
SEC schafft Klarheit: Die meisten Kryptos sind keine Wertpapiere mehr
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Die US-Börsenaufsichtsbehörde SEC hat am Dienstag eine historische Interpretation der Bundeswertpapiergesetze veröffentlicht, die die meisten Krypto-Assets nicht mehr als Wertpapiere, sondern als Commodities einstuft. Diese lang erwartete Klarstellung beendet eine Dekade der Unsicherheit für Marktteilnehmer und wird von der Krypto-Branche als bedeutender Fortschritt gefeiert.
Historische Wende bei der Krypto-Regulierung
Die neue Richtlinie der SEC, die in einem 68-seitigen Dokument detailliert wird, unterscheidet sich grundlegend von der früheren Haltung unter dem ehemaligen SEC-Vorsitzenden Gary Gensler. Gensler betrachtete die meisten Kryptowährungen außer Bitcoin als hochspekulative Wertpapiere. Der aktuelle SEC-Vorsitzende Paul Atkins erklärte auf dem DC Blockchain Summit in Washington: „Nach mehr als einem Jahrzehnt der Unsicherheit wird diese Interpretation den Marktteilnehmern ein klares Verständnis dafür vermitteln, wie die Kommission Krypto-Assets nach den Bundeswertpapiergesetzen behandelt.“ Er fügte hinzu: „Sie erkennt auch an, was die frühere Regierung nicht anerkennen wollte – dass die meisten Krypto-Assets selbst keine Wertpapiere sind.“
Neue Klassifizierung: Was ist eine Commodity?
Die Regulierungsbehörden interpretieren nun, dass Assets, die mit dem „programmatischen Betrieb eines Kryptowährungssystems“ sowie den Dynamiken von Angebot und Nachfrage verbunden sind und ihren Wert daraus ableiten, als Commodities einzustufen sind. Dies steht im Gegensatz zur „Erwartung von Gewinnen aus den wesentlichen Managementbemühungen anderer“.
Die SEC-Interpretation schafft vier Kategorien von Nicht-Wertpapier-Krypto-Assets:
- Digitale Commodities: Dazu gehören Bitcoin, Ether, Solana (CRYPTO: SOL), XRP und Doge.
- Digitale Sammlerstücke (Collectibles)
- Digitale Tools
- **Zahlungs-Stablecoins**
Auch Non-fungible Tokens (NFTs) und Dollar-gedeckte Stablecoins wurden als Commodities deklariert, während tokenisierte Wertpapiere weiterhin den Bundeswertpapiergesetzen unterliegen würden.
Solana jubelt, Litecoin stichelt
Das Solana-Ökosystem begrüßte die neue Richtlinie enthusiastisch. Der offizielle X-Account von Solana verwies auf die Klarstellung, die die langjährige Unsicherheit über das Schicksal von Kryptowährungen beseitigt. Miller Whitehouse-Levine, Gründer und CEO des Solana Policy Institute, bezeichnete die Entscheidung als „von tiefgreifender Bedeutung“ und etwas, das die Branche seit zehn Jahren von der Behörde gefordert habe.
Litecoin (CRYPTO: LTC) konnte sich derweil einen Seitenhieb auf Solana nicht verkneifen. Über seinen offiziellen X-Account stichelte Litecoin: „Manche verdienen sich ihren Weg, andere zahlen, um dabei zu sein. Ich habe es mir verdient.“ Zum Zeitpunkt der Berichterstattung wurde SOL bei 94,46 US-Dollar gehandelt, ein Rückgang von 1,12 % in den letzten 24 Stunden.
Ein Paradigmenwechsel bei der SEC
Die neue Richtlinie markiert einen deutlichen Bruch mit der früheren Haltung der SEC unter Gary Gensler, der Kryptowährungen außer Bitcoin als „hochspekulative, volatile Assets“ ansah, die von den meisten Anlegern missverstanden würden. Paul Atkins betonte den Wandel mit den Worten: „Wir sind nicht länger das ‚Securities and All Things Committee‘.“ Auch CFTC-Vorsitzender Michael Selig nahm am Gipfel teil, was die gemeinsame Anstrengung zur Klärung der Regulierung unterstreicht.
Die Rolle des Investmentvertrags
Trotz der neuen Klassifizierung als Nicht-Wertpapier können Krypto-Assets unter bestimmten Umständen weiterhin den Bundeswertpapiergesetzen unterliegen. Atkins erklärte, dass ein Krypto-Asset, das an sich kein Wertpapier ist, dennoch den Gesetzen unterliegen kann, wenn es als Teil eines Investmentvertrags angeboten und verkauft wird. Die Interpretation der SEC befasst sich auch damit, wie ein solcher Investmentvertrag endet und das betreffende Krypto-Asset von den SEC-Statuten befreit wird. Ob ein Krypto-Asset einem Investmentvertrag unterliegt, hängt maßgeblich von den Versprechen seines Emittenten ab.
Ausblick und politische Implikationen
Die SEC-Richtlinie kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Senatoren an einer Gesetzgebung arbeiten, die genau diese Klarheit schaffen soll – dem sogenannten Clarity Act. Der Gesetzentwurf wurde letztes Jahr vom Repräsentantenhaus verabschiedet, stockte jedoch im Senat aufgrund von Meinungsverschiedenheiten über Stablecoin-Zinszahlungen und andere Themen. Der Vorsitzende des Senatsbankenausschusses, Tim Scott, äußerte die Erwartung, bis Ende der Woche einen aktualisierten Entwurf des Gesetzes zu sehen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass jede Interpretation bestehender Gesetze von einem neuen SEC-Vorsitzenden leicht wieder aufgehoben werden kann. Nur der Kongress kann durch eine umfassende Marktstrukturgesetzgebung sicherstellen, dass die Regulierung in diesem Bereich zukunftssicher ist.