
Snap CEO Spiegel warnt: KI-Widerstand wird massiv unterschätzt
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Evan Spiegel, CEO von Snap, warnt die Tech-Branche davor, den wachsenden gesellschaftlichen Widerstand gegen Künstliche Intelligenz (KI) massiv zu unterschätzen. Während Big Tech Milliarden in KI investiert und die Technologie immer stärker in Produkte integriert, zeigt die öffentliche Meinung eine deutliche Skepsis gegenüber den Auswirkungen auf Arbeitsplätze und Energiekosten.
Spiegel warnt vor gesellschaftlichem Widerstand gegen KI
Evan Spiegel äußerte sich kürzlich in einer Episode von „Lenny’s Podcast“ kritisch zur Haltung vieler Technologie-Führungskräfte. Er betonte, dass diese davon ausgingen, dass Menschen neue Technologien blind übernehmen würden, und prognostizierte eine Zeit erheblichen gesellschaftlichen Widerstands gegen die Veränderungen durch KI. Spiegel, dessen Unternehmen Snap selbst stark auf KI setzt, mit einer Milliarde monatlicher Nutzer, sieht die Akzeptanz der Technologie stark von menschlichem Komfort und gesellschaftlicher Zustimmung abhängig.
Er hob hervor, dass die Menschheit weitaus wichtiger sei als technologische Entwicklungen, da sie die Adoption von Technologie diktiere. Spiegel forderte, dass die Branche und die Welt insgesamt die Menschheit an erste Stelle setzen und sicherstellen müssten, dass die entwickelten Tools sowohl menschliche als auch geschäftliche Ziele voranbringen. Gleichzeitig räumte er ein, dass Tech-Führungskräfte in einer schwierigen Lage seien, da sie einerseits vor Gefahren warnen, andererseits aber keine Panik verbreiten wollten.
Ambivalente öffentliche Meinung zur Künstlichen Intelligenz
Die Bedenken Spiegels spiegeln sich in aktuellen Umfragen wider. Eine im März veröffentlichte NBC News-Umfrage unter 1.000 registrierten Wählern ergab, dass nur 26 % eine positive Einstellung zu KI hatten, während 46 % eine negative Ansicht vertraten. Damit war KI nur beliebter als die Demokratische Partei und der Iran.
Auch Sam Altman, CEO von OpenAI, räumte im März ein, dass KI zum "Schreckgespenst" geworden sei und ihre Popularität in den USA abnehme. Er führte die Ablehnung auf die Verbindung von Rechenzentren mit steigenden Stromrechnungen sowie auf weit verbreitete Entlassungen zurück, die Arbeitgeber der KI zuschreiben, "ob es nun wirklich um KI geht oder nicht".
Die Rolle von KI bei Snap: Innovation und Umstrukturierung
Trotz dieser Warnungen investiert Snap weiterhin massiv in KI. Das Unternehmen führte kürzlich AI Sponsored Snaps ein, ein Werbetool, das Nutzern ermöglicht, mit KI-Bots von Marken zu interagieren. Bereits im Februar 2023 startete Snap seinen Chatbot „My AI“, und Spiegel bezeichnete KI als "wahrscheinlich das Beste, was dem Unternehmen je passiert ist". Aktuell schreibt KI zwei Drittel des Codes von Snap.
Diese Strategie scheint sich auszuzahlen: Snap verzeichnete im letzten Quartal 2025 ein Abonnentenwachstum von 71 % im Jahresvergleich und zählt nun über 25 Millionen zahlende Abonnenten. Der Umsatz stieg 2025 um 11 % auf 5,9 Milliarden US-Dollar. Im November sicherte sich Snap zudem eine mehrjährige Vereinbarung über 400 Millionen US-Dollar mit Perplexity AI für ein neues Suchtool.
Parallel zu dieser technologischen Expansion gab Snap im April bekannt, rund 1.000 Stellen, etwa 16 % der Vollzeitbelegschaft, abzubauen und 300 geplante Neueinstellungen zu streichen. In einem internen Memo führte Spiegel diese Entlassungen auf Effizienzgewinne durch KI zurück und betonte, wie kleine Teams KI-Tools nutzen, um Fortschritte zu erzielen.
Sorgen um Arbeitsplätze und Regulierung
Die Angst vor Arbeitsplatzverlusten durch KI ist weit verbreitet. Der "2026 AI Index Report" des Stanford Institute for Human-Centered Artificial Intelligence zeigte, dass fast zwei Drittel der Amerikaner glauben, dass KI in den nächsten 20 Jahren zu weniger Arbeitsplätzen führen wird, während nur 5 % eine Zunahme erwarten.
Zudem besteht ein erhebliches Misstrauen in die Fähigkeit der US-Regierung, KI zu regulieren. Die USA wiesen hier die niedrigsten Vertrauenswerte auf, wobei weniger als ein Drittel der Teilnehmer Vertrauen bekundete, verglichen mit einem Durchschnitt von 54 % in allen Ländern. Führungspersönlichkeiten wie Anthropic CEO Dario Amodei und der "Godfather of AI" Geoffrey Hinton haben die Notwendigkeit strengerer Leitplanken für die Technologie betont, um Risiken wie Cyberangriffe oder eine KI-Übernahme zu minimieren.
Ein Dilemma für Tech-Führungskräfte
Trotz der massiven Investitionen von 700 Milliarden US-Dollar in KI durch Big Tech und einer wachsenden Nutzerbasis – 57 % der Amerikaner nutzen die Technologie, und 40 % nutzen generative KI häufiger als vor einem Jahr, so ein Bericht des Brookings Institute – wächst das Bewusstsein der CEOs für die öffentliche Stimmung. Spiegel fasste das Dilemma zusammen: Einerseits sei die Technologie "wirklich gefährlich" und die Menschen müssten dies wissen, da sich die Dinge schnell entwickelten. Andererseits sei es eine Herausforderung, "nicht einfach alle in Panik zu versetzen und alle so ängstlich zu machen, wohin die Reise geht".