
Software-CEOs: KI ist Chance, nicht Apokalypse für die Branche
ℹKeine Anlageberatung • Nur zu Informationszwecken
Die Befürchtung, dass Künstliche Intelligenz (KI) die traditionelle Softwarebranche, insbesondere das Software-as-a-Service (SaaS)-Modell, obsolet machen könnte, hat den Markt in jüngster Zeit stark verunsichert. Doch führende Köpfe der Industrie, darunter Jason Kurtz von Basware und Matt Garman von AWS, sehen die Situation differenzierter. Sie betonen, dass KI zwar eine disruptive Kraft ist, aber vielmehr eine Notwendigkeit zur Innovation darstellt, anstatt das Ende der Softwareära einzuläuten.
KI-Apokalypse für Softwareunternehmen? CEOs widersprechen
Während einige KI-Experten und die Entwicklung an den Aktienmärkten das Ende der Softwareunternehmen nahelegen, widerspricht Jason Kurtz, CEO von Basware, einem Anbieter von Software für Finanzprozesse, dieser Ansicht vehement. „Es gibt nicht ein einziges Datum, das wir sehen, das dies besagt“, so Kurtz. Er berichtet, dass kein Kunde geäußert habe, Finanzprozesse eigenständig mit OpenAI oder ähnlichen Tools abwickeln zu wollen.
Basware, das rund 6.500 Kunden wie Mercedes und Heineken zählt und selbst KI in seinen Produkten einsetzt, fühlt sich bisher nicht bedroht. Das Unternehmen verzeichnete 2025 einen Umsatzanstieg von 20 % im Jahresvergleich, hauptsächlich getragen durch ein starkes zweites Halbjahr.
Marktturbulenzen und die "SaaS-Apokalypse"
Die Ängste vor einer "SaaS-Apokalypse" sind nicht unbegründet, wenn man die jüngsten Marktentwicklungen betrachtet. Nach der Einführung neuer KI-Lösungen, wie Anthropic’s Claude Cowork Tool, das branchenspezifische Plug-ins zur Automatisierung von Aufgaben in Bereichen wie Recht, Marketing und Vertrieb bietet, kam es zu massiven Ausverkäufen von Softwareaktien.
Der S&P 500 Software- und Dienstleistungsindex verlor in sechs aufeinanderfolgenden Tagen fast 5 % und damit 830 Milliarden US-Dollar an Marktwert. Der iShares Expanded Tech-Software Sector ETF, der Softwareaktien abbildet, verzeichnete im Jahr 2026 bisher einen Rückgang von 24 %, was die schlechteste Jahresperformance seit 2022 darstellt.
Die Sicht der Branchenführer: Innovation statt Untergang
Matt Garman, CEO von AWS, bezeichnet die Befürchtungen hinsichtlich der langfristigen Auswirkungen von KI auf die Softwarebranche als „weit übertrieben“. Er räumt jedoch ein, dass eine „riesige Disruption“ im Gange ist. Garman betont, dass KI die Art und Weise, wie Software konsumiert und gebaut wird, grundlegend verändern wird.
Er ist überzeugt, dass etablierte SaaS-Anbieter und größere Akteure einen „Vorsprung“ haben, um in diesem neuen Umfeld erfolgreich zu sein. Allerdings müssen sie „innovieren, genau wie der Rest der Welt. Sie können nicht stillstehen. Wenn sie stillstehen, werden sie absolut disruptiert werden.“ Auch Nvidia-CEO Jensen Huang wies die Idee, dass KI die Softwarebranche obsolet machen könnte, als „das unlogischste der Welt“ zurück.
Warum KI Software nicht "frisst", sondern integriert
Die technische Argumentation gegen die Verdrängungstheorie basiert auf der „Datengravitation“ und der Komplexität von Workflows. Große Unternehmen verlassen sich auf etablierte Systemlandschaften zur Verwaltung von Governance, Compliance und strukturierten Daten. Jason Kurtz von Basware erklärt: „Die Idee, dass KI Software ersetzen wird, ist einfach nicht zutreffend. KI kann nichts ersetzen, das nicht stirbt. Stattdessen muss KI in Software eingebettet werden.“
KI sei auf Workflows, Benutzererfahrung, saubere Daten und Kontext angewiesen – all das existiert innerhalb von Unternehmenssoftware-Systemen. Nitin Rakesh, CEO von Mphasis, ergänzt, dass autonome KI-Agenten zwar disruptive Werkzeuge sind, aber ohne Unternehmenskontakt und technische Tiefe keine über Jahrzehnte aufgebauten Betriebsmodelle demontieren können. Unternehmen suchen nach Partnern, die KI verantwortungsvoll, ethisch und effektiv implementieren können.
Der Wert von Daten und Workflow-Integration
Basware hat in seiner 40-jährigen Geschichte 2,5 Milliarden Rechnungen und 10 Billionen Euro an Ausgaben verarbeitet. Diese riesige Datenmenge ist entscheidend, um Modelle zu trainieren und neue Effizienzen für Kunden zu identifizieren. „Wenn man keine Datenstrategie rund um KI hat und wie man diese nutzen will, um seine KI und Fähigkeiten zu differenzieren, wird das eine Herausforderung sein“, so Kurtz.
Basware arbeitet primär mit AWS zusammen, um seine KI-Tools zu entwickeln, und beschäftigt einen „KI-Zar“, um die Branche zu überwachen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die enge Integration mit anderen Anbietern, um Teil des Kunden-Workflows zu werden. Dies schafft eine „Klebrigkeit“, die Kurtz als essenziell für den Schutz des Unternehmens ansieht.
Fazit: Anpassung ist der Schlüssel
Die Botschaft der Branchenführer ist klar: KI wird die Softwarebranche nicht zerstören, sondern transformieren. Unternehmen, die sich anpassen, innovieren und KI in ihre bestehenden Systeme und Workflows integrieren, werden weiterhin erfolgreich sein. Kunden suchen nach konkreten Ergebnissen und Einsparungen, nicht nach Experimenten.
Ein Digital Transformation Officer eines großen europäischen Unternehmens berichtete Kurtz, dass er nach Investitionen von rund einer Million Euro in interne KI-Projekte im Finanzbereich über ein Jahr hinweg „keinen einzigen Cent“ an Einsparungen oder Geschäftsvorteilen nachweisen konnte. Er wünschte sich stattdessen Partner, die wissen, wie man KI in Prozesse und Workflows integriert. Dies unterstreicht, dass der Fokus auf den praktischen Nutzen und die nahtlose Integration von KI entscheidend ist.