
Shortfall-Risiko vs. Inflation: Was einen echten Inflationsschutz ausmacht
ℹKeine Anlageberatung • Nur zu Informationszwecken
Viele Anleger fragen sich, wie sie ihr Portfolio effektiv vor Inflation schützen können. Dabei geht es nicht immer nur darum, die Inflation zu übertreffen, sondern vielmehr darum, das Risiko eines Kaufkraftverlusts – das sogenannte Shortfall-Risiko – zu minimieren. Ein tieferes Verständnis der Mechanismen ist entscheidend, um reale Renditen zu sichern.
Zwei Wege zum Inflationsschutz
Grundsätzlich gibt es zwei Ansätze, um die Inflation im Portfolio zu adressieren und die reale Kaufkraft zu erhalten:
- Die Inflation übertreffen: Dieser Ansatz zielt darauf ab, eine höhere Nominalrendite als die Inflationsrate zu erzielen. Wenn die Inflation beispielsweise durchschnittlich 3 % beträgt und eine Anlage 5 % Rendite liefert, scheint der Erfolg gesichert. Dieses Denken ist oft in einem nominalen Kontext verwurzelt, in dem die Inflation in Finanzmodellen eher angenommen als als Zufallsvariable modelliert wird. Es erweist sich jedoch als schwierig, über längere Zeiträume (10+ Jahre) verlässlich Anlageklassen zu finden, die die Inflation schlagen, da viele Anlageklassen eine signifikante inverse Korrelation zur Inflation aufweisen. Klassische 60/40-Portfolios aus Aktien und Anleihen, die langfristig 5 % Rendite versprechen, könnten bei steigender Inflation nicht nur reale Kaufkraft, sondern auch nominalen Wert verlieren, da beide Anlageklassen in der Regel bei steigender Inflation fallen.
- Die Inflation absichern (hedgen): Dieser Ansatz strebt an, die Inflation konstant leicht zu übertreffen, sodass die Renditen steigen, wenn die Inflation steigt, und fallen, wenn die Inflation fällt. Das Ziel ist es, jederzeit eine positive reale Rendite zu erzielen. Hierbei steht die Minimierung des Shortfall-Risikos im Vordergrund.
Shortfall-Risiko: Die Kehrseite der Medaille
Der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Ansätzen liegt im Shortfall-Risiko. Als Anleger ist man zwar an der realen Aufwärtsentwicklung interessiert, doch die meisten Menschen sind risikoavers und legen mehr Wert auf die Vermeidung von Verlusten. Die Risikobereitschaft ist nicht linear; kleine Gewinne und Verluste werden anders wahrgenommen als große.
Das Shortfall-Risiko beschreibt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Portfolio die Inflation über einen bestimmten Zeitraum hinweg unterperformiert, also real an Wert verliert. Wer die Inflation absichern möchte, konzentriert sich darauf, dieses Risiko zu minimieren.
Die Mathematik hinter dem Inflations-Hedge
Um die Wahrscheinlichkeit zu bewerten, dass eine Anlage (B) die Inflation (A) um einen bestimmten Betrag über einen Zeitraum unterperformiert, sind Schätzungen der erwarteten Renditen beider Assets erforderlich. Entscheidend für die Häufigkeit und Schwere eines Shortfalls ist jedoch die Volatilität des Spreads zwischen ihnen. Diese wird durch zwei Faktoren bestimmt:
- Korrelation: Wie stark sind die Bewegungen von Anlage und Inflation miteinander verbunden?
- Individuelle Volatilität: Wie stark schwankt jede einzelne Anlage?
Für ein minimales Shortfall-Risiko sollten die Absicherungsanlage und der Inflationsindex (wie der CPI oder ein indexierter Token wie USDi) eine geringe Volatilität und eine hohe Korrelation zueinander aufweisen. Man kann sich das wie zwei betrunkene Personen vorstellen, die sich an den Händen halten: Wenn sie nicht sehr betrunken sind (geringe Volatilität) und sich festhalten (hohe Korrelation), werden sie nie weit voneinander abweichen.
Praxisbeispiel: INFL vs. EUSIT
Betrachten wir ein Beispiel, um die Bedeutung von Volatilität und Korrelation zu verdeutlichen. Angenommen, wir vergleichen zwei Anlagen – einen "INFL" ETF und einen privaten "EUSIT" Fonds – als Inflations-Hedge gegenüber dem Verbraucherpreisindex (CPI). Die folgenden Daten basieren auf 3-Jahres-Renditen, Volatilitäten und monatlichen Korrelationen, die im November 2025 enden:
- CPI: Rendite 2,98 %, Volatilität 0,9 %
- INFL ETF: Rendite 11,97 %, Volatilität 14,9 %, Korrelation zum CPI -0,1
- EUSIT (Mystery Private Fund): Rendite 6,13 %, Volatilität 1,0 %, Korrelation zum CPI 0,9
- Hinweis: Der EUSIT-Fonds ist ein privater 3(c)1-Fonds, der akkreditierten Anlegern über eine Zeichnungsvereinbarung zugänglich ist.*
Basierend auf diesen Daten beträgt die Spread-Volatilität (σ) für INFL gegenüber CPI 15,2 %, während sie für EUSIT gegenüber CPI nur 1,1 % beträgt. Der EUSIT-Fonds zeigt hier die Eigenschaften einer guten Absicherung: geringe Volatilität und hohe positive Korrelation zum CPI. Der INFL ETF hingegen weist eine hohe Volatilität und eine negative Korrelation auf.
Nehmen wir an, alle drei haben die gleichen erwarteten Renditen, Volatilitäten und Korrelationen für ein Jahr:
- Für INFL: Es wird erwartet, dass INFL den CPI um 8,99 % übertrifft. Mit einer Spread-Volatilität von 15,2 % liegt die Wahrscheinlichkeit, die Inflation zu unterperformieren (Spread von 0 % oder weniger), bei etwa 33,5 %. Das bedeutet, dass man mit INFL etwa jedes dritte Jahr die Inflation unterperformieren würde. Die Wahrscheinlichkeit, die Inflation um 10 % oder mehr zu unterperformieren, liegt bei etwa 18 %.
- Für EUSIT: Es wird erwartet, dass EUSIT den CPI um 3,15 % übertrifft. Mit einer Spread-Volatilität von 1,1 % liegt die Wahrscheinlichkeit, die Inflation zu unterperformieren, bei etwa 0,66 %. Dies entspricht einer Unterperformance etwa einmal alle 151 Jahre. Die Wahrscheinlichkeit, die Inflation um 5 % oder 10 % zu unterperformieren, ist praktisch null.
Diese Annahmen sind entscheidend und dienen lediglich der Veranschaulichung. Es wird keine Aussage darüber getroffen, ob diese Strategien zukünftig dieselben Eigenschaften beibehalten werden. Das Beispiel zeigt jedoch deutlich, dass für einen Inflations-Hedge, der das Shortfall-Risiko minimiert, die Volatilität und Korrelation zum CPI der beabsichtigten Absicherung von größter Bedeutung sind. Eine höhere Rendite ist wichtig, aber weniger entscheidend, als man vielleicht denkt. Selbst über einen Fünfjahreshorizont hätte der INFL ETF immer noch eine 8%ige Chance, die Inflation zu unterperformieren, während die Wahrscheinlichkeit für den EUSIT-Fonds nahezu null wäre.
Ein Hedge bedeutet, dass man die Möglichkeit einer großen Outperformance aufgibt, um sich gegen das Risiko einer großen Unterperformance abzusichern. Für risikoaverse Anleger ist dies ein guter Kompromiss.
Merkmale eines effektiven Inflations-Hedges
Ein guter Inflations-Hedge zeichnet sich durch folgende Eigenschaften aus:
- Hohe positive Korrelation zur Inflation über den relevanten Zeithorizont.
- Geringe Volatilität.
- Übertrifft oder unterperformiert die Inflation nicht über die Zeit.
Zusätzlich könnte ein viertes, selteneres Merkmal eine Konvexität gegenüber höherer Inflation sein, d.h., die Anlage performt bei steigender Inflation überproportional besser. Für die meisten Anleger sind jedoch die ersten drei Merkmale bereits eine solide Basis zur Bewertung eines echten Inflationsschutzes.
- Risikohinweis: Der Handel mit Finanzinstrumenten und/oder Kryptowährungen birgt hohe Risiken, einschließlich des Risikos, einen Teil oder die gesamte Investition zu verlieren, und ist möglicherweise nicht für alle Anleger geeignet. Bevor Sie eine Anlageentscheidung treffen, sollten Sie Ihre Anlageziele, Ihr Erfahrungsniveau und Ihre Risikobereitschaft sorgfältig prüfen und gegebenenfalls professionellen Rat einholen.*