
Rivian setzt auf Lidar: Autonomie-Chef sieht "No-Brainer" bei Kosten
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Rivian, der aufstrebende Hersteller von Elektrofahrzeugen, setzt bei seinen Ambitionen im Bereich des autonomen Fahrens auf Lidar-Technologie. James Philbin, Rivians Vizepräsident für Autonomie und KI, sieht in den stark gesunkenen Kosten der Lidar-Sensoren einen entscheidenden Vorteil und eine "No-Brainer"-Entscheidung für die Integration in zukünftige Massenproduktionsfahrzeuge. Diese Strategie unterscheidet Rivian deutlich von seinem Hauptkonkurrenten Tesla.
Rivians Strategie für autonomes Fahren: Lidar als "No-Brainer"
Rivian hat kürzlich eine umfassende Roadmap für das vollautonome Fahren vorgestellt. Diese beinhaltet die Entwicklung eines eigenen Chips und die Integration eines Lidar-Sensors in das kommende SUV-Modell R2. James Philbin, der zuvor bei Zoox und Waymo tätig war, erklärte gegenüber Business Insider, dass die Kosten für Lidar in den letzten zehn Jahren erheblich gesunken sind.
Philbin betonte, dass der Preis von Lidar mittlerweile in einem Bereich liege, der mit dem von Radar vergleichbar sei. "Es war auf dieser unglaublichen Kostenkurve, wo es vor 10 Jahren noch unvorstellbar gewesen wäre, einen Lidar in ein Verbraucherfahrzeug einzubauen. Und jetzt erreicht es diesen Preispunkt, etwa im Bereich eines Radars", so Philbin. Seiner Meinung nach macht Lidar ein autonomes System "robuster" und kann dem Unternehmen helfen, sein Ziel des selbstfahrenden Autos "schneller" zu erreichen.
"Es ist sehr erschwinglich", sagte Philbin. "Die Leistung, die es für diesen Preis bietet, ist wirklich erstaunlich. Und so ist es für mich eine Art 'No-Brainer', dass man mehr Sensoren und mehr Modalitäten für etwas so sicherheitskritisches haben möchte."
Der Preisverfall von Lidar-Technologie
Die Kostenentwicklung von Lidar ist bemerkenswert. Während eine einzelne Lidar-Einheit in den späten 2000er Jahren, zur Zeit des Google Self-Driving Car Project, noch einen fünfstelligen Preis haben konnte, sprechen Branchenführer heute von wenigen hundert Dollar für eine vergleichbare Einheit. Rivian-Mitarbeiter, einschließlich Philbin, machten keine Angaben zu den spezifischen Kosten der Lidar-Einheit im R2, als Business Insider danach fragte.
Der Rivian R2, der das bisher günstigste Fahrzeug des Unternehmens sein soll, wird voraussichtlich einen Startpreis von 45.000 US-Dollar haben. Die Markteinführung des R2 ohne Lidar ist für Anfang 2026 geplant, während eine Version mit Lidar Ende 2026 folgen soll. Philbin lehnte es ab, die genaue Kostendifferenz für die Integration von Lidar in den R2 zu kommentieren, merkte jedoch an, dass dies "keine signifikante Überlegung" sei.
Rivian vs. Tesla: Ein fundamentaler Technologie-Ansatz
Rivians Entscheidung, Lidar zu nutzen, weicht stark von der Strategie des Hauptkonkurrenten Tesla ab. Tesla-CEO Elon Musk hat sich vehement für eine rein kamerabasierte Lösung beim autonomen Fahren ausgesprochen und Lidar einst als teure "Krücke" bezeichnet. Rivian hingegen ist überzeugt, dass Kameras allein nicht ausreichen.
Ein Rivian-Sprecher erklärte gegenüber The Drive, dass Lidar notwendig sei, da "Kameras passive Lichtsensoren sind, was bedeutet, dass sie bei Nachtbedingungen und Nebel nicht so gut funktionieren wie aktive Lichtsensoren wie Lidar." Lidar könne die Sichtbarkeit bei Nacht verdoppeln. Sam Abuelsamid, Vizepräsident für Marktforschung bei Telemetry, kommentierte, dass "mehrere Sensor-Modi unerlässlich sind."
Technologische Neuerungen bei Rivian
Im Rahmen seines "AI and Autonomy Day" in Palo Alto, Kalifornien, stellte Rivian weitere technologische Fortschritte vor. Dazu gehört der selbst entwickelte Siliziumchip namens Rivian Autonomy Processor (RAP1), der den bisher von Nvidia bezogenen Chip ersetzen wird. Der 5nm-Chip integriert Verarbeitung und Speicher in einem einzigen Modul und ist mit dem Gen 3 Autonomy Computer (ACM3) gekoppelt, einer Weiterentwicklung des ACM2, der 2025 in der zweiten Generation des R1 eingeführt wurde.
Der RAP1 wird eine Schlüsselrolle für Rivians Ambitionen im Bereich des autonomen Fahrens spielen. Die Lidar-Hardware wird dreidimensionale räumliche Daten und redundante Sensorik ermöglichen, was die Echtzeit-Erkennung für schwierige Fahrszenarien verbessert. Das derzeitige System des R1 umfasst bereits:
- Ein inhouse entwickeltes RTK GNSS (Real-time Kinematic Global Navigation Satellite System), das GPS und ein Bodensignal nutzt, um die Fahrzeugposition auf 20 cm genau zu bestimmen.
- 10 externe Kameras.
- 12 Ultraschallsensoren.
- 5 Radareinheiten.
- Einen hochpräzisen GPS-Empfänger.
Das neu angekündigte Universal Hands-Free (UHF) Fahrerassistenzsystem, das noch in diesem Monat über ein kostenloses Over-the-Air-Software-Update (2025.46) für die Modelle der zweiten Generation des R1 eingeführt wird, soll durch die zusätzliche Lidar-Hardware weiter verbessert werden.