
Saks Global beantragt Insolvenz: Luxus-Einzelhandel unter Druck
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Saks Global, die Muttergesellschaft bekannter Luxus-Einzelhändler wie Saks Fifth Avenue, Neiman Marcus und Bergdorf Goodman, hat Insolvenz nach Chapter 11 beantragt. Dieser Schritt, der in einem US-Insolvenzgericht in Houston bzw. im Southern District of Texas erfolgte, wirft Fragen über die Zukunft der rund hundertjährigen Kaufhauskette auf und markiert die erste große Einzelhandelsinsolvenz des Jahres 2026. Trotz der Herausforderungen hat das Unternehmen ein Finanzierungspaket von 1,75 Milliarden US-Dollar gesichert, das den Betrieb der Filialen ermöglichen soll.
Insolvenzantrag und finanzielle Herausforderungen
Der Insolvenzantrag von Saks Global am späten Dienstag ist eine direkte Folge einer erheblichen Schuldenlast. Das Unternehmen hatte kürzlich eine Zinszahlung von über 100 Millionen US-Dollar an Anleihegläubiger verpasst und war auch bei Zahlungen an Lieferanten in Verzug geraten. Dies führte dazu, dass einige Zulieferer die Warenlieferungen einstellten, was das Warenangebot von Saks ausdünnte. Die nun gesicherte Finanzierung umfasst unter anderem 1 Milliarde US-Dollar Debtor-in-Possession-Finanzierung, die die Liquidität für den Betrieb und die Turnaround-Initiativen bereitstellen soll.
Die Last der Neiman Marcus-Übernahme
Die finanzielle Schieflage von Saks Global ist eng mit einem Geschäft aus dem Jahr 2024 verbunden. Damals erwarb die Muttergesellschaft Hudson's Bay Company (HBC) den Konkurrenten Neiman Marcus für 2,65 Milliarden US-Dollar. Zur Finanzierung dieser Übernahme nahm Hudson's Bay 2 Milliarden US-Dollar Schulden auf, während Apollo Global Management-Tochtergesellschaften zusätzliche 1,5 Milliarden US-Dollar bereitstellten. Amazon beteiligte sich zudem mit einer Minderheitsbeteiligung an Saks Global, um das Geschäft zu erleichtern. Das Ziel war, einen Luxus-Giganten zu schaffen, der mehr Kontrolle über individuelle Marken erlangen und Kunden zurück in die Geschäfte locken sollte.
Zu den Marken von Saks Global gehören neben Saks Fifth Avenue und Neiman Marcus auch:
- Bergdorf Goodman (im Rahmen des Neiman Marcus-Deals erworben)
- Saks Off 5th
- Horchow (Anbieter von Einrichtungsgegenständen)
Führungswechsel an der Spitze
Im Vorfeld des Insolvenzantrags gab es an der Spitze von Saks Global mehrere Führungswechsel. Am 2. Januar wurde Richard Baker als Nachfolger von Marc Metrick zum CEO ernannt. Doch bereits am 13. Januar trat Baker von seiner Rolle als Executive Chairman und CEO zurück. Mit sofortiger Wirkung übernimmt nun Geoffroy van Raemdonck, der ehemalige CEO von Neiman Marcus, die Position des CEO. Van Raemdonck äußerte sich in einer Stellungnahme: „Dies ist ein entscheidender Moment für Saks Global, und der vor uns liegende Weg bietet eine bedeutsame Gelegenheit, das Fundament unseres Geschäfts zu stärken und es für die Zukunft zu positionieren.“ Er betonte, dass er sich darauf freue, das Unternehmen weiter zu transformieren.
Herausforderungen im Luxus-Einzelhandel
Der Insolvenzantrag von Saks Global spiegelt die anhaltenden Herausforderungen wider, denen sich stationäre Einzelhändler gegenübersehen. Der Wettbewerb durch den E-Commerce und "Fast-Fashion"-Anbieter wie H&M und Uniqlo ist immens. Laut Coresight Research schlossen im Jahr 2025 über 8.100 Geschäfte in den USA, ein Anstieg von rund 12 % gegenüber dem Vorjahr.
Zusätzlich haben sich die Einkaufsgewohnheiten der Amerikaner in den letzten Jahren verschoben:
- Viele Käufer sind vom Luxusmarkt desillusioniert, beklagen höhere Preise für geringere Qualität.
- Luxus-Käufer tendieren zunehmend zum Direktkauf bei den Marken selbst, wodurch Zwischenhändler wie Kaufhäuser umgangen werden.
- Eine unsichere Wirtschaftslage, ein sich verlangsamender Arbeitsmarkt und ein gedämpftes Konsumentenvertrauen tragen ebenfalls zur Kaufzurückhaltung bei.
Saks, ursprünglich 1924 in Manhattan gegründet, expandierte zwischen den 1970er und 1990er Jahren schnell, bevor es 2013 von Hudson's Bay übernommen wurde. Die aktuelle Situation unterstreicht den Druck, unter dem traditionelle Luxus-Kaufhäuser stehen, sich an ein sich schnell wandelndes Marktumfeld anzupassen.