Silberpreis-Rallye: Industrielle Nachfrage bremst Rekordhöhen

Silberpreis-Rallye: Industrielle Nachfrage bremst Rekordhöhen

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Der Silberpreis hat Gold in der jüngsten Edelmetall-Rallye deutlich übertroffen und neue Rekordhöhen erreicht. Doch die komplexe Natur des weißen Metalls, das sowohl ein begehrtes Investment als auch ein unverzichtbarer Rohstoff für Solarpaneele und Elektronik ist, könnte die weitere Aufwärtsbewegung bremsen. Industrielle Abnehmer beginnen, auf die gestiegenen Kosten zu reagieren, während geopolitische Spannungen und die Geldpolitik der Federal Reserve den Markt zusätzlich beeinflussen.

Silber: Ein Edelmetall mit industrieller Bedeutung

Silber nimmt eine einzigartige Position am Markt ein, da es sowohl als Edelmetall für Investitionen als auch als wichtiger Rohstoff für industrielle Anwendungen dient. Es profitiert von der gleichen angstgetriebenen Nachfrage, die auch Gold antreibt, ist aber gleichzeitig eng mit langfristigen Trends wie der Elektrifizierung, Solarenergie und der Elektronikindustrie verbunden. Diese Mischung macht Silber besonders anfällig für Angebotsschocks. Im vergangenen Jahr verstärkte ein physischer Short Squeeze in London den Preisanstieg, nachdem die Lagerbestände durch große Metallflüsse in US-Tresore aufgrund von Zollbedenken ungewöhnlich dünn geworden waren. Chinas Produktionsüberkapazitäten und intensiver Wettbewerb haben in den letzten Jahren die Nachfrage nach Silber und anderen Rohstoffen erhöht. Aufgrund seiner entscheidenden Rolle in fortschrittlichen Technologien und der Infrastruktur für saubere Energie, insbesondere in Solarpaneelen, Elektrofahrzeugen und Elektronik, wurde Silber im vergangenen Jahr in die Liste der kritischen Mineralien der USA aufgenommen.

Der rasante Preisanstieg und aktuelle Höchststände

Der Spot-Silberpreis erreichte im Januar 2026 ein neues Allzeithoch von über 93 US-Dollar pro Feinunze und ist in diesem Jahr bereits um fast 26 % gestiegen. Im Jahr 2025 legte das Edelmetall um etwa 170 % zu und übertraf damit den Goldpreis, der im gleichen Zeitraum um 73 % stieg. Am Mittwoch erreichte der Silberpreis ein Allzeithoch von nahezu 93,90 US-Dollar. Historisch gesehen erreichte Silber im Januar 2026 einen Höchststand von 93,57 US-Dollar. Am Freitag, den 16. Januar 2026, fiel der Silberpreis auf 91,17 US-Dollar pro Feinunze und notierte im asiatischen Handel über 2 % niedriger bei rund 90,40 US-Dollar. Innerhalb von 13 Monaten, von Anfang 2025 bis Januar 2026, verzeichnete Silber einen Anstieg von mehr als 210 %. Auch auf dem indischen Multi Commodity Exchange (MCX) erreichte der Silberpreis am Mittwoch, den 14. Januar, ein neues Rekordhoch von 2.86.100 ₹ pro Kilogramm, nachdem er um 10.800 ₹ gestiegen war.

Industrielle Nachfrage als Bremse für die Rallye?

Die industrielle Nachfrage könnte die Silberpreis-Rallye begrenzen. Ole Hansen, Leiter der Rohstoffstrategie bei der Saxo Bank, kommentierte am Mittwoch, dass "ab einem bestimmten Preisniveau Hersteller und Endverbraucher höhere Kosten einfach nicht mehr absorbieren können." Industrielle Anwendungen für Silber umfassen Solarpaneele, Elektronik und Chips, die für den Ausbau der KI entscheidend sind. Hansen fügte hinzu, dass Unternehmen entweder versuchen, die Kosten weiterzugeben und scheitern, Käufe reduzieren oder nach Ersatzstoffen suchen. Da Silber nun um die 91 US-Dollar pro Unze gehandelt wird, beginnen einige industrielle Verbraucher, ihren Verbrauch zu reduzieren oder auf Ersatzstoffe umzusteigen. Jüngst kündigten große chinesische Solarhersteller wie Longi Green Energy Technology und Jinko Solar an, einen Teil des Silbers durch günstigere Basismetalle zu ersetzen. Hansen ist der Ansicht, dass "jede Rallye irgendwann an ihre Grenzen stößt, und für Silber ist die wahrscheinlichste Bremse die Zerstörung der industriellen Nachfrage."

Geopolitische Spannungen und Zinspolitik der Fed

Die Rallye des Silberpreises ist nicht isoliert zu betrachten. Eskalierende Spannungen, darunter Konflikte zwischen den USA, Iran und Israel, anhaltende Auseinandersetzungen in Osteuropa und Unsicherheiten bezüglich globaler Handelsrouten, haben die Nachfrage nach Sachwerten angeheizt. Die starke Nachfrage nach sicheren Häfen inmitten erhöhter geopolitischer Spannungen und wachsender Bedenken hinsichtlich der Unabhängigkeit der US-Notenbank stützt den Silberpreis. Berichte, dass US-Bundesstaatsanwälte gegen den Fed-Vorsitzenden Jerome Powell wegen Äußerungen zu einer Gebäuderenovierung vorgehen könnten, haben die Marktstimmung belastet. Powell bezeichnete die Drohung als "Vorwand", um die Fed zu Zinssenkungen zu drängen, was neue Sorgen um die Unabhängigkeit der Zentralbank auslöste.

Gleichzeitig haben feste Erwartungen, dass die Federal Reserve die Zinsen in der bevorstehenden Sitzung stabil halten wird, den Silberpreis belastet. Theoretisch wirkt sich eine Pause in der geldpolitischen Lockerung der Fed negativ auf nicht-verzinsliche Anlagen wie Silber aus. Allerdings stützten schwächer als erwartete US-Inflationsdaten die Argumente für weitere Zinssenkungen der Federal Reserve im späteren Jahresverlauf.

US-Zölle auf kritische Mineralien: Eine Kehrtwende

Der Silberpreis geriet unter Druck, nachdem die Vereinigten Staaten Zölle auf Importe kritischer Mineralien aufgeschoben hatten. Am Donnerstag ordnete US-Präsident Donald Trump an, dass Handelsbeauftragter Jamieson Greer und Handelsminister Howard Lutnick Verhandlungen mit Handelspartnern aufnehmen sollen, um die Importe kritischer Mineralien so anzupassen, dass sie die nationale Sicherheit der Wirtschaft nicht gefährden. Diese Erklärung deutet darauf hin, dass die USA nicht ausreichend selbstversorgend in Bezug auf ihren Bedarf an kritischen Mineralien sind. Zuvor hatte der Silberpreis eine Rallye erlebt, da Händler in Erwartung der Einführung von Importzöllen große Mengen des Metalls luden. Die Entscheidung der USA, auf die Verhängung von Zöllen auf kritische Mineralien zu verzichten, führte am Freitag dazu, dass der Silberpreis in Richtung 90 US-Dollar pro Unze fiel.

Technischer Ausblick und Prognosen

Der XAG/USD notiert aktuell niedriger bei 90,63 US-Dollar. Der 50-Stunden Exponential Moving Average (EMA) steigt und liegt bei 90,06 US-Dollar, was den kurzfristigen Aufwärtstrend stützt, solange der Preis darüber bleibt. Die Aufwärtsneigung des 50-Stunden EMA unterstreicht eine verbesserte Trendfolgeunterstützung. Die Verschiebung des 14-Stunden Relative Strength Index (RSI) von der Zone 60.00-80.00 in den Bereich 40.00-60.00 deutet darauf hin, dass die bullische Dynamik vorerst beendet ist. Das Allzeithoch von 93,90 US-Dollar bleibt eine wichtige Barriere für den Silberpreis. Auf der Unterseite könnte der Preis auf das Tief vom 13. Januar von 83,62 US-Dollar fallen, falls er unter das Tief vom 15. Januar von 86,19 US-Dollar bricht.

Ponmudi R, CEO von Enrich Money, kommentiert, dass MCX Silber um 2.86.000 ₹ gehandelt wird und sich tief in einem starken bullischen Kanal befindet. Eine anhaltende Stärke über 2.85.000 ₹ hält die Aufwärtsbewegung intakt, mit potenziellen Ausbruchszielen bei 2.90.000–3.00.000 ₹+. Auf der Unterseite könnte ein korrigierender Rückgang unter 2.70.000 ₹ die Marken von 2.65.000–2.48.000 ₹ testen, wo eine neue Akkumulation erwartet wird. Rahul Kalantri von Mehta Equities sieht den Silberpreis bei 86,10-84,75 US-Dollar unterstützt, während der Widerstand bei 90,15-92,40 US-Dollar liegt. In INR-Begriffen liegt die Unterstützung bei 269.810-254.170 ₹ und der Widerstand bei 279.810-284.470 ₹.