
Singapur: 5,7% BIP-Sprung im Q4 2025 – Fertigungssektor treibt Wachstum an
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Singapurs Wirtschaft hat im vierten Quartal 2025 ein beeindruckendes Wachstum von 5,7 Prozent verzeichnet und damit die Erwartungen übertroffen. Angetrieben wurde dieser Aufschwung maßgeblich durch einen starken Fertigungssektor. Premierminister Lawrence Wong warnte jedoch, dass die Aufrechterhaltung dieses Tempos angesichts globaler Unsicherheiten eine Herausforderung bleiben wird.
Singapurs Wirtschaftswachstum 2025 übertrifft Erwartungen
Die Wirtschaft Singapurs expandierte im vierten Quartal 2025 um 5,7 Prozent im Jahresvergleich. Dies übertraf die revidierte Wachstumsrate von 4,3 Prozent im Vorquartal und führte zu einem Gesamt-BIP-Wachstum von 4,8 Prozent für das gesamte Jahr 2025. Premierminister Lawrence Wong verkündete diese Zahlen in seiner Neujahrsbotschaft am 31. Dezember und bezeichnete das Ergebnis als "besser als erwartet, angesichts der Umstände".
Das Wachstum von 4,8 Prozent für 2025 übertraf die im November prognostizierte Schätzung des Ministeriums für Handel und Industrie (MTI) von "rund 4 Prozent" sowie die 4,1 Prozent, die von Ökonomen des Privatsektors und der Monetary Authority of Singapore (MAS) erwartet wurden. Es übertraf auch das Wachstum von 4,4 Prozent im Jahr 2024. Im Jahr 2024 verzeichnete Singapur ein Wirtschaftswachstum von 4 Prozent, ebenfalls über den offiziellen Prognosen von "rund 3,5 Prozent", mit einem Wachstum von 4,3 Prozent im vierten Quartal 2024. Dies war das höchste Wachstum seit 2021, ausgenommen den Post-COVID-19-Pandemie-Aufschwung.
Fertigungssektor als Haupttreiber
Der Fertigungssektor war 2025 ein entscheidender Motor für das Wirtschaftswachstum Singapurs. Er verzeichnete im vierten Quartal 2025 eine Expansion von 15 Prozent, ein deutlicher Anstieg gegenüber den 4,9 Prozent im dritten Quartal. Dieses Wachstum wurde hauptsächlich durch die Cluster der biomedizinischen Fertigung und der Elektronik vorangetrieben.
Der Sektor profitierte von einem Anstieg der Nachfrage nach Halbleitern und Elektronik, der durch den Boom der Künstlichen Intelligenz (KI) ausgelöst wurde. Die Fertigungsindustrie macht etwa 20 Prozent des BIP des Stadtstaates aus. Im vierten Quartal 2024 wuchs der Fertigungssektor um 4,2 Prozent, nach einem Anstieg von 11,1 Prozent im dritten Quartal 2024. Für das Gesamtjahr 2024 betrug das Wachstum des Sektors 3,5 Prozent. Auch der Bau- und Dienstleistungssektor trugen 2024 zum Wachstum bei, mit 5,9 Prozent bzw. 4,3 Prozent im vierten Quartal.
Herausforderungen und globale Spannungen
Trotz des starken Wachstums warnte Premierminister Wong, dass die Aufrechterhaltung des aktuellen Tempos eine Herausforderung sein wird. Er betonte, dass fragmentierte Handelsbeziehungen und geopolitische Spannungen dauerhafte Merkmale einer zersplitterten Welt sind. Singapur, als kleine und offene Volkswirtschaft, könne sich diesen externen Hindernissen nicht vollständig entziehen.
Zu den genannten Risiken gehören Handelszölle, die von der US-Regierung unter Präsident Donald Trump im April 2025 gegen zahlreiche Länder verhängt wurden. Obwohl Singapur seit 2004 ein Freihandelsabkommen mit den USA hat, wurde es mit einem Basiszoll von 10 Prozent belegt. Wong kommentierte damals, "dies sind keine Maßnahmen, die man einem Freund antut". Bereits im April 2025 hatte das Land vor einem möglichen Nullwachstum gewarnt und die Geldpolitik im Jahr 2025 zweimal gelockert, um sich auf eine Verlangsamung vorzubereiten.
Globale Konflikte wie die Kriege im Nahen Osten und in der Ukraine tragen ebenfalls zu den Unsicherheiten bei. Obwohl die globale Inflation moderiert hat, sind die Preisniveaus noch nicht auf dem Vorkrisenniveau. Premierminister Wong kündigte gezielte Hilfen für ältere Menschen und einkommensschwächere Gruppen an, um die steigenden Lebenshaltungskosten zu bewältigen. Er hob hervor, dass in Singapur die Löhne der meisten Arbeitnehmer die Inflation übertroffen haben und das Land nicht unter Arbeitslosigkeit und stagnierenden Löhnen leidet, wie es in vielen entwickelten Ländern der Fall ist.
Strategische Neuausrichtung und Talentförderung
Um wettbewerbsfähig zu bleiben, betonte Premierminister Wong die Notwendigkeit, die Wirtschaftsstrategien zu überdenken, neu auszurichten und zu erneuern. Sein Stellvertreter Gan Kim Yong, der Minister für Handel und Industrie, leitet ein Team jüngerer politischer Amtsträger bei diesen Bemühungen. Erste Vorschläge werden in Kürze erwartet, und die Regierung wird im Rahmen des Haushalts 2026 darauf reagieren.
Singapur wurde 2025 im Global Talent Competitiveness Index von INSEAD und Portulans Institute als Spitzenreiter eingestuft, was die Bedeutung von Talent und Humankapital unterstreicht. Die globale Wirtschaftslandschaft erlebt grundlegende Veränderungen:
- Wirtschaftliche Souveränität hat die Freimarkt-Globalisierung als dominierendes Paradigma abgelöst.
- Technologischer Wettbewerb, insbesondere in den Bereichen Künstliche Intelligenz und Halbleiter, ist untrennbar mit der nationalen Sicherheit verbunden.
- Die Geopolitik der Ressourcen, konzentriert auf kritische Mineralien und Energie, definiert die strategische Hebelwirkung von Nationen neu.
Diese Entwicklungen führen dazu, dass fast 75 Prozent der CEOs Teile ihrer Produktion im Verkaufsland lokalisieren und über die Hälfte ihre Lieferketten neu organisieren, um bestimmte regionale Blöcke zu bedienen. Die BRICS-Gruppe, die auf elf Mitglieder erweitert wurde, macht mittlerweile 40 Prozent der Weltwirtschaft nach Kaufkraftparität aus, mit Prognosen von 41 Prozent für 2025.
Ausblick für 2026 und darüber hinaus
Das Ministerium für Handel und Industrie (MTI) erwartet für 2026 ein Wirtschaftswachstum von 1 bis 3 Prozent. Bereits im November 2024 hatte das MTI für 2025 ein Wachstum in diesem Bereich prognostiziert. Ökonomen sehen für 2026 ein anspruchsvolleres Umfeld. Selena Ling, Chefökonomin der OCBC Bank, senkte ihre BIP-Wachstumsprognose für 2026 von 2,7 Prozent auf 2,2 Prozent im Jahresvergleich, unter Verweis auf externe Gegenwinde wie die erwarteten "Trump 2.0"-Zölle, die strategische Rivalität zwischen den USA und China sowie geopolitische Spannungen.
Jonathan Koh, Ökonom bei Standard Chartered Bank, prognostiziert für 2026 ein Wachstum von 2,5 Prozent, warnt jedoch vor den Auswirkungen eines unsicheren globalen Handelsausblicks auf handelsabhängige Volkswirtschaften wie Singapur. Chua Han Teng von der DBS Bank hält an seiner Prognose von 2,8 Prozent für 2026 fest, weist aber auf erhebliche Abwärtsrisiken und Unsicherheiten hin. Der nächste wichtige Termin ist der Haushalt 2026 am 18. Februar, bei dem hohe Erwartungen an Hilfen zur Bewältigung der Lebenshaltungskosten und zur Sicherung von Arbeitsplätzen bestehen.