
S&P 500 auf Rekordkurs trotz Fertigungsschwäche: Seltene Marktsignale und Chancen
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Der US-Aktienmarkt präsentiert sich derzeit mit einer Reihe ungewöhnlicher Entwicklungen, die Anleger genau beobachten sollten. Während der S&P 500 neue Allzeithochs erreicht und das dritte Jahr in Folge zweistellige Gewinne verzeichnet, zeigt der US-Fertigungssektor gleichzeitig eine anhaltende Kontraktion. Diese seltenen Konstellationen, gepaart mit dem anhaltenden KI-Boom und historischen Bewertungsmetriken, könnten auf eine spannende, aber auch potenziell volatile Zukunft hindeuten.
Seltene Marktsignale: Kontraktion und Rekordhochs
Der Einkaufsmanagerindex (PMI) des U.S. Institute for Supply Management (ISM) für das verarbeitende Gewerbe, die älteste und angesehenste Datenquelle zur US-Industriewirtschaft, signalisiert seit neun aufeinanderfolgenden Monaten eine Kontraktion im US-Fertigungssektor. Gleichzeitig hat der S&P 500 Index neue Allzeithochs erreicht. Diese gleichzeitige Entwicklung – eine schrumpfende Fertigungsindustrie und ein boomender Aktienmarkt – ist historisch gesehen äußerst selten. Sie trat seit 1948 nur dreimal auf: in den Perioden 2023-2024, 1995-1996 und 1984-1985.
Es gibt zwei Hauptgründe, warum diese Situation möglicherweise weniger besorgniserregend ist, als sie auf den ersten Blick erscheint. Erstens macht der Fertigungssektor heute einen deutlich geringeren Anteil an der US-Wirtschaft aus als früher; er liegt nun bei unter 10 %, verglichen mit über einem Viertel im Jahr 1948. Zweitens ist ein Teil der anhaltenden Schwäche darauf zurückzuführen, dass Hersteller ihre Lagerbestände abbauen, die sie nach der Lieferkettenkrise infolge der Lockdowns aufgebaut hatten. Diese Schwäche könnte zudem durch die anfänglichen Auswirkungen der im Jahr 2025 ergriffenen Zollmaßnahmen verstärkt werden.
Historische S&P 500-Serie: Drei Jahre zweistelliger Gewinne
Der S&P 500 ist auf dem besten Weg, ein weiteres herausragendes Jahr abzuschließen. Bis zum 15. Dezember 2025 verzeichnete der breite Marktindex einen Anstieg von 16 %. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, wäre dies das dritte Jahr in Folge mit einem zweistelligen Gewinn, nach Zuwächsen von 24,2 % im Jahr 2023 und 23,3 % im Jahr 2024. Insgesamt ist der S&P 500 seit Ende 2022 um 77,5 % gestiegen.
Eine solche Serie von drei aufeinanderfolgenden Jahren mit zweistelligen Zuwächsen ist selten. Seit 1952 ist dies erst das dritte Mal, dass der S&P 500 in drei aufeinanderfolgenden Jahren 10 % oder mehr zulegte. Die anderen Perioden waren 1995-1999 (fünf Jahre während des Dotcom-Booms), 2012-2014 (mitten im Bullenmarkt der 2010er Jahre) und 2019-2021 (einschließlich des Covid-Ära-Booms). Historisch betrachtet folgte in zwei der drei Fälle, in denen der S&P 500 drei Jahre in Folge zweistellige Gewinne erzielte, im darauffolgenden Jahr ein Rückgang, wenn auch 2015 nur geringfügig um 0,7 %. Im Jahr 2022 verlor der S&P 500 jedoch 19,4 %.
Die Rolle der KI und die "Magnificent Seven"
Der aktuelle Aktienmarktanstieg der letzten drei Jahre wurde maßgeblich durch die Explosion rund um die Künstliche Intelligenz (KI) angetrieben, die kurz nach der Einführung von OpenAI's ChatGPT im November 2022 begann. Unternehmen wie Nvidia (NVDA) haben ihren Wert aufgrund der KI-Begeisterung etwa verzehnfacht und erreichen eine Marktkapitalisierung von fast 5 Billionen US-Dollar. Auch die restlichen "Magnificent Seven" verzeichneten erhebliche Zuwächse.
Obwohl Bedenken hinsichtlich einer möglichen KI-Blase geäußert wurden, gibt es kaum Anzeichen für eine Verlangsamung bei den führenden Unternehmen dieses Booms. Jensen Huang, CEO von Nvidia, äußerte sich auf einer kürzlichen Telefonkonferenz zu diesen Bedenken und argumentierte, dass KI stattdessen an einem Wendepunkt stehe, an dem sich die Akzeptanz beschleunigen werde. Viele Anleger ziehen Parallelen zwischen dem aktuellen KI-Boom und dem Dotcom-Boom der 1990er Jahre.
Das Shiller CAPE Verhältnis: Ein Warnsignal?
Die historische Entwicklung des Aktienmarktes deutet darauf hin, dass eine signifikante Verschiebung bevorstehen könnte. Das S&P 500 Shiller CAPE Ratio, ein nützliches Instrument zur Bewertung von Aktienkursen im Verhältnis zum 10-Jahres-Durchschnitt der Unternehmensgewinne, liegt derzeit bei 39,4. Das letzte Mal, dass dieses Verhältnis annähernd so hoch war, ist über zwei Jahrzehnte her – kurz vor dem Platzen der Dotcom-Blase Anfang 2000.
Im Jahr 2025 erlebte der S&P 500 eine Achterbahnfahrt. Nach einem starken Jahresauftakt fiel der Index Anfang April um 15 % infolge der "Liberation Day"-Zollankündigung von Präsident Donald Trump. Doch mit fortschreitenden Handelsverhandlungen und weiterhin starken Unternehmensgewinnen erholte sich der Markt, und der S&P 500 verzeichnete bis dato einen Anstieg von 16 % im laufenden Jahr.
Chancen außerhalb der Megacaps: Schwellenländer im Fokus
Während die Aufmerksamkeit der Finanzmedien oft auf den S&P 500, den Nasdaq-100 und die "Magnificent Seven" gerichtet ist, könnten sich auch außerhalb dieser engen Marktsegmente lukrative Gelegenheiten ergeben. Internationale Aktien, insbesondere aus Schwellenländern, haben im Jahr 2025 eine bemerkenswerte Outperformance gezeigt. Der iShares Core MSCI Emerging Markets ETF (IEMG) und der iShares Core MSCI EAFE ETF (IEFA) erzielten bis zum 16. Dezember Renditen von 28,5 % bzw. 30,4 % im Jahresverlauf, was die 16,9 % des Vanguard S&P 500 ETF im gleichen Zeitraum deutlich übertrifft.
Schwellenländeraktien haben in den letzten 15 Jahren gegenüber entwickelten Märkten und dem S&P 500 konstant underperformt. Seit der Auflegung des Emerging Markets ETF im Oktober 2012 hat der Fonds eine Gesamtrendite von nur 85 % erzielt, während der Vanguard S&P 500 ETF im gleichen Zeitraum 485 % erreichte. Das Verhältnis von Schwellenmärkten zu entwickelten Märkten ist historisch niedrig und hat in den letzten vier Jahrzehnten nur zweimal ein ähnlich tiefes Niveau erreicht: 1988 und 2002. Dies könnte auf den Beginn eines mehrjährigen Outperformance-Zyklus für Schwellenländer hindeuten.
Was bedeutet das für Anleger?
Die aktuellen Marktsignale sind komplex und bieten sowohl potenzielle Warnungen als auch Chancen. Die Tatsache, dass die Kundeninventare im Fertigungssektor bis 2025 als "zu niedrig" gelten, ist ein bullisches Zeichen für den Industrie- und Fertigungssektor, da Unternehmen ihre Bestände wieder auffüllen müssen. Die im Jahr 2025 getätigten Investitionen in den Ausbau der US-Kapazitäten und die Zollmaßnahmen sollen die US-Fertigung unterstützen und könnten in Zukunft Vorteile bringen.
Wenn Sie sich Sorgen um die Bewertungen von KI-Aktien machen, aber nicht um das allgemeine Wirtschaftswachstum (einschließlich KI), könnte es eine gute Strategie sein, im Jahr 2026 über Investitionen in Industriewerte nachzudenken. Die Geschichte legt nahe, dass eine industrielle Erholung bevorsteht. Gleichzeitig könnten Schwellenländer, die lange Zeit unterbewertet waren, am Anfang eines mehrjährigen Outperformance-Zyklus stehen. Langfristig orientierte Anleger wissen zudem, dass es sich bei Marktabschwüngen lohnen kann, "den Dip zu kaufen".