
Super Micro Computer: Mitbegründer wegen AI-Chip-Schmuggels verhaftet
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Super Micro Computer erlebt erneut turbulente Zeiten: Der Aktienkurs des AI-Hardware-Spezialisten brach nach Berichten über die Verhaftung eines Mitbegründers wegen illegaler Chip-Lieferungen nach China massiv ein. Die Vorwürfe betreffen einen Schmuggelring, der fortschrittliche US-Technologie im Wert von Milliarden Dollar unter Umgehung von Exportkontrollen nach Asien gebracht haben soll.
Schwerer Schlag für Super Micro Computer
Die Aktie von Super Micro Computer (SMCI) stürzte am Freitag um 27 Prozent ab, nachdem sie im vorbörslichen Handel bereits um 22 Prozent gefallen war. Dieser massive Kursrückgang löschte fast 5 Milliarden US-Dollar des Marktwertes des Unternehmens aus, das zu diesem Zeitpunkt mit rund 18,5 Milliarden US-Dollar bewertet wurde. Trotz eines Jahresgewinns von 5 Prozent ist der Kurs in den letzten 12 Monaten um 23 Prozent gesunken.
Der Absturz erfolgte nach Berichten über die Verhaftung von Yih-Shyan "Wally" Liaw, einem Mitbegründer des Unternehmens, und zwei weiteren Personen. Die Vorwürfe betreffen illegale Lieferungen von Chip-Komponenten nach China, was die Anleger stark verunsichert, obwohl Super Micro Computer selbst nicht als Angeklagter in der Anklageschrift genannt wird.
Die Vorwürfe im Detail
Yih-Shyan "Wally" Liaw wurde angeklagt, ein Schema zur illegalen Lieferung von in den USA montierten Servern, die AI-Chips von Nvidia enthalten, nach China orchestriert zu haben. Dies stellt einen direkten Verstoß gegen die seit 2022 geltenden US-Exportkontrollgesetze dar. Diese Kontrollen wurden eingeführt, um dem chinesischen Militär den Zugang zu fortschrittlicher Technologie zu verwewehren und die Entwicklung chinesischer AI zu verlangsamen.
Zwei weitere Personen, die ebenfalls mit dem Unternehmen in Verbindung stehen, sind in den Fall involviert: Ruei-Tsang "Steven" Chang, ein in Taiwan ansässiger Vertriebsleiter, der flüchtig ist, und Ting-Wei "Willy" Sun, ein Auftragnehmer, der verhaftet wurde. Super Micro Computer gab bekannt, dass das Unternehmen nach Bekanntwerden der Verhaftungen die beiden Vollzeitmitarbeiter entlassen und die Zusammenarbeit mit dem Auftragnehmer beendet hat. Das Unternehmen betonte zudem, dass es nicht als Angeklagter in der Anklageschrift genannt wird und mit den Ermittlern kooperiert hat.
Ein komplexes Schmuggelnetzwerk
Die Staatsanwaltschaft wirft den drei Beschuldigten vor, ein komplexes Netzwerk aufgebaut zu haben, um fortschrittliche AI-Technologie im Wert von mindestens 2,5 Milliarden US-Dollar nach China zu schmuggeln. Der Plan sah vor, die in den USA montierten Server über Taiwan in südostasiatische Länder zu leiten. Dort wurden die Geräte in unmarkierten Kartons neu verpackt und anschließend nach China weitergeleitet.
Um die Compliance-Teams zu täuschen, sollen Tausende nicht funktionsfähiger "Dummy"-Server für Inspektionen inszeniert worden sein, während die echten Einheiten weiterversandt wurden. Überwachungsvideos, die von den Behörden zitiert werden, zeigen angeblich, wie Arbeiter Etiketten und Seriennummern von legitimer Hardware entfernten und auf Attrappen anbrachten. Die Anklageschrift bezieht sich auf einen generischen "US-Hersteller" und erwähnt weder Super Micro Computer noch Nvidia GPUs spezifisch, obwohl Nvidia ein wichtiger Lieferant für Super Micro ist, neben Intel und Advanced Micro Devices.
Historie von Kontroversen
Dies ist nicht das erste Mal, dass Super Micro Computer mit Vorwürfen illegaler Aktivitäten oder Governance-Problemen konfrontiert wird. Bereits im Jahr 2020 wurde das Unternehmen von der US-Börsenaufsichtsbehörde (SEC) wegen Bilanzierungsverstößen angeklagt. Dazu gehörten die vorzeitige Buchung von Einnahmen und die Unterberichterstattung von Ausgaben, was zu einer Vergleichszahlung von 17,5 Millionen US-Dollar führte.
Im Jahr 2024 veröffentlichte der Short-Seller Hindenburg Research einen Bericht, in dem Super Micro Computer der Manipulation von Finanzberichten beschuldigt wurde. Auch dieser Bericht führte zu einem starken Kursrückgang der SMCI-Aktie. Die aktuelle Verwicklung in einen weiteren Skandal, der den Zugang Chinas zu hochmoderner US-Technologie betrifft, wirft erneut ernsthafte Fragen zur Unternehmensführung des einst hochfliegenden Server-Spezialisten auf.
Markt und Ausblick
Die Nachfrage nach AI-Chips hatte die Bewertung von Super Micro im Jahr 2024 auf einen Höchststand von 67 Milliarden US-Dollar getrieben. Der AI-Server-Sektor steht jedoch bereits vor Herausforderungen wie verlangsamtem Wachstum, Margendruck beim Bau teurer Server und einem sich intensivierenden Wettbewerb durch größere Akteure.
Die aktuellen Vorwürfe kommen zu einer Zeit, in der die US-Regierung und Peking in einem "AI-Wettrüsten" stehen. Die scharfe Reaktion des Marktes unterstreicht die Ängste der Anleger vor Compliance-Risiken in der hochsensiblen AI-Lieferkette. Dies könnte die Position von Super Micro Computer in einem bereits anspruchsvollen Marktumfeld zusätzlich erschweren.