
Sell America"-Trend: Grönland-Zölle erschüttern globale Finanzmärkte
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Die globalen Finanzmärkte erleben eine erneute Welle der Unsicherheit, ausgelöst durch die jüngsten Zolldrohungen von US-Präsident Donald Trump. Im Zentrum steht sein Bestreben, Grönland zu erwerben, was zu Spannungen mit europäischen Ländern führt und den sogenannten "Sell America"-Handel wieder aufleben lässt. Investoren bewerten US-Anlagen neu und suchen verstärkt nach sicheren Häfen.
Eskalation um Grönland und Handelszölle
US-Präsident Trump hat seine Forderung nach einem Kauf Grönlands bekräftigt und droht europäischen Ländern, die sich dem widersetzen, mit Zöllen. Diese sollen am 1. Februar mit 10 Prozent beginnen und bis zum 1. Juni auf 25 Prozent steigen. Grönlands Premierminister Jens-Frederik Nielsen hat Trumps Ansinnen wiederholt abgelehnt und betont, man werde sich nicht unter Druck setzen lassen, sondern auf Dialog, Respekt und internationales Recht setzen.
Als Reaktion auf Trumps Drohungen versammelten sich Vertreter der Europäischen Union zu einem Notfalltreffen. Berichten zufolge erwägen europäische Beamte Gegenzölle und andere strafende Wirtschaftsmaßnahmen gegen die USA, möglicherweise auf US-Waren im Wert von bis zu 93 Milliarden Euro. Deutschland hat gewarnt, Trump habe eine rote Linie überschritten.
Der "Sell America"-Trend kehrt zurück
Der "Sell America"-Handel deutet darauf hin, dass globale Investoren höhere Risikoprämien auf US-fokussierte Anlagen verlangen, da die USA als Handelspartner zunehmend als unzuverlässig wahrgenommen werden. Nach Trumps jüngsten Drohungen befürchten einige Anleger, dass europäische Länder ihre US-Vermögenswerte als Machtdemonstration abstoßen könnten. Dieser Trend, der bereits nach Trumps "Liberation Day"-Zöllen im letzten April aufkam, scheint sich nun zu verstärken.
Guha von Evercore ISI merkt an, dass der fallende Dollar und der steigende Euro darauf hindeuten, dass globale Investoren ihr Engagement in den USA reduzieren oder absichern wollen, um sich vor Volatilität und Unzuverlässigkeit zu schützen. Russ Mould, Investment Director bei AJ Bell, ergänzt, dass Anleger möglicherweise nach Wegen suchen, ihr Engagement zu diversifizieren, da US-Indizes nahe Allzeithochs notieren und amerikanische Aktien einen Löwenanteil der globalen Marktkapitalisierung ausmachen.
Globale Märkte unter Druck
Die jüngsten Entwicklungen haben die globalen Finanzmärkte erheblich belastet. Der US-Dollar-Index verzeichnete den größten Rückgang seit der Einführung der extremen Zölle am "Liberation Day" im letzten April. Gleichzeitig stieg die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe auf 4,265 Prozent, den höchsten Stand seit Anfang September.
Auch die Aktienmärkte reagierten negativ: Der pan-europäische Stoxx 600 fiel am Dienstagmittag um rund 1 Prozent, nachdem bereits die asiatischen Märkte ins Minus gerutscht waren. Der breiteste MSCI-Index für asiatisch-pazifische Aktien außerhalb Japans lag 0,44 Prozent niedriger, und die Futures für Nasdaq und S&P 500 rutschten im frühen Handel um 1 Prozent ab. Citi hat die europäischen Aktien aufgrund der erhöhten Spannungen und der Zollunsicherheit herabgestuft.
Gold als sicherer Hafen gefragt
Inmitten der geopolitischen Spannungen und Handelskonfliktängste hat Gold neue Rekordhöhen erreicht. Die Nachfrage nach dem Edelmetall als sicherem Hafen ist stark gestiegen. Die Diskussionen über europäische Gegenzölle schwächen den US-Dollar, was die Aufwärtsdynamik bei Edelmetallen zusätzlich verstärkt. Mit den wieder auflebenden Ängsten vor einem transatlantischen Handelskrieg findet Gold erneut starke Unterstützung durch die geopolitische Unsicherheit.
Mögliche Reaktionen der EU und Ausblick
Europäische Entscheidungsträger prüfen verschiedene Optionen als Reaktion auf Trumps Zolldrohungen. Eine Möglichkeit ist die Diplomatie; das Weltwirtschaftsforum in Davos bietet ein enges Zeitfenster für direkte Gespräche, da Trump, der NATO-Generalsekretär und hochrangige europäische Staats- und Regierungschefs anwesend sein werden. Jedes Zeichen der Deeskalation könnte globale Risikoanlagen, insbesondere europäische Aktien wie den DAX, beflügeln.
Eine weitere Option wäre die Verzögerung der Ratifizierung des im letzten Sommer vereinbarten EU-US-Handelsabkommens. Dies hätte zwar auch Auswirkungen auf das europäische Wachstum, aber erhebliche Konsequenzen für die USA. Das dritte und schwerwiegendste Szenario wäre die Aktivierung des EU-Anti-Zwangs-Instruments, das ursprünglich für feindliche Staaten konzipiert wurde. Dies könnte Europa ermöglichen, Zölle zu erheben, den Zugang von US-Firmen zum Binnenmarkt zu beschränken und amerikanische Investitionen im Block zu begrenzen. Dies würde mit großer Sicherheit Vergeltungsmaßnahmen aus Washington provozieren und das Risiko eines ausgewachsenen Handelskriegs erhöhen.
Henry Cook, Europa-Ökonom bei MUFG, merkt an, dass die Vergangenheit gelehrt hat, nicht auf Trumps Drohungen zu überreagieren, und europäische Politiker zunächst den Dialog suchen werden. Er fügt jedoch hinzu, dass selbst bei einer Deeskalation "diese Episode viele dazu veranlassen wird, die Glaubwürdigkeit jeglicher Abkommen mit Trump anzuzweifeln, und die Zollunsicherheit daher erhöht bleiben wird." Guha von Evercore ISI betont, dass das Ausmaß und die Dauer dieser Dynamik noch zu bestimmen sind.