
Robotaxis 2026: Globale Expansion und die Suche nach Vertrauen
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Die Welt der autonomen Mobilität erlebt eine beispiellose Dynamik. Robotaxis, einst eine Vision, eroberten 2025 die Straßen und die öffentliche Aufmerksamkeit, angetrieben von technologischen Fortschritten und aggressiven Expansionsstrategien führender Unternehmen. Das kommende Jahr 2026 wird entscheidend sein, um zu zeigen, ob diese Dienste nicht nur technisch machbar, sondern auch wirtschaftlich tragfähig und gesellschaftlich akzeptiert werden können.
Robotaxis im Rampenlicht: Zwischen Hype und Realität
Im Jahr 2025 rückten autonome Fahrzeuge verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit. Der Begriff "Robotaxi" erreichte laut Hootsuite, einem Dienst zur Verfolgung von Markenerwähnungen, Ende Juni mit über 204.000 Nennungen einen Höhepunkt, zeitgleich mit der Einführung des Tesla Robotaxi in diesem Monat. Auch in der Popkultur fanden Robotaxis ihren Platz, etwa in einem Song der Gen Z-Popstar Sabrina Carpenter oder in Musikvideos von Gruppen wie Katseye, die mit Waymo kooperierten.
Diese kulturelle Präsenz ist teilweise das Ergebnis gezielter Marketingstrategien. Elon Musk, CEO von Tesla, bewirbt "Robotaxi" regelmäßig auf X, wo er über 230 Millionen Follower hat. Waymo, unterstützt von Alphabet, setzt auf geplante Werbeplatzierungen und Kooperationen, um die Technologie einem breiteren Publikum näherzubringen. Arturo Siguenza, Waymos Brand and Creative Strategy Manager, erklärte, dass diese Strategie darauf abzielt, die Waymo-Geschichte an Orten zu verbreiten, die noch keinen Zugang zum Dienst haben.
Trotz des Hypes machen Robotaxis nur einen winzigen Bruchteil der Fahrzeuge auf US-Straßen aus. Tesla hat bisher keine einzige vollständig autonome Fahrt für die Öffentlichkeit angeboten, obwohl das Unternehmen im Dezember 2025 einen Mitarbeiter in einem Tesla ohne Überwachung am Steuer zeigte. Die Neuheit der Robotaxis macht sie zudem zu beliebten Motiven für Handyvideos, insbesondere wenn sie Fehler machen. Ein TikTok-Video, das eine Beinahe-Kollision eines Waymo-Fahrzeugs zeigte, erhielt über 3,4 Millionen Likes.
Waymo auf Expansionskurs: Millionen Fahrten und neue Märkte
Waymo, ein Unternehmen von Alphabet, verzeichnete 2025 ein erfolgreiches Jahr. Es erreichte in mindestens zehn Städten die volle Autonomie, absolvierte über 14 Millionen Fahrten und erweiterte seinen öffentlichen Dienst auf Austin und Atlanta. Waymo ist in 26 der 30 größten US-Metropolregionen zugelassen oder testet dort seine Technologie und plant, 2026 in zwölf weiteren Städten zu starten, darunter London.
Für 2026 hat Waymo die Expansion in vier neue US-Städte angekündigt: Baltimore, Philadelphia, St. Louis und Pittsburgh. In diesen Städten hat bereits die manuelle Fahrphase begonnen, in Philadelphia sogar das überwachte autonome Testen. Weitere vollständige Service-Rollouts sind für 2026 in größeren Zentren wie Dallas, Miami, Washington, D.C. und San Diego geplant. Waymo strebt an, bis Ende 2026 über eine Million Fahrten pro Woche zu erreichen, ein Niveau, das es seit dem Frühjahr bereits monatlich erreicht hat.
Die Expansion wird durch einen partnerschaftlichen Ansatz unterstützt, um Kosten und operative Komplexität zu managen. Waymo kooperierte 2025 in Austin und Atlanta mit Uber und arbeitet mit von Uber unterstützten Flottenmanagern für Aufgaben wie Reinigung, Aufladen und Wartung zusammen. Zukünftige Starts sollen weitere Partner wie Lyft in Nashville und Avis Budget Group in Dallas einbeziehen. Berichten zufolge befindet sich Waymo in Gesprächen, um Mittel bei einer Bewertung von fast 100 Milliarden US-Dollar zu beschaffen, was den Wert gegenüber dem Vorjahr verdoppeln würde, bei einem jährlichen Umsatz von über 350 Millionen US-Dollar. Alphabet-CEO Sundar Pichai hat intern jedoch geäußert, dass das Geschäft für den Mutterkonzern voraussichtlich erst 2027/28 finanziell bedeutsam sein wird.
Tesla Robotaxi: Ambition trifft auf Herausforderung
Tesla-CEO Elon Musk hat ehrgeizige Pläne für sein Robotaxi-Programm. Er prognostizierte, in wenigen Monaten 1.000 Robotaxis und bis Ende 2026 eine Million Fahrzeuge auf den Straßen zu haben. Tesla plant, im April 2026 mit der Produktion seines dedizierten Robotaxis, des Cybercab, zu beginnen. Das Unternehmen hofft auch, im Februar 2026 die behördlichen Genehmigungen für das überwachte Full Self-Driving (FSD)-System in Europa zu erhalten.
Prominente Tesla-Bullen wie Cathie Wood von Ark Invest schätzen, dass 88 % des Unternehmenswerts von Tesla bis 2029 aus Robotaxis stammen könnten. Bislang hat Tesla jedoch keine unüberwachten FSD-Fahrten für die Öffentlichkeit zugelassen, und die Cybercabs werden noch nicht in Serie produziert. Dies stellt eine Herausforderung für Musks Vision dar, Tesla-Besitzer dazu zu bewegen, ihre Fahrzeuge als Teilzeit-Robotaxis zu nutzen.
Globale Expansion: Baidu betritt die Londoner Bühne
Auch chinesische Technologiegiganten drängen auf den globalen Robotaxi-Markt. Baidu, bekannt für seine Apollo Go-Plattform, kündigte eine Partnerschaft mit den US-Ride-Hailing-Plattformen Uber und Lyft an, um in der ersten Hälfte des Jahres 2026 Robotaxi-Testläufe in London zu starten. Lyft-CEO David Risher bestätigte die Zusammenarbeit auf X und erklärte, dass eine Flotte von Baidus vollelektrischen Apollo Go RT6-Fahrzeugen in London eingesetzt werden soll, beginnend mit Dutzenden und später Hunderten von Fahrzeugen. Die in Hongkong gelistete Aktie von Baidu stieg am Montag um 1,26 % auf 120,30 HK$.
Vertrauenslücke und die Zukunft der autonomen Mobilität
Trotz der rasanten Entwicklung und Expansion bleibt das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Robotaxi-Technologie eine Herausforderung. Eine Umfrage des Electric Vehicle Intelligence Report ergab, dass etwa 40 % der US-Verbraucher "niemals in einem Robotaxi fahren würden". Daten von Hootsuite zeigten für Waymo in den letzten 13 Monaten 2,1 Millionen Erwähnungen, wobei 24,7 % als "positiv" und 32,1 % als "negativ" eingestuft wurden. Negative Schlagzeilen, wie die Brandstiftung an Waymo-Fahrzeugen während Anti-ICE-Protesten in Los Angeles im Juni 2025 oder die vorübergehende Dienstunterbrechung während eines Stromausfalls in San Francisco im Dezember 2025, tragen zur Skepsis bei.
Waymo betonte, dass seine Daten deutlich weniger Unfälle mit Fußgängerverletzungen zeigen als bei menschlichen Fahrern und dass Sicherheit im Mittelpunkt seiner Strategie steht. Das Unternehmen ist bestrebt, durch sorgfältige Expansion und Anpassung an lokale Gegebenheiten das Vertrauen zu gewinnen. Das Jahr 2026 wird mit zahlreichen geplanten Markteinführungen, auch von anderen Entwicklern wie Lucid und Nuro, die mit Uber zusammenarbeiten, ein entscheidendes Jahr sein. Es wird sich zeigen, ob die Robotaxi-Technologie in nachhaltige Gewinne umgewandelt werden kann und ob die breite Akzeptanz der autonomen Mobilität gelingt.