
Rivian: Lieferrückgang im Q4 2025 und der Blick auf den R2-Start 2026
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Rivian Automotive (NASDAQ: RIVN) meldete für das vierte Quartal 2025 einen deutlichen Rückgang der Fahrzeugauslieferungen. Trotz dieser Zahlen, die auch den Wettbewerber Tesla übertrafen, entsprachen die Ergebnisse den internen Erwartungen des Managements. Der Fokus des Elektrofahrzeugherstellers liegt nun auf der Markteinführung des neuen R2-Modells im ersten Halbjahr 2026, das ein breiteres Kundensegment ansprechen soll.
Rivian: Lieferrückgang im vierten Quartal 2025
Im vierten Quartal 2025 lieferte Rivian 9.745 Fahrzeuge aus. Dies stellt einen Rückgang von 31 % gegenüber den 14.183 Auslieferungen im Vorjahresquartal dar. Zum Vergleich: Tesla verzeichnete im gleichen Zeitraum einen Rückgang von 16 % gegenüber dem Vorjahr.
Das Management von Rivian erklärte jedoch in seiner Pressemitteilung vom 2. Januar, dass das schwierige Quartal "im Einklang mit Rivians Erwartungen" stand. Die Gesamtauslieferungen für das Jahr 2025 beliefen sich auf 42.247 Einheiten, darunter die Modelle R1T, R1S und elektrische Lieferwagen.
Der Einfluss der Förderprogramme
Der Kontext der Quartalsergebnisse ist entscheidend für das Verständnis des Lieferrückgangs. Das vierte Quartal sollte zusammen mit den Ergebnissen des dritten Quartals betrachtet werden, in dem die Auslieferungen von Rivian um 32 % gegenüber dem Vorjahr anstiegen. Der Grund hierfür war das Auslaufen der staatlichen Clean-Vehicle-Credit-Förderung, die für Fahrzeuge, die nach dem 30. September 2025 erworben wurden, nicht mehr verfügbar war.
Diese Frist am Ende des dritten Quartals führte dazu, dass einige Kunden ihre Bestellungen vorzogen. Dies zog zweifellos einen Teil der Nachfrage vom vierten ins dritte Quartal. Dieser Effekt erklärt, warum sowohl Rivian als auch Tesla nach starken dritten Quartalen schwächere vierte Quartale verzeichneten.
Produktion steigt, Lagerbestände normalisieren sich
Trotz des Rückgangs bei den Auslieferungen konnte Rivian seine Produktion sequenziell steigern. Im dritten Quartal wurden 10.720 Fahrzeuge produziert, während im vierten Quartal 10.974 Fahrzeuge hergestellt wurden. Die höhere Produktion im vierten Quartal diente wahrscheinlich dazu, die Lagerbestände zu normalisieren, nachdem im dritten Quartal 23 % mehr Fahrzeuge ausgeliefert als produziert wurden.
Die Gesamtproduktion für das Jahr 2025 erreichte 42.284 Einheiten. Rivian hatte seine Jahresprognose im Oktober auf 41.500 bis 43.500 Fahrzeuge gesenkt, von zuvor 40.000 bis 46.000, da die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen nach dem Auslaufen der Steuergutschrift nachließ.
Blick nach vorn: Der R2 als Wachstumstreiber
Für Rivian-Investoren liegt der Hauptfokus derzeit auf der bevorstehenden Einführung des neuen R2-Fahrzeugs. Das Unternehmen hofft, dass ein neues Modell die Verkäufe ankurbeln und den Trend der sinkenden Verkaufszahlen im Jahr 2025 (Gesamtjahresumsatz 2025 sank um 18 % gegenüber dem Vorjahr) umkehren kann.
Der Rivian R2 soll in der ersten Hälfte des Jahres 2026 auf den Markt kommen, wie das Unternehmen in seinem Aktionärsbrief zum dritten Quartal mitteilte. Dieses mittelgroße SUV mit fünf Sitzplätzen wird voraussichtlich einen Startpreis von 45.000 US-Dollar haben. Dies würde Rivian ein deutlich größeres Marktsegment eröffnen, da der durchschnittliche Preis für Neuwagen in den USA bei rund 50.000 US-Dollar liegt.
Rivian CEO RJ Scaringe äußerte sich während des Earnings Calls zum dritten Quartal optimistisch: "Der Durchschnittspreis für neue Fahrzeuge, die in den Vereinigten Staaten verkauft werden, liegt bei etwa 50.000 US-Dollar. Wir sind also sehr optimistisch, sehr zuversichtlich in Bezug auf den R2 und was er für uns als Unternehmen darstellt." Der R2 soll zunächst im Werk in Illinois produziert werden und später durch das neue Werk in Georgia ergänzt werden, dessen Produktion 2028 starten soll.
Finanzielle Herausforderungen und Autonomie-Bestrebungen
Rivian verbrennt weiterhin Barmittel, da das Unternehmen unrentabel bleibt, was sein finanzielles Profil als riskant erscheinen lässt. Trotzdem treibt Rivian die Entwicklung neuer Technologien voran. Im Dezember stellte das Unternehmen seinen proprietären Siliziumchip namens RAP1 (Rivian Autonomy Processor1) vor. Dieser Chip soll Nvidia-Chips ersetzen und Rivian ermöglichen, Level-4-Fahrzeugautonomie zu erreichen.
Der neue Inhouse-Chip ist darauf ausgelegt, Daten von LiDAR-Sensoren sowie anderen visuellen Sensoren wie Kameras zu verarbeiten. Die Integration von LiDAR in zukünftige R2-Modelle ab Ende 2026 soll die Echtzeiterkennung in schwierigen Fahrsituationen verbessern, in denen Kameras allein an ihre Grenzen stoßen, beispielsweise bei schlechten Lichtverhältnissen.