unvorstellbar" sein wird, ein Auto ohne Selbstfahrfunktionen zu kaufen. Er hofft sogar, dass dieser Wandel noch früher eintritt und autonome Fähigkeiten in der "sehr nahen Zukunft" zu einem "Must-have" werden. Scaringe vergleicht diese Entwicklung mit einst optionalen Ausstattungen wie Airbags oder Klimaanlagen, die heute als selbstverständlich gelten.
Er erwartet, dass Fahrzeuge bald in der Lage sein werden, Passagiere am Flughafen abzusetzen oder Kinder von der Schule abzuholen. Langfristig sieht Scaringe autonome Fahrzeuge sogar in der Lage, Besorgungen zu erledigen, wie Einkäufe zu tätigen oder Ersatzteile zu bestellen. Rivian gehört neben Tesla, Waymo (Alphabet) und Ford zu den US-Herstellern, die in diesem Bereich aktiv sind, und steht im Wettbewerb mit chinesischen Anbietern wie BYD, XPeng und Baidu.
Der Wandel in der Automobilindustrie: Fokus auf ADAS
Die Automobilindustrie erlebt ein Comeback des automatisierten Fahrens, angetrieben durch Fortschritte in der künstlichen Intelligenz und Markterfolge, wie Brancheninsider auf der CES 2026 in Las Vegas berichteten. Nachdem das Interesse an hochrangigen Level-4- und Level-5-Systemen zwischenzeitlich nachgelassen hatte, verlagert sich die Investition nun wieder von reinen Elektrofahrzeugen (BEVs) hin zu fortschrittlichen Fahrerassistenzsystemen (ADAS). Dies ist teilweise auf eine Verlangsamung im BEV-Markt, anhaltende Kostennachteile und eine zögerliche Verbraucherakzeptanz zurückzuführen.
Rajat Sagar, Vice President-Product Management für die Snapdragon Ride Pilot Plattform bei Qualcomm, betont, dass Automobilhersteller weltweit den Nutzen des automatisierten Fahrens erkennen. Unternehmen in China und andere wie Tesla setzen bereits hochentwickelte ADAS-Funktionen ein, um Kunden zu gewinnen und die Nachfrage zu befeuern. C.J. Finn, US-Automotive Leader bei PricewaterhouseCoopers, sieht in der Einführung höherer Automatisierungslevel die beste kurzfristige Chance, Marktanteile zu gewinnen, und bezeichnet den Übergang von Level 2-plus zu Level 4 als "Game Changer".
Die Verbrauchernachfrage nach dieser Technologie wächst ebenfalls. Eine Studie von AutoPacific aus dem Juli zeigte, dass 43% der US-Autokäufer hands-off semi-autonomes Fahren für Autobahnen (Level 2-plus-Systeme wie General Motors' Super Cruise, Fords BlueCruise und Teslas Full Self Driving) am meisten wünschen – ein Anstieg um 20 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Eine McKinsey-Studie aus dem Jahr 2023 ergab zudem, dass zwei Drittel der Verbraucher bereit wären, einen Aufpreis von 10.000 US-Dollar für Level-4-Technologie (hands-off und eyes-off auf Autobahnen und Stadtstraßen) zu zahlen. Vlad Voroninski, CEO des Startups Helm.ai, sieht assistiertes Fahren für Nutzfahrzeuge als den Hauptumsatztreiber und ein Top-Thema in den Vorstandsetagen der Automobilunternehmen.
Rivians Strategie und finanzielle Entwicklung
Rivian meldete für das Gesamtjahr 2025 einen Umsatz von 5,39 Milliarden US-Dollar, was einem Anstieg von 8% gegenüber 2024 entspricht. Im selben Zeitraum wurden 42.247 Fahrzeuge an Kunden ausgeliefert. Die Ergebnisse des vierten Quartals 2025, veröffentlicht am 12. Februar 2026, zeigten einen Umsatz von 1,29 Milliarden US-Dollar, leicht über den Konsensschätzungen von 1,26 Milliarden US-Dollar, trotz eines schwachen Auslieferungsquartals.
Der Automobilumsatz sank jedoch um 26,5% gegenüber dem Vorquartal auf 840 Millionen US-Dollar, was auf das Auslaufen der IRA-Subventionen und einen Rückgang der Auslieferungen um 26% auf 9.700 Einheiten zurückzuführen ist. Der durchschnittliche Verkaufspreis (ASP) sank um etwa 4.000 US-Dollar pro Quartal auf rund 83.000 US-Dollar, bedingt durch eine Verschiebung des Produktmixes hin zu günstigeren EDV-Modellen und verstärkte Promotionen. Die Bruttomarge verbesserte sich im Quartal um 780 Basispunkte auf 9,3%, deutlich über den Erwartungen von 3,4%. Dies wurde durch niedrigere variable Kosten pro Fahrzeug und verbesserte Margen im Dienstleistungsbereich, insbesondere durch hochmargige Technologielizenzen aus dem Joint Venture mit Volkswagen, erreicht. Das bereinigte EBITDA lag bei -470 Millionen US-Dollar, eine Verbesserung um etwa 140 Millionen US-Dollar gegenüber dem Vorquartal und besser als die Konsensschätzung von -570 Millionen US-Dollar.
Für 2026 prognostiziert Rivian die Auslieferung von 62.000 bis 67.000 Fahrzeugen, was einem Anstieg von 47% bis 60% gegenüber 2025 entspricht. Der Haupttreiber dieses Wachstums ist die Markteinführung des günstigeren R2 SUV, dessen Auslieferungen noch in diesem Jahr beginnen sollen. Rivian erwartet 9.000 bis 11.000 Auslieferungen pro Quartal im ersten Halbjahr 2026. Mit dem Hochfahren der R2-Produktion im zweiten Halbjahr 2026 sollen die quartalsweisen Auslieferungen auf 22.000 bis 23.000 Einheiten steigen; die R2-Launch-Edition wird zunächst im Einschichtbetrieb gefertigt und bis Jahresende auf Doppelschichtbetrieb umgestellt. Analysten von Dolphin Research schätzen, dass der R2 im Jahr 2026 zwischen 21.000 und 27.000 Einheiten beitragen wird, deutlich über früheren Erwartungen von etwa 10.000 Einheiten.
Herausforderungen und Chancen für Rivian
Rivian sah sich im Januar mit einem Rückgang der US-Zulassungen auf ein Dreijahrestief konfrontiert, mit 2.516 verkauften Fahrzeugen – ein Rückgang von 17,8% gegenüber dem Vorjahr und ein Rekordtief seit den ersten Monaten des Jahres 2023. Dies folgte auf das Auslaufen der 7.500 US-Dollar umfassenden EV-Steuergutschrift im September 2025. Im Vergleich zum Dezember, als 3.606 Fahrzeuge zugelassen wurden, sanken die Verkäufe um 30,2%, was teilweise die übliche saisonale Schwäche zu Jahresbeginn widerspiegelt.
Um die Nachfrage nach seinen R1-Modellen (R1S SUV ab 76.990 US-Dollar, R1T Pickup ab 72.990 US-Dollar) anzukurbeln, bot Rivian im Januar eine 0%-APR-Finanzierung für bestimmte Konfigurationen an, die inzwischen auch auf Quad-Motor-Varianten ausgeweitet wurde – das erste Mal, dass das Unternehmen solche Rabatte auf seine Quad-Motor-Fahrzeuge anwendet. Die Erwartungen des Unternehmens ruhen stark auf dem Erfolg des R2, der mit einem Preis von 45.000 US-Dollar ein erschwinglicheres Segment erschließen und die Nachfrage steigern soll. Die Auslieferungen des R2 werden voraussichtlich im Juni beginnen.
Strategische Personalien, wie die Ernennung von Michael Schwaeble zum Vice President of Logistics zur Überwachung der Lieferketten und Greg Revelle zum Chief Customer Officer zur Leitung der Go-to-Market-Strategie, einschließlich Vertrieb, Marketing und Betrieb, sollen die Effizienz und Kundenansprache optimieren. Revelle wird auch die Marketingaktivitäten leiten, nachdem CEO RJ Scaringe im Oktober die Suche nach einem Chief Marketing Officer angekündigt hatte. Nach einem Hoch von 22,69 US-Dollar im Dezember 2025, angetrieben durch Autonomie-Nachrichten, fielen die Rivian-Aktien auf ein neues Zweimonatstief und schlossen am Montag bei 14,44 US-Dollar und am Dienstag bei 14,41 US-Dollar. Der Erfolg des R2 und die Weiterentwicklung der autonomen Fahrtechnologien werden entscheidend für die zukünftige Bewertung des Unternehmens sein.