Silicon Valley: Wohnmobile als Notlösung in der Wohnkrise

Silicon Valley: Wohnmobile als Notlösung in der Wohnkrise

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Im Herzen des technologischen Fortschritts, dem Silicon Valley, kämpfen Tausende von Menschen mit einer akuten Wohnraumkrise. Steigende Mieten und ein chronischer Mangel an bezahlbaren Wohnungen drängen selbst Vollzeitbeschäftigte in eine ungewöhnliche Notlösung: das Leben in Wohnmobilen. Diese Entwicklung hat sich in den letzten Jahren dramatisch beschleunigt und wirft ein Schlaglicht auf die sozialen Ungleichheiten in einer der reichsten Regionen der Welt.

Die Wohnkrise im Silicon Valley

Die Zahl der Menschen, die in Kalifornien in Fahrzeugen leben, ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Im Santa Clara County, der Heimat von Tech-Giganten wie Apple und Google und acht der 50 teuersten Postleitzahlen Amerikas, hat sich der Anteil der obdachlosen Personen, die in Fahrzeugen schlafen, seit der Pandemie mehr als verdoppelt: von 18 % im Jahr 2019 auf 37 % im Jahr 2025. Kalifornien beherbergt fast ein Viertel der obdachlosen Bevölkerung der Nation, obwohl es nur 12 % der Gesamtbevölkerung ausmacht. Experten zufolge benötigt der Staat laut einer Schätzung von McKinsey bis zu 3,5 Millionen weitere Wohnungen, um die Nachfrage zu decken.

Adrian Covert, Senior Vice President für öffentliche Politik beim Bay Area Council, einem überparteilichen Think Tank, fasst die Situation zusammen: "In Kalifornien ist die Wahrscheinlichkeit, obdachlos zu werden, höher als in fast jedem anderen Bundesstaat. Und wenn man obdachlos wird, ist die Wahrscheinlichkeit, auf der Straße statt in einem Obdach zu landen, höher als in fast jedem anderen Bundesstaat." Viele Menschen greifen auf Wohnmobile zurück, da diese ein Maß an Autonomie bieten, das Notunterkünfte und die Straße nicht bieten können. Salena Alvarez, die seit anderthalb Jahren mit ihrem Freund in einem Wohnmobil lebt, berichtet: "Das Wohnmobil war viel besser. Das Auto ist kleiner... man kann nicht kochen, man kann sein Geschirr nicht spülen, man kann nicht duschen, man kann nicht auf die Toilette gehen. Man muss irgendwo hingehen."

Der Aufstieg der "Vanlords"

Mit der Verknappung traditioneller Wohnmöglichkeiten hat sich eine neue Ebene der Krise entwickelt: Selbst Fahrzeuge sind zu Mietobjekten geworden. Ein Schattenmietmarkt hat sich in der gesamten Bay Area etabliert, wo Einzelpersonen ältere Wohnmobile an Menschen mit wenigen anderen Optionen vermieten. Einige nennen diese Vermieter "Vanlords". Mieter zahlen Hunderte von Dollar pro Monat, um in einem auf einer öffentlichen Straße geparkten Fahrzeug zu schlafen. Diese Vereinbarungen kommen typischerweise ohne schriftliche Mietverträge oder Mieterschutzrechte aus.

Ein Mieter berichtete, er lebe seit etwa einem Jahr in einem Wohnmobil auf der Straße in San Francisco und teile es sich mit einem Freund für insgesamt 500 Dollar pro Monat. Sie mieten von dem Besitzer einer Reihe von Fahrzeugen im selben Block und bezeichnen es als "sicher und komfortabel", da 1.000 Dollar für die Miete eines Zimmers in einer Wohnung zu teuer seien. Gesetzgeber sehen diese Praktiken jedoch als ausbeuterisch an. David Cohen, Stadtrat in San Jose, der eine Gesetzgebung zum Verbot dieser Praxis unterstützte, erklärte: "Das sind Leute, die unsere öffentlichen Straßen für Einnahmen nutzen, um Geld zu verdienen, ohne jegliche Genehmigung oder Verfahren, um sicherzustellen, dass sie Regeln bezüglich des Zustands der Wohnmobile oder der Rechte der Mieter einhalten." Trotz der Bemühungen, gegen "Vanlords" vorzugehen, bleibt der Untergrundmarkt bestehen.

Sanfte Ansätze: Sichere Stellplätze

Angesichts der anhaltenden Herausforderungen suchen die Behörden nach Alternativen. In einer Industriegegend von San Jose hat die Stadt einen leeren Parkplatz in einen sogenannten "sicheren Stellplatz" umgewandelt. Der Berryessa Supportive Parking Site, betrieben von einer lokalen Non-Profit-Organisation und finanziert durch einen städtischen Zuschuss, bietet Platz für 86 Wohnmobile und ist laut WeHope, der betreibenden Obdachlosenorganisation, eine der größten Einrichtungen dieser Art in Kalifornien. Der Park wurde 2025 eröffnet und hat eine durchgehend volle Warteliste.

Salena Alvarez ist eine der Bewohnerinnen dieses Parks. Im Zentrum des 6 Hektar großen Geländes befinden sich Duschen, Waschmaschinen und ein Büro, in dem Sozialarbeiter mit den Bewohnern zusammenarbeiten, um ihnen bei der Wohnungssuche zu helfen. Die Zusammenarbeit mit dem System – das Ziel, aus den Wohnmobilen in traditionellen Wohnraum zu ziehen – ist eine Voraussetzung für das Leben im Park. Die Stadt rechnet mit Kosten von 24 Millionen Dollar über einen Zeitraum von fünf Jahren für den Betrieb des Standorts und die angebotenen Dienstleistungen. Die Standortmanagerin Victoria Garibaldi von WeHOPE hat seit der Eröffnung über 40 Menschen in Wohnungen vermittelt. Sie betont: "Wir wollen, dass sie ihre eigenen Wohnungen haben. Dies ist keine dauerhafte Lösung für das Wohnungsproblem."

Herausforderungen und Alternativen

Obwohl San Jose mit seinen zwei sicheren Stellplätzen insgesamt 128 Plätze anbietet, übersteigt der Bedarf das Angebot bei Weitem, da schätzungsweise fast 1.000 Menschen innerhalb der Stadtgrenzen in Fahrzeugen leben. Andere Städte in der Bay Area haben ähnliche Ideen versucht, stießen jedoch auf mehr Widerstand. San Francisco richtete 2022 einen sicheren Stellplatz ein, der ursprünglich für bis zu 150 Fahrzeuge ausgelegt war. Das Programm erreichte jedoch nie diese Größenordnung und beherbergte laut dem San Francisco Chronicle auf seinem Höhepunkt nur etwa 35 Fahrzeuge. Infrastrukturelle Herausforderungen, einschließlich eines Mangels an Strom vor Ort, zwangen die Stadt, auf Dieselgeneratoren zurückzugreifen, was zu Beschwerden von Anwohnern und einer Klage führte. Die Stadt stellte den Betrieb des Standorts schließlich ein, unter Berufung auf Kosten- und Betriebsschwierigkeiten.

Heute wird der möglicherweise einzige ausgewiesene Wohnmobil-Stellplatz in San Francisco privat betrieben. Der Candlestick RV Park, einst eine kostengünstige Option für Touristen, ist zunehmend zur Heimat von Langzeitbewohnern geworden, von denen viele arbeiten, aber nicht über die Ersparnisse oder die Kreditwürdigkeit verfügen, um einen traditionellen Mietvertrag abzuschließen. Tsin Fung, der Parkmanager seit 1993, erklärt: "Wir haben uns im Wesentlichen von einem Touristenpark zu einem Langzeitpark entwickelt, hauptsächlich aufgrund der Auswirkungen der Pandemie." Der Preis für einen Stellplatz, der Wasser, Strom, Abwasseranschlüsse und Bäder umfasst, beträgt 2.500 Dollar pro Monat, nachdem der Satz für neue Mieter kürzlich von 2.000 Dollar pro Monat erhöht wurde. Fung bemerkt auch, dass ihm bekannt ist, dass einige Mieter ihre Wohnmobile von Personen außerhalb des Parks mieten, in sogenannten "Vanlording"-Situationen.

Super Bowl und die Schattenseiten der Optik

Die Wohnraumkrise im Silicon Valley wird zusätzlich durch Großereignisse wie den Super Bowl LX verschärft, der im Levi’s Stadium in Santa Clara stattfindet. Während Zehntausende von Football-Fans erwartet werden, die die Bay Area überfluten, um das Spiel zwischen den Seattle Seahawks und den New England Patriots zu erleben, werden die obdachlosen Gemeinschaften der Region weiter an den Rand gedrängt. San Jose versucht, Touristen anzuziehen, doch die "sanitäre Optik" des Super Bowls geht oft auf Kosten der Sichtbarkeit der Obdachlosen.

Todd Langton, Geschäftsführer von Agape Silicon Valley, einer Freiwilligenorganisation für Obdachlose in San Jose, kommentiert: "Es geht nur um die Optik. Es geht darum, vom sauberen Flughafen zum schönen Stadion zu gelangen und die Restaurants und Hotels in der Innenstadt zu besuchen." Diese "sanitäre Optik" hat in der Vergangenheit immer wieder zur Vertreibung Tausender Obdachloser in den Gastgeberstädten geführt. So ordnete Louisiana im vergangenen Jahr eine Notstandsverordnung an, um Menschen, die auf den Straßen in der Nähe des Superdome lebten, vor dem Super Bowl LIX in New Orleans umzusiedeln. Ähnliche "Obdachlosen-Sweeps" gab es bereits 2022 in Los Angeles und 2019 in Atlanta. Selbst San Francisco stand 2016, als inoffizielle Gastgeberstadt des Super Bowl 50, in der Kritik, weil es obdachlose Gemeinschaften vertrieben hatte, insbesondere in der Nähe des Moscone Centers, dem Epizentrum der "Super Bowl City"-Feierlichkeiten.

Ein Umdenken ist gefragt

Adrian Covert vom Bay Area Council ist der Ansicht, dass der Wohnungsbau allein die Lücke nicht schnell genug schließen kann. Er kritisiert die jahrzehntelange "Feindseligkeit von lokalen Regierungen im ganzen Staat – ja, im ganzen Land – gegenüber Mobilheim- und Wohnmobilparks". Diese seien als "Schandfleck" angesehen worden. Doch diese Haltung führe nicht dazu, dass Menschen mit geringem Einkommen einfach verschwinden. Stattdessen plädiert er dafür, gut verwaltete Wohnmobilparks als Teil der regionalen Wohnungsstrategie neu zu bewerten. "Es ist unwahrscheinlich, dass wir kurzfristig genügend Übergangs- oder Zwischenwohnungen haben werden, um alle Menschen in feste Unterkünfte zu bringen", so Covert. Ein Umdenken in der Kommunalpolitik ist daher dringend erforderlich, um langfristige und menschenwürdige Lösungen für die Wohnraumkrise im Silicon Valley zu finden.

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