
Scale AI im Umbruch: Nach Meta-Deal zwischen Entlassungen und Neuausrichtung
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Die KI-Trainingsfirma Scale AI durchlebt nach einer 14-Milliarden-Dollar-Investition von Meta und dem Abgang ihres Gründers Alexandr Wang eine turbulente Phase. Das Unternehmen sieht sich mit Entlassungen, sinkenden Bewertungen und wachsendem Wettbewerb konfrontiert, während es gleichzeitig eine strategische Neuausrichtung vorantreibt. Diese Entwicklungen werfen Fragen über die Zukunft des einst gefeierten Startups auf.
Meta-Deal und seine weitreichenden Folgen
Im Sommer investierte Meta 14 Milliarden US-Dollar in Scale AI und erwarb damit einen Anteil von 49 Prozent am Unternehmen. Im Zuge dieser Transaktion wechselte der 28-jährige Gründer von Scale AI, Alexandr Wang, zu Meta, um dort eine neue Superintelligenz-Gruppe zu leiten. Meta verfolgt damit das Ziel, eine eigene KI-Superintelligenz zu entwickeln, nachdem Mark Zuckerberg Berichten zufolge mit den Llama-Modellen von Meta unzufrieden war.
Die Partnerschaft mit Meta hatte jedoch auch Schattenseiten für Scale AI. A-List-Kunden wie OpenAI und Google stellten ihre Zusammenarbeit mit dem Startup aufgrund potenzieller Interessenkonflikte ein. Ein interner Mitarbeiter fragte sogar ChatGPT nach dem Schicksal des Unternehmens, woraufhin der Chatbot eine düstere Prognose abgab: Scale AI werde "innerhalb von 24 Monaten nicht mehr als glaubwürdige unabhängige Einheit existieren".
Entlassungen und Unmut bei den Mitarbeitern
Kurz nach der Meta-Investition entließ Scale AI 14 Prozent seiner Vollzeitbelegschaft, was etwa 200 Mitarbeitern entsprach. Zusätzlich wurde die Zusammenarbeit mit rund 500 globalen Auftragnehmern beendet. Laut Interims-CEO Jason Droege waren die Entlassungen auf ein zu schnelles Wachstum des Datenbeschriftungsgeschäfts, übermäßige Bürokratie und "Verschiebungen in der Marktnachfrage" zurückzuführen. Ein Sprecher von Scale AI, Joe Osborne, erklärte, die Entlassungen zielten darauf ab, die Datensparte profitabel zu machen.
Auch die große Zahl menschlicher Datenbeschrifter, die Scale AI einst zu einem Schwergewicht machten, äußert Unmut. Sie berichten von Lohnkürzungen, langen unbezahlten Einarbeitungsphasen für neue KI-Projekte und ausdünnenden Arbeitslasten. Die Aktivität im internen Chatroom von Outlier, Scale AIs Flaggschiff-Plattform für Gig-Worker, ist seit der Meta-Investition deutlich zurückgegangen. Eine Taskerin gab an, 40 Stunden in einem Monat unbezahlt in Einarbeitungssitzungen verbracht zu haben, ohne tatsächliche Arbeit zu erhalten.
Sinkende Bewertungen und geteilte Investorenmeinungen
Die Meta-Investition, die Scale AI mit 29 Milliarden US-Dollar bewertete, hat die Bewertung des Unternehmens an den privaten Märkten beeinträchtigt. Noel Moldvai, CEO von Augment, berichtete, dass seine Plattform vor dem Meta-Deal Transaktionen in Millionenhöhe mit Scale AI-Aktien abwickelte, diese aber danach einbrachen. Die Aktivität nimmt zwar wieder zu, jedoch zu deutlich niedrigeren Bewertungen von etwa 9 bis 15 Milliarden US-Dollar. Auf einer anderen Plattform, Caplight, sank die Bewertung sogar auf 7,3 Milliarden US-Dollar, was Joe Osborne jedoch als ungenau bezeichnete.
Einige Investoren bleiben optimistisch und sehen Scale AI weiterhin als unabhängiges Unternehmen mit rund 1 Milliarde US-Dollar in der Bilanz und ohne Pläne für eine Kapitalbeschaffung. Ein Börsengang (IPO) könnte demnach weiterhin eine Option sein. Andere Investoren sehen Scale AI jedoch eher als "ausgenommenen Fisch", wobei Noel Moldvai vermutet, dass Meta hauptsächlich an Alexandr Wang interessiert war.
Wachsende Konkurrenz und Qualitätsbedenken
Scale AI sieht sich einem Ansturm neuer KI-Trainings-Startups gegenüber, die aktiv versuchen, sowohl Mitarbeiter als auch Kunden abzuwerben. Unternehmen wie Surge AI und Mercor verzeichnen hohe Bewertungen und gewinnen Marktanteile. Mercor, das im Oktober 350 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung von 10 Milliarden US-Dollar aufnahm, konnte sogar ein großes KI-Trainingsprojekt von Meta gewinnen. Scale AI reichte daraufhin eine Klage gegen Mercor ein, wegen angeblicher Abwerbung von Vertriebsmitarbeitern und Kunden, was Mercor bestreitet.
Brendan Foody, CEO von Mercor, kritisierte öffentlich die angeblich niedrigen Lohnsätze und Qualitätsprobleme bei Scale AI. Tammy Hartline, eine ehemalige Beraterin von Scale AI, die jetzt bei Mercor arbeitet, bestätigte, dass "Spam und minderwertige Daten als Geschäftskosten akzeptiert wurden". Ein Sprecher von Scale AI betonte jedoch, dass die Qualitätsmetriken des Unternehmens "Rekordhöhen" erreicht hätten.
Cybersicherheit und strategische Neuausrichtung
Bereits vor der Meta-Investition hatte Scale AI mit Sicherheitsproblemen zu kämpfen. Im Juni berichtete Business Insider, dass das Unternehmen routinemäßig öffentliche Google Docs zur Verfolgung von Arbeiten für hochkarätige Kunden wie Google, Meta und xAI nutzte. Diese Praxis machte vertrauliche KI-Trainingsdokumente für jeden mit dem Link zugänglich und legte persönliche Informationen von Auftragnehmern offen. Joe Osborne versicherte, dass das Unternehmen die Datensicherheit ernst nehme und entsprechende Maßnahmen ergriffen habe.
Trotz der Herausforderungen verfolgt Scale AI eine strategische Neuausrichtung. Das Unternehmen diversifiziert in Bereiche wie Robotik und kündigte ein neues Labor für Robotertrainingsdaten an. Es verstärkt auch seine Zusammenarbeit mit dem US-Militär und anderen Regierungsbehörden und hat seit dem Meta-Deal Verteidigungsaufträge im Wert von bis zu 199 Millionen US-Dollar gewonnen. Laut Joe Osborne ist das Datenbeschriftungsgeschäft profitabler als vor dem Meta-Deal, und das Anwendungsgeschäft hat seinen Umsatz in der zweiten Jahreshälfte 2025 im Vergleich zur ersten verdoppelt.