
Singapurs Schlüsselrolle in Pax Silica: KI-Lieferketten neu geordnet
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Die USA haben mit der neuen Pax Silica Erklärung einen exklusiven Kreis vertrauenswürdiger Partner im KI-Sektor geschaffen, um die globalen Lieferketten zu sichern. Auffällig ist, dass Singapur als einziges südostasiatisches Land Teil dieses "inneren Kreises" ist, obwohl die Handelsbeziehungen zu anderen ASEAN-Staaten wie Thailand, Malaysia und Vietnam vertieft werden. Diese strategische Allianz unterstreicht die wachsende Bedeutung physischer Ressourcen und Lieferketten in der globalen KI-Rüstung.
Singapur als "vertrauenswürdiger Knotenpunkt"
Singapur wird von den USA als ein "vertrauenswürdiger Knotenpunkt" angesehen, der entscheidend für die Verankerung von KI-Lieferketten ist, so Ruben Durante, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der National University of Singapore (NUS). Das Land zeichnet sich durch starke Governance, regulatorische Glaubwürdigkeit, entwickelte Kapitalmärkte, Logistik sowie fortschrittliche Rechenzentrums- und Konnektivitätsinfrastruktur aus. Diese Faktoren machen es zu einem idealen Partner in Washingtons Bestreben, die KI-Lieferkette zu stärken.
Die Geschichte Singapurs mit der Chip-Produktion reicht weit zurück: Bereits 1968 eröffnete National Semiconductor dort eine Anlage, gefolgt von der Gründung von Chartered Semiconductor Manufacturing durch die Regierung im Jahr 1987. Heute trägt Singapur rund 10 % zur weltweiten Chip-Produktion bei. Darüber hinaus hat sich der Stadtstaat zum Ziel gesetzt, eine "KI-Nation" zu werden, indem er in Qualifizierungsprogramme investiert und die lokale KI-Entwicklung fördert. Dies hat Milliarden von Dollar an Investitionen in Cloud Computing und Datenzentren angezogen, unter anderem von Tech-Giganten wie Amazon und Google.
Die Mitgliedschaft in Pax Silica bietet Singapur, einem ressourcenarmen Stadtstaat mit einer geringeren Landfläche als New York City, erhebliche Vorteile. Atreyi Kankanhalli, Professorin für Informatik an der NUS, weist darauf hin, dass Singapur dadurch einen Platz am Tisch erhält, wenn die USA gemeinsame Projekte in der Chip-Produktion und Logistik diskutieren. Dies dient auch als Sicherheitsnetz gegen zukünftige Lieferengpässe und ermöglicht den Zugang zu den neuesten KI-Technologien.
Die strategische Bedeutung von Halbleitern und KI-Lieferketten
Der globale Wettbewerb um die Vorherrschaft in der Künstlichen Intelligenz wird zunehmend durch die Kontrolle über physische Ressourcen und Lieferketten bestimmt. Sowohl die USA als auch China versuchen, ihre Dominanz in bestimmten Industrien gegeneinander auszuspielen. Seit 2022 haben die USA den Verkauf fortschrittlicher Prozessoren, die für das Training und den Betrieb von KI-Modellen unerlässlich sind, an China blockiert. Im Gegenzug hat Peking Exportkontrollen für Seltene Erden verhängt, die eine entscheidende Komponente für Halbleiter und Magnete in der KI-Lieferkette darstellen. China kontrolliert hierbei einen Großteil des Marktes und liefert 90 % der weltweit verarbeiteten Seltenen Erden und Seltenerdmagnete.
Simon Chesterman, Rechtsprofessor an der NUS und Senior Director für KI-Governance am Forschungsinstitut AI Singapore, betont: "Das KI-Rennen wird oft als Kampf um Daten oder Modelle dargestellt, aber die eigentlichen Engpässe sind zunehmend physischer Natur – Chips, Energie und Lieferketten." Die Pax Silica Initiative ist somit ein klares Signal, die Kontrolle über Technologie-Lieferketten in strategische Macht umzuwandeln und die Regeln im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz mitzugestalten.
Die Mitglieder des Pax Silica "inneren Kreises"
Neben Singapur umfasst die Pax Silica Vereinbarung weitere enge Verbündete der USA: Japan, Südkorea, Australien, das Vereinigte Königreich und Israel. Jedes dieser Länder bringt spezifische Stärken in die Allianz ein, um die KI-Lieferkette zu sichern und zu stärken.
- Japan und Südkorea: Diese Nationen sind Anker der fortschrittlichen Halbleiterfertigung, wie Ruben Durante von der NUS erklärt.
- Australien: Das Land ist zentral für kritische Mineralien, die für die Produktion von Halbleitern unerlässlich sind.
- Vereinigtes Königreich: Es trägt zur Festlegung von Standards und zur Abstimmung der Geheimdienstinformationen bei.
- Israel: Israel bringt hochmoderne KI- und verteidigungsbezogene Innovationen in die Partnerschaft ein.
Diese Gruppe bildet den Kern der Initiative, um eine frühe Koordination bei sensiblen Themen zu ermöglichen und vertrauenswürdigen Zugang über die gesamte KI-Wertschöpfungskette zu sichern.
Potenzielle Erweiterung und die Rolle anderer Nationen
Experten gehen davon aus, dass sich der "innere Kreis" der USA im Bereich KI bald erweitern wird. Ruben Durante von der NUS argumentiert, dass eine kleine Gründungsgruppe die frühe Koordination bei sensiblen Themen erleichtern wird. Länder wie die Niederlande und die Vereinigten Arabischen Emirate waren bereits an ersten Diskussionen über Pax Silica beteiligt und werden von Durante als ein "äußerer Ring" von Mitwirkenden betrachtet, auch wenn sie noch nicht vollständig mit den USA abgestimmt sind.
Eine Erweiterung wird davon abhängen, ob Pax Silica konkrete Mechanismen wie Finanzierung, Standards oder Beschaffungskoordination entwickelt, so Durante. Die wahrscheinlichsten Kandidaten für eine Aufnahme sind Länder, die industrielle Relevanz mit der Bereitschaft zur Abstimmung bei wirtschafts- und sicherheitspolitischen Prioritäten verbinden.
Andere südostasiatische Länder könnten zwar letztendlich wichtige Knotenpunkte in der KI-Lieferkette werden, stehen aber noch vor Herausforderungen wie mangelnder Infrastruktur und einer dezentralen Talentbasis, erklärt Anant Shivraj, Managing Director und Partner bei der Boston Consulting Group (BCG). Dennoch streben Länder wie Vietnam und Malaysia danach, wichtige regionale Zentren zu werden, insbesondere in den Bereichen Halbleiter und Datenzentren. Shivraj merkt an, dass die erste Welle von Pax Silica sich auf Länder konzentriert, die langfristige Kontrolle, Governance und Sicherheit über den gesamten KI-Stack verankern können, aber der Kreis sich durchaus erweitern könnte.
Indien ist nicht Teil der anfänglichen Gruppierung, spielt aber im Halbleiterbereich eine wichtige Rolle. Fast 20 Prozent der weltweiten Chip-Design-Ingenieure sind in Indien ansässig, und globale Firmen betreiben dort große Designzentren. Die indische Regierung hat zudem zehn Halbleiterprojekte genehmigt, die sich auf ausgelagerte Montage und Tests (OSAT) sowie fortschrittliche Verpackung konzentrieren. Die Frage für Indien ist, ob es schnell genug die Lieferkettenleiter erklimmt, um als Partner statt als Kunde behandelt zu werden.