
Rivian setzt auf KI und Autonomie, um Investoren zu gewinnen und EV-Verkäufe anzukurbeln
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Rivian Automotive veranstaltet am Donnerstag seinen ersten "Autonomy and AI Day", um Investoren von einer lukrativeren Zukunft zu überzeugen. Der Elektrofahrzeughersteller setzt auf künstliche Intelligenz und autonomes Fahren, da das Kerngeschäft mit dem Verkauf von Elektrofahrzeugen seit dem Börsengang 2021 nicht die erwarteten Erfolge erzielt hat. Das Unternehmen will so zukünftiges Wachstumspotenzial erschließen und seine Kundenbasis erweitern.
Rivians Strategiewechsel: KI und Autonomie im Fokus
Rivian-CEO RJ Scaringe hat das Unternehmen stets als Technologieunternehmen positioniert. Anfangs betonte er die cloudbasierte Technologie und ein "vertikal integriertes Ökosystem", später hob er eine neue "zonale" Softwarearchitektur und KI-Ambitionen hervor. Um zukünftiges Wachstum zu sichern, hat Rivian seine Software- und Automatisierungsbemühungen taktisch ins eigene Haus verlagert.
Scaringe äußerte sich dazu im letzten Quartalsbericht: "Längerfristig glauben wir, dass Rivians autonome Fähigkeiten durch unseren End-to-End-KI-zentrierten Ansatz differenziert werden." Der "AI Day" soll detaillierte Einblicke in die Rechenleistung neuer Fahrzeuge wie den kommenden SUV "R2", die autonome Fahrzeugplattform und den Daten-Flywheel geben, bei dem Dateneingaben zur kontinuierlichen Produktverbesserung genutzt werden.
Herausforderungen und der Druck auf Rivian
Seit dem Börsengang im Jahr 2021 sind die Aktien des Automobilherstellers um mehr als 80 % gefallen. Interne und externe Herausforderungen haben dazu geführt, dass Verkäufe und Produktion langsamer als geplant verliefen. Rivian verliert weiterhin jährlich Milliarden von US-Dollar, trotz erheblicher Kostensenkungen und steigender Softwareumsätze, die durch ein mehrjähriges Joint Venture im Wert von 5,8 Milliarden US-Dollar mit Volkswagen erzielt wurden.
Der Druck auf Rivian ist hoch, Ergebnisse zu liefern. Das Unternehmen wird derzeit als Nachzügler im Bereich fortschrittlicher Fahrerassistenzsysteme (ADAS) angesehen, im Vergleich zu Tesla und etablierten Herstellern wie General Motors, Ford Motor und deutschen Luxusmarken. Rivians Funktionen erlauben erst seit Kurzem unter bestimmten Umständen das Fahren ohne Hände am Lenkrad auf Autobahnen, ein Meilenstein, den andere Automobilhersteller bereits erreicht haben.
Parallelen zu Tesla und die Erwartungen an den "AI Day"
Rivian folgt der Strategie anderer "reiner EV"-Hersteller in den USA, insbesondere Tesla. Tesla hat seinen Kunden seit über einem Jahrzehnt versprochen, dass ihre Fahrzeuge zu autonomen Fahrzeugen aufgerüstet werden können. Tesla startete dieses Jahr einen Pilot-Robotaxi-Dienst in Austin, Texas, mit menschlichen Sicherheitsfahrern und plant, diesen nächstes Jahr auf neue US-Märkte auszudehnen.
Rivians "AI Day" findet mehr als vier Jahre nach Teslas erstem ähnlichen Event statt. Während Rivian regelmäßig mit Tesla verglichen wird, wird erwartet, dass sich Rivians "AI Day" stärker auf Fahrzeuge und unterstützende Softwareinitiativen konzentriert, anstatt auf Nicht-Kerngeschäfte wie humanoide Roboter, wie es Tesla getan hat. Analysten der Wall Street erwarten, dass Rivian am Donnerstag weitere Details zu den zukünftigen Fähigkeiten seiner Fahrzeuge präsentieren wird.
Wall Streets Skepsis und Analystenstimmen
Die Wall Street ist nicht vollständig von dem Hype überzeugt. Morgan Stanley stufte Rivian diese Woche auf "Underweight" herab. Als Gründe wurden die Verlangsamung im EV-Sektor und Rivians mangelnde "Skala oder Bilanz zur Unterstützung der Kapitalintensität" des aktuellen "Industrie-Hype-Zyklus" um autonome Fahrzeuge und KI genannt. Morgan Stanley stufte auch Lucid und Tesla aus ähnlichen Gründen herab. Analyst Andrew Percoco von Morgan Stanley schrieb in einer Investorennotiz: "Wir nehmen eine vorsichtigere Haltung gegenüber der Automobilindustrie für 2026 ein, nach einem überraschend widerstandsfähigen Jahr 2025."
Analyst Edison Yu von der Deutschen Bank erwartet, dass das Management "aktualisierte Zeitpläne für seine Funktionen der nächsten Generation bereitstellen und möglicherweise die Kosten/Ressourcen besser dimensionieren wird, die zur Erreichung seiner Ambitionen erforderlich sind." Er fügte hinzu: "Auf hoher Ebene hat das Unternehmen eine vertikal integrierte, KI-zentrierte Autonomieplattform angedeutet, die rohe, multimodale Sensordaten zur Schulung großer Modelle verarbeitet." Dan Levy, Analyst bei Barclays, kommentierte: "Wir glauben, dass RIVN versuchen wird zu zeigen, warum sie als ernstzunehmender Akteur im US-AV-Bereich angesehen werden sollten, der derzeit weitgehend als Zwei-Spieler-Spiel zwischen Tesla und Waymo gilt."
Die Zukunft des autonomen Fahrens bei Rivian
Rivian-CEO Scaringe hat angekündigt, dass das Unternehmen kurzfristig die Anwendungsfälle seiner Freihandsysteme auf "nahezu jede Straße" ausweiten und in den kommenden Jahren das Fahren ohne Blickkontakt ermöglichen will. Er hat kürzlich seine Unterstützung für Lidar-Systeme (Light Detection and Ranging) zum besseren Erkennen der Umgebung geäußert. Rivians aktuelle Fahrzeuge verfügen über eine Reihe von Radaren, Kameras und anderen Sensoren, jedoch nicht über Lidar.
Tom Narayan, Analyst bei RBC, lobte Rivians Autonomie-Schwenk: "Wir applaudieren Rivian für seinen Autonomie-Schwenk, insbesondere angesichts unserer Ansicht, dass Autonomie auf Level 3 ein kritischer Schritt für alle OEMs sein wird. Das Ziel der Eigenentwicklung könnte Autonomie zu einem Profitcenter machen, was angesichts der Liquiditätssituation des Unternehmens wichtig ist." SAE International, ehemals Society of Automotive Engineers, klassifiziert automatisiertes Fahren von Level 0 bis Level 5, wobei Level 5 ein vollständig autonomes Fahrzeug darstellt. Die meisten Fahrzeuge auf US-Straßen sind heute Level 2 oder darunter, was das Fahren ohne Hände am Lenkrad unter bestimmten Umständen ermöglicht.
Marktakzeptanz und die Frage der Nachfrage
Die Automobilindustrie arbeitet seit einiger Zeit an echten autonomen Fahrzeugen, mit bisher geringem Erfolg, abgesehen von Google-gestütztem Waymo und zunehmend Teslas ADAS-Funktionen. Experten glauben jedoch, dass KI das wahre Potenzial der Technologie endlich freisetzen kann.
Es gibt jedoch auch Fragen zur Nachfrage nach AV-Technologien. General Motors war 2017 der erste Anbieter von Freihand-Fahrtechnologien, doch die Einführung war langsam und die Akzeptanz nach dem Ende der kostenlosen Testphasen gering. Selbst bei Tesla, das als Software- und Technologieführer in den USA mit technikaffinen Käufern gilt, zahlten laut jüngsten Unternehmensangaben nur etwa 12 % der Kunden für das Top-End-"FSD"-System, das das Fahrzeug unter vielen Umständen steuern kann.