
Showmax eingestellt: NBCUniversal entlässt Mitarbeiter im Zuge des Afrika-Rückzugs
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Der afrikanische Streamingdienst Showmax, ein Gemeinschaftsunternehmen von Canal+ und den Comcast-Töchtern NBCUniversal und Sky, wird eingestellt. Diese Entscheidung führt zu Entlassungen bei NBCUniversal und markiert eine strategische Neuausrichtung im hart umkämpften globalen Streaming-Markt.
Showmax stellt Betrieb ein: NBCUniversal entlässt Mitarbeiter
NBCUniversal plant, Dutzende von Mitarbeitern zu entlassen, die für den afrikanischen Streamingdienst Showmax tätig waren. Betroffen sind etwa ein Dutzend US-Mitarbeiter des globalen Streaming-Produktteams, und Dutzende weitere könnten international betroffen sein. Für die internationalen Entlassungen ist ein Konsultationsprozess vorgesehen.
Showmax, das von Canal+ gemeinsam mit NBCUniversal und Sky betrieben wurde, informierte seine Kunden letzte Woche über die bevorstehende Einstellung des Dienstes. Ein genaues Datum wurde dabei nicht genannt. Canal+ hält 70 % von Showmax, nachdem es den südafrikanischen TV-Anbieter MultiChoice übernommen hat. Comcast besitzt die restlichen 30 % der Anteile in allen bis auf einem der 44 afrikanischen Länder, in denen Showmax aktiv war.
Ein "teurer Misserfolg" im afrikanischen Streaming-Markt
Canal+ bezeichnete den verlustreichen Streamingdienst Showmax in seinem Quartalsbericht am Mittwoch als "teuren Misserfolg". Die Plattform, die im August 2015 von MultiChoice gestartet und im Februar 2024 in Partnerschaft mit NBCUniversal neu aufgelegt wurde, konnte trotz erheblicher Investitionen keine nachhaltige Rentabilität erzielen. MultiChoice und NBCUniversal investierten gemeinsam rund 309 Millionen US-Dollar in Showmax, hauptsächlich für Originalinhalte und die Plattformentwicklung.
Finanzielle Offenlegungen vor der Übernahme durch Canal+ zeigten, dass die Handelsverluste von Showmax um etwa 88 % zunahmen, während die Einnahmen zurückgingen. MultiChoice Group CEO David Mignot erklärte Anfang des Jahres, dass die Wirtschaftlichkeit des mobilen Streamings in Afrika aufgrund hoher Datenkosten und des geringen Zugangs zu Glasfaser in Haushalten mit TV-Geräten nicht funktioniere.
Strategische Neuausrichtung bei Canal+ und Comcast
Die Einstellung von Showmax ist Teil einer umfassenderen Strategie von Canal+, die auf Kostenreduktion und eine Neuausrichtung im Streaming-Sektor abzielt. Das französische Unternehmen strebt bis 2030 Kostensenkungen von rund 400 Millionen Euro an. Anstatt direkt mit globalen Streaming-Giganten zu konkurrieren, setzt Canal+ nun auf Aggregation und Bündelungspartnerschaften.
Ein Beispiel hierfür ist die erweiterte Vereinbarung mit Netflix, die Netflix-Abonnements in Canal+-Pay-TV-Pakete in 24 frankophonen afrikanischen Ländern integriert. Die "Showmax Originals" werden zudem auf die linearen Fernsehkanäle von MultiChoice, darunter M-Net, Africa Magic, Mzansi Magic und kykNET, verlagert. Auch Comcast verfolgt eine klare Strategie: Co-CEO Mike Cavanagh betonte Anfang März, dass der Flaggschiff-Streamer Peacock keine internationalen Expansionspläne habe und "national unser Weg ist".
Keine Entlassungen bei MultiChoice, aber Sorge in der Kreativbranche
Während NBCUniversal Mitarbeiter entlässt, wird die Schließung von Showmax bei MultiChoice selbst nicht zu Entlassungen führen. Dies liegt an Beschäftigungsschutzmaßnahmen, die im Übernahmevertrag von Canal+ enthalten sind und Personalabbau für drei Jahre nach der Übernahme im September 2025 verhindern. Die betroffenen Mitarbeiter sollen stattdessen innerhalb der Gruppe umbesetzt werden.
Die Einstellung von Showmax stellt jedoch einen erheblichen Rückschlag für die afrikanische Kreativbranche dar. Sie folgt auf den Rückzug von Amazon MGM Studios im Jahr 2024, die ebenfalls die Beauftragung neuer Originalproduktionen in Afrika eingestellt hatten. Ein südafrikanischer Regisseur äußerte gegenüber Variety, dass Showmax eine der wenigen Plattformen gewesen sei, die bereit waren, "mutige und authentische Geschichten" zu finanzieren. Der Verlust von Showmax verringert die Möglichkeiten für hochwertige, lokale Prestige-TV-Produktionen in Afrika erheblich.