
Rivian CEO Scaringe: US-E-Auto-Markt leidet unter mangelnder Auswahl
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Der CEO und Gründer von Rivian, RJ Scaringe, hat die aktuelle Situation auf dem US-Markt für Elektrofahrzeuge (EV) scharf kritisiert. Er sieht einen "schockierenden Mangel an Auswahl" als Hauptgrund für die geringe Marktdurchdringung von E-Fahrzeugen in den Vereinigten Staaten, die bei lediglich 8% liegt. Dies stehe im deutlichen Kontrast zu Europa und insbesondere China, wo Verbraucher eine wesentlich größere Vielfalt an Modellen vorfinden.
Mangelnde Auswahl bremst US-Markt
Scaringe äußerte sich auf der Fortune Brainstorm AI Konferenz in San Francisco und betonte, dass die Einschränkung nicht auf der Nachfrageseite liege, sondern auf der Angebotsseite. Er stellte fest, dass es für Konsumenten, die an E-Fahrzeugen interessiert sind, "weit weniger als fünf großartige Optionen" zu einem Preis gäbe, der dem Durchschnittspreis eines Neuwagens in den USA nahekommt.
Innerhalb einer Preisspanne von 50.000 US-Dollar gebe es laut Scaringe nur eine wirklich überzeugende EV-Option: ein Tesla-Modell. Im Oktober stellte Tesla seine erschwinglichsten Modelle vor, das Model 3 Standard für 36.990 US-Dollar und das Model Y Standard für 39.990 US-Dollar. Dies sei kein Zeichen für einen gesunden Markt mit viel Auswahl, so Scaringe, insbesondere im Vergleich zu den rund 300 Verbrennungsmotor-Optionen in dieser oder einer niedrigeren Preisklasse.
Rivians Strategie für mehr Auswahl
Rivian arbeitet daran, günstigere EV-Alternativen anzubieten. Das Unternehmen bereitet die Produktion seines bisher günstigsten E-Fahrzeugs vor, des R2-Modells, eines SUV, das für 45.000 US-Dollar erhältlich sein wird. Später soll der viertürige Hatchback R3 mit einem noch niedrigeren Startpreis folgen, der von "signifikanten Lernprozessen" in der EV-Fertigung profitieren soll.
Scaringe erklärte, dass Rivian bewusst mit einem Flaggschiff-Produkt zu einem hohen Preis gestartet sei. Die Einführung von R2 und R3 soll die Erschwinglichkeitsproblematik im EV-Markt adressieren und das Angebot erweitern.
Sorge um die US-Automobilindustrie
Der Rivian-CEO zeigte sich zudem schockiert über die Verschiebung der US-Automobilindustrie hin zu benzinbetriebenen Fahrzeugen. Er nannte als Beispiele die 4 Milliarden US-Dollar Investition von General Motors in die Produktion von Verbrennungsmotoren und die Kürzungen von staatlichen Programmen und Anreizen für E-Fahrzeuge, wie der EV-Steuergutschrift.
Scaringe warnte, dass diese Neupriorisierung von Kapital hin zu Verbrennungsmotoren zu einem "Vakuum an Wettbewerb" führen könnte. Dies könnte zwar Unternehmen wie Rivian und Tesla einen Vorteil verschaffen, sei aber "sehr schlecht für die US-Automobilindustrie" insgesamt. Er betonte, dass ein florierender, wettbewerbsintensiver EV-Markt für alle am besten sei.
Marktlandschaft und Analystenblick
Der US-amerikanische EV-Sektor umfasst neben Rivian und Tesla auch Hersteller wie Ford, General Motors, Hyundai, BMW und Kia. In Europa dominieren Marken wie Volkswagen, BMW, Mercedes-Benz und Tesla den EV-Markt, ergänzt durch chinesische Marken wie BYD, NIO und MG. China selbst erlebt einen intensiven Wettbewerb mit Akteuren wie BYD, Xpeng, Nio, Leapmotor und sogar dem Smartphone-Hersteller Xiaomi.
Wall Street-Analysten haben ihre Bewertungen für Rivian Automotive (RIVN) kürzlich angepasst. Der Konsens liegt derzeit bei einer "Hold"-Empfehlung mit einem durchschnittlichen Kursziel von 13,79 US-Dollar pro Aktie. Rivian verzeichnete in den letzten drei Monaten ein bemerkenswertes Umsatzwachstum von 12,52%, jedoch bleiben die Nettomarge und die Eigenkapitalrendite (ROE) unter dem Branchendurchschnitt.
Fertigung in den USA und Regulierung
Scaringe äußerte sich auch positiv zur Bestrebung, die Fertigung zurück in die USA zu bringen. Er erklärte, dass Rivian mit der Haltung der Regierung, die Industrialisierung in den Vereinigten Staaten voranzutreiben, sehr übereinstimme.
Hinsichtlich der Regulierung schlug Scaringe vor, dass diese die EV-Adoption beschleunigen könnte, und nannte Kalifornien als Beispiel. Er sagte, dass man in Kalifornien in etwa 10 Jahren kein Auto mit Verbrennungsmotor mehr kaufen könne. Es ist jedoch zu beachten, dass die Regeln des California Air Resources Board vorsehen, dass ab 2035 alle neuen Leichtfahrzeuge emissionsfrei sein müssen, aber bis zu 20% der Verkäufe Plug-in-Hybride mit einer Batteriereichweite von mindestens 50 Meilen sein dürfen.
Die langsamere als erwartete Umstellung der EV-Industrie auf den von Tesla entwickelten North American Charging Standard (NACS) könnte ebenfalls das Wachstum der EV-Verkäufe beeinflussen. Rivian gehörte zu den ersten Autoherstellern, die eine Umstellung auf NACS und den Zugang zum Tesla Supercharger-Netzwerk ankündigten, wird aber erst ab 2025 Fahrzeuge mit integrierten NACS-Anschlüssen verkaufen.