
Tarife belasten Kleinunternehmen wie Lil Mama's Sweets and Treats
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Die US-Wirtschaft steht vor Herausforderungen, die sich von großen Konzernen bis hin zu kleinen Familienbetrieben erstrecken. Insbesondere Zölle und die damit verbundene Unsicherheit belasten Kleinunternehmer und Verbraucher gleichermaßen, wie das Beispiel von Katrina Golden, Gründerin von Lil Mama's Sweets and Treats, zeigt. Gleichzeitig spüren auch US-Hersteller die negativen Auswirkungen, während die Politik versucht, einen neuen Rahmen für die Zollpolitik zu finden.
Tarife belasten Kleinunternehmen wie Lil Mama's Sweets and Treats
Katrina Golden, 56, Gründerin und CEO von Lil Mama's Sweets and Treats in Augusta, Georgia, begann ihr Backgeschäft im August 2019 nach ihrer Pensionierung aus dem Staatsdienst. Das Unternehmen, das sie zunächst mit ihrer Familie führte und mittlerweile drei Mitarbeiter beschäftigt, betreibt einen Standort im Veterans Affairs Medical Center in Augusta und verkauft online.
Im Jahr 2025 bemerkte Golden einen schnellen Rückgang der Verkaufszahlen und ein extrem angespanntes Budget. Sie führt dies auf eine Kombination aus der Kryptowährung DOGE und der Unsicherheit der Menschen bezüglich ihrer Arbeitsplätze zurück, insbesondere in Augusta als Militärstadt. Obwohl die Umsätze 2025 höher waren, stiegen auch die Ausgaben, hauptsächlich aufgrund von Zöllen.
Die Zölle beeinflussten laut Golden fast alle Aspekte ihres Geschäfts. Als Bäckerei und Café kauft Lil Mama's Sweets and Treats große Mengen an Grundnahrungsmitteln wie Butter, Zucker, Mehl, Eier und Milch. Auch wenn sie so viel wie möglich von lokalen Bauern bezieht, musste beispielsweise ihre "Eier-Dame" die Preise erhöhen, da die Kosten für Tierfutter gestiegen waren. Ebenso erhöhte ihr lokaler Kaffeeröster die Preise, da er Kaffeebohnen zu Zollpreisen einkaufen musste. Auch Einwegartikel wie Gabeln und Becher, die von Überseelieferanten stammen, wurden teurer.
Um über Wasser zu bleiben, erhöhte Golden die Preise für ihre Produkte auf ihrer Webseite. Im Krankenhausvertrag sind Preisanpassungen jedoch nur begrenzt möglich, um die Produkte für Veteranen und ihre Familien erschwinglich zu halten. Die niedrigen Verkaufszahlen dort halten an, obwohl die Preise im Vergleich zu Starbucks und Dunkin' sehr wettbewerbsfähig sind.
Die wirtschaftliche Volatilität, die Golden als "Whiplash Economics" bezeichnet, erschwert die Planung erheblich. Die Unsicherheit über die Lieferkosten machte es unmöglich, Verkäufe zu prognostizieren, Veranstaltungen zu planen oder saisonal mehr Personal einzustellen. Dies führte dazu, dass Golden die Stunden in der Bäckerei kürzen musste und nun 12 bis 14 Stunden am Tag selbst backt, während sie früher Hilfe hatte. Sie kann es sich nicht leisten, eine dritte Person für das Café einzustellen.
Trotz der Herausforderungen ist Golden derzeit nicht besorgt, ihr Geschäft schließen zu müssen, da sie die Preise angepasst hat. Sie hofft, Ende 2026 oder Anfang 2027 in den Einzelhandel expandieren zu können, um die Einnahmen zu stabilisieren. Sie äußert den Wunsch, dass die Zollsituation in Ruhe gelassen wird, da Kleinunternehmen ihrer Meinung nach zum Kollateralschaden werden.
Breite Auswirkungen auf US-Verbraucher und Wirtschaft
Die Erfahrungen von Kleinunternehmern wie Katrina Golden spiegeln sich in der breiteren US-Wirtschaft wider. Eine exklusive Umfrage von Harris Poll für den Guardian, die Ende Februar durchgeführt wurde, zeigt, dass sieben von zehn Amerikanern angeben, dass die von Donald Trump eingeführten Zölle zu höheren Preisen geführt haben.
Die Umfrageergebnisse verdeutlichen eine breite negative Stimmung:
- 70 % der Amerikaner sagen, dass Trumps Zölle zu höheren Preisen geführt haben.
- 72 % aller Wähler glauben, dass die Zölle eher negative als positive Auswirkungen hatten.
- 67 % sind der Meinung, dass Zölle nicht die richtige Lösung zur Verbesserung der Wirtschaft sind.
Besonders betroffen sind die Lebensmittelpreise. 57 % der Befragten gaben an, dass Zölle die Lebensmittelpreise negativ beeinflusst haben. Die Lebensmittelpreise stiegen von Februar 2025 bis Februar 2026 um 3,1 %, was über der allgemeinen Inflationsrate liegt. Rindfleisch und Kaffee, zwei stark von Zöllen betroffene Branchen, verzeichneten im letzten Jahr enorme Preisanstiege von 14 % bzw. 18 %.
Obwohl eine Mehrheit der Wähler Trumps Zölle missbilligt, gibt es eine klare parteipolitische Spaltung. Während 81 % der Demokraten und 68 % der Unabhängigen zustimmen, dass Zölle nicht die richtige Lösung für die Wirtschaft sind, sind es bei den Republikanern nur 53 %. Republikaner sind auch optimistischer in Bezug auf die Wirtschaft insgesamt (49 % glauben, dass sie sich verbessert, verglichen mit 18 % der Demokraten und Unabhängigen) und geduldiger in Bezug auf die Zölle (80 % sind offen dafür, ob Zölle die Wirtschaft 2026 positiv beeinflussen könnten, verglichen mit 46 % der Demokraten und 53 % der Unabhängigen).
Tarife schaden auch der US-Produktion
Die Zölle, die eigentlich die amerikanische Produktion stärken sollten, haben stattdessen vielen Herstellern geschadet. Jay Allen, Inhaber von Allen Engineering Corp. in Arkansas, einem Hersteller von Industrieanlagen für Betonarbeiten, ist ein Trump-Wähler, der jedoch die negativen Auswirkungen der Zölle auf sein Geschäft erlebt hat. Die Importsteuern haben die Kosten für Motoren, Stahl, Getriebe und Kupplungen, die er für die Herstellung seiner Geräte benötigt, erhöht.
Allen berichtet, dass sein Unternehmen 2025 aufgrund der Zölle mit Verlust arbeitete. Die Mitarbeiterzahl sank von 205 auf 140. Um dieses Jahr über die Runden zu kommen, hat er die Preise um 8 % bis 10 % erhöht, was jedoch zu weniger Verkäufen führen könnte. Er äußert, dass die unbeabsichtigten Folgen der Zölle der Fertigungsindustrie im Land schaden und die arbeitende Bevölkerung unter Druck gerät.
Entgegen Trumps Argumentation, Zölle würden mehr Fabriken in den USA eröffnen und Einnahmen zur Deckung von Haushaltsdefiziten generieren, ist dies nicht eingetreten. Während Trumps ersten vollen 12 Monate im Weißen Haus gingen 98.000 Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe verloren. Amerikanische Unternehmen klagen derzeit auf Rückerstattungen von über 130 Milliarden US-Dollar an Zollgebühren. Das Bundesdefizit wird voraussichtlich im nächsten Jahrzehnt steigen.
Das Weiße Haus, vertreten durch Pierre Yared, den amtierenden Vorsitzenden des Council of Economic Advisers, argumentiert, dass es Zeit braucht, bis die Produktion anläuft und die Vorteile der Politik des Präsidenten vollständig zum Tragen kommen. Einige der positiven Entwicklungen im Baugewerbe, die vom Weißen Haus genannt werden, scheinen jedoch auf Programme zurückzuführen zu sein, die unter dem damaligen Präsidenten Joe Biden im Jahr 2022 initiiert wurden.
Rechtliche Entwicklungen und zukünftige Tarifpolitik
Die US-Zollpolitik ist derzeit von erheblicher Unsicherheit geprägt. Der Oberste Gerichtshof der USA hat im Februar die umfassendsten globalen Zölle von Präsident Donald Trump, die unter dem International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) verhängt wurden, für illegal erklärt. Dies betrifft Zolleinnahmen in Höhe von rund 166 Milliarden US-Dollar.
Die US-Zoll- und Grenzschutzbehörde (CBP) arbeitet an einem neuen System zur Rückerstattung dieser Zölle. Brandon Lord, ein Beamter der CBP, erklärte, dass die Entwicklung des neuen Portals und des Bearbeitungssystems zu 60 bis 85 Prozent abgeschlossen sei. Das System soll schrittweise eingeführt werden, wobei Einträge, die innerhalb der letzten 80 Tage liquidiert wurden oder deren Status ausgesetzt, verlängert oder überprüft wird, Priorität erhalten. Bisher haben 26.664 Importeure den Prozess für elektronische Rückerstattungen abgeschlossen, was 78 Prozent der Einträge mit IEEPA-Zöllen entspricht und sich auf 120 Milliarden US-Dollar beläuft. Insgesamt hatten über 330.000 Importeure IEEPA-Zölle auf 53 Millionen Sendungen gezahlt.
Nach der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs hat die Trump-Regierung schnell einen neuen, temporären Zoll gemäß Abschnitt 122 des Trade Act von 1974 eingeführt. Diese Zölle können jedoch nur 150 Tage lang in Kraft bleiben und 15 % nicht überschreiten, ohne weitere Maßnahmen. Dies wird als Übergangslösung betrachtet, nicht als langfristige Politik.
Ein dauerhafterer Rahmen nimmt bereits Gestalt an. Die Regierung hat umfassende Untersuchungen nach Abschnitt 301 zu strukturellen Überkapazitäten und anderen Handelspraktiken in Dutzenden von Ländern eingeleitet. Diese Untersuchungen sollen die Grundlage für dauerhaftere Zollmaßnahmen im Laufe dieses Jahres bilden. Gleichzeitig bleiben die Zölle nach Abschnitt 232 auf Stahl und Aluminium unverändert, und die Untersuchung zu Robotik und Industriemaschinen wird fortgesetzt.
Für Unternehmen, insbesondere im Bereich der Fertigungstechnologie, ist die größte Herausforderung nicht nur die Höhe der Zölle, sondern die Geschwindigkeit des Wandels und die Unsicherheit über die endgültige politische Ausrichtung. Diese Volatilität erschwert die Planung, Preisgestaltung und Wettbewerbsfähigkeit. Die Association For Manufacturing Technology (AMT) betont, dass Zölle allein nicht ausreichen, um die heimische Fertigungskapazität wieder aufzubauen und zu erweitern. Stattdessen fordern sie ein stabiles, vorhersehbares politisches Umfeld, gepaart mit Anreizen für Investitionen in fortschrittliche Technologien, Personalentwicklung und Produktionskapazitäten in den Vereinigten Staaten. Die Botschaft ist klar: Hersteller reagieren auf Planungssicherheit, die derzeit Mangelware ist.
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US-Zölle: Kleinunternehmen und Verbraucher unter Druck
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US-Zölle belasten Kleinunternehmen wie Lil Mama's Sweets and Treats durch steigende Kosten und Planungsunsicherheit. Eine Umfrage zeigt, dass 70 % der Amerikaner höhere Preise erleben. Auch US-Hersteller leiden, während die Regierung nach einem neuen, stabilen Zollrahmen sucht.
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US-Zölle wirken sich negativ auf Kleinunternehmen und Verbraucher aus. Steigende Preise für Lebensmittel und Rohstoffe belasten die Wirtschaft, während die Politik einen neuen Zollrahmen sucht.