
Samsung's KI-Strategie: Nützlichkeit, Halbleiter und Wachstum bis 2026
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Samsung Electronics positioniert sich im KI-Markt mit einem Fokus auf "genuin nützliche und unaufdringliche" Künstliche Intelligenz, die den Alltag erleichtern soll. Das Unternehmen integriert KI nahtlos in sein breites Produktspektrum, von Smartphones über TVs bis hin zu Haushaltsgeräten, um ein kohärentes und reaktionsfähiges Technologie-Ökosystem zu schaffen. Diese Strategie, gepaart mit einer starken Position im Halbleiterbereich, lässt Samsung für das vierte Quartal 2025 eine Verdreifachung der Gewinne erwarten.
Samsungs KI-Strategie: Nützlichkeit statt Spektakel
Simon Sung, CEO von Samsung Electronics Europe, beschreibt die KI-Strategie des Unternehmens als "KI, die genuin nützlich und unaufdringlich ist". Der Fokus liegt auf dem Alltagsnutzen statt auf Neuheiten, sei es ein autonom reagierendes Smart Home oder Geräte, die tägliche Routinen im Hintergrund koordinieren. Sung betont, dass sich der Wandel von einer aktivierbaren Funktion hin zu einem begleitenden Assistenten vollzieht.
Samsung hat eigene Large Language Models (LLMs) namens Samsung Gauss entwickelt, bietet diese jedoch nicht als eigenständiges Konsumentenprodukt an. Stattdessen konzentrieren sich die kundenorientierten Bemühungen auf den Galaxy AI Assistenten. Dieser ist in die Smartphones des Unternehmens integriert und nutzt eine Mischung aus hauseigener KI und Technologien von Partnern wie Google. Der Galaxy AI Assistent kann Aufgaben wie Live-Übersetzung und Transkription ausführen.
KI als Kernbestandteil des Produktportfolios
Die Integration von Künstlicher Intelligenz zieht sich durch Samsungs gesamtes Produktportfolio. Auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas präsentierte Samsung Anfang Januar TVs, Küchengeräte und Waschmaschinen mit Sensoren und Spracherkennung. Das Ziel ist es, Technologie weniger wie eine Sammlung von Gadgets und mehr wie eine kohärente, reaktionsfähige Umgebung erscheinen zu lassen, die sich dem realen Leben anpasst.
Bis 2026 plant Samsung, die Anzahl der KI-gestützten Geräte auf 800 Millionen Einheiten zu verdoppeln. Beispiele hierfür sind der Galaxy Z Fold7, der KI-Tools zur Vereinfachung täglicher Aufgaben nutzt, und die Galaxy Watch8-Serie mit KI-gesteuerten Gesundheitsfunktionen wie der Schlafberatung. Diese Innovationen sind Teil einer breiteren Vision, KI zu einem "allgegenwärtigen Wegbereiter" nutzerzentrierter Funktionalität zu machen.
Im Smart Home-Bereich wird die Vision AI Companion Plattform für kommende Samsung TVs vorgestellt, die mehrere LLMs wie Microsoft Copilot und Perplexity integriert. Diese Plattform soll Nutzergespräche tiefer verstehen als frühere Modelle. Auch im Gesundheitswesen werden neue KI-Funktionen in Samsung Health Schlaf-, Ernährungs- und Aktivitätsdaten analysieren, um potenzielle chronische Krankheitsrisiken zu erkennen und personalisierte Einblicke zu liefern.
Eigene Entwicklung und strategische Partnerschaften
Samsung setzt auf eine Kombination aus Eigenentwicklung und strategischen Partnerschaften, um seine KI-Strategie voranzutreiben. Neben den intern entwickelten Samsung Gauss LLMs und dem Galaxy AI Assistenten, der auch Google-Technologie nutzt, arbeitet das Unternehmen mit Partnern wie Google und OpenAI zusammen. Diese Kooperationen erweitern die Fähigkeiten in Bereichen wie Suche, generativer Bearbeitung und Übersetzung, beispielsweise durch Gemini und Bixby.
Intern fördert Samsung Electronics den Informationsaustausch zwischen Produkt-, Design-, Engineering- und Marketingteams. Dies soll die KI-Kompetenz organisationsweit stärken, anstatt sie in isolierten Gruppen zu belassen. Da KI gleichzeitig in TVs, Haushaltsgeräte, mobile Geräte und vernetzte Dienste integriert wird, denken Mitarbeiter über Intelligenz als eine gemeinsame Schicht über die gesamte Erfahrung hinweg nach.
Halbleiter als Fundament der KI-Ambitionen
Samsungs Dominanz im KI-Zeitalter basiert maßgeblich auf seiner Halbleiterkompetenz. Das Unternehmen hat einen Investitionsplan von 310 Milliarden US-Dollar aufgelegt, um seine KI-Infrastruktur zu stärken. Dazu gehört eine 50-prozentige Steigerung der Produktion von High-Bandwidth Memory (HBM) und die Entwicklung der 2nm Gate-All-Around (GAA) Prozesstechnologie.
Der HBM4-Chip ist ein Eckpfeiler dieser Strategie, und frühe Kursgewinne im Jahr 2026 spiegeln das Vertrauen der Investoren in seine "differenzierte Wettbewerbsfähigkeit" wider. Der HBM-Markt wird voraussichtlich von 35 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf 100 Milliarden US-Dollar bis 2028 wachsen, angetrieben durch die KI-Nachfrage. Samsungs Führungsposition in diesem Bereich und seine 2nm GAA-Roadmap positionieren das Unternehmen, um von einem sich verengenden Speichermarkt zu profitieren.
Wachstumsprognosen und Marktpotenzial
Die strategischen Investitionen und technologischen Durchbrüche im KI-Bereich zahlen sich für Samsung aus. Das Unternehmen erwartet für das vierte Quartal 2025 eine Verdreifachung der Gewinne, angetrieben durch eine steigende Nachfrage nach Speicherchips für KI-Modelle. Im zweiten Quartal 2025 verzeichnete Samsung bereits einen Marktanteil von 20 % im Bereich der KI-gesteuerten Unterhaltungselektronik.
Analysten betonen, dass diese Fortschritte, zusammen mit strategischen Partnerschaften in der Lieferkette, Samsungs Rolle als kritischer Knotenpunkt im KI-Hardware-Ökosystem festigen könnten. Die aggressive Einführung von KI-Produkten und die Expansion in neue Bereiche wie SmartThings Home-to-Car, entwickelt mit Hyundai, deuten auf breitere Ökosystem-Möglichkeiten hin, insbesondere für Gastgewerbe, Seniorenwohnen und Mehrfamilienhäuser.
Ausblick und offene Fragen
Trotz der ambitionierten Pläne und der breiten Integration von KI bleiben einige technische Details und Implementierungsfragen offen. Bei der Vision AI Companion Plattform für TVs wurden beispielsweise keine Latenzmetriken oder Informationen darüber bekannt gegeben, ob die Verarbeitung auf dem Gerät oder über die Cloud erfolgt. Dies wirft Fragen zur Echtzeit-Gesprächsleistung und zum Datenschutz auf.
Ebenso wurden für die 2026er TV-Reihe keine vergleichbaren Benchmarks für Hardware-Details wie Chipsätze, Neural Processing Unit (NPU)-Spezifikationen oder KI-Rechenkapazität genannt. Während SmartThings bereits Entwickler-SDKs für IoT-Geräte von Drittanbietern bereitstellt, hat Samsung nicht bestätigt, ob Vision AI oder SmartThings AI öffentliche APIs für benutzerdefinierte Automatisierungen, Sprachfertigkeiten oder Gesundheitsdatenintegrationen anbieten werden.