Tech-Philanthropie im Wandel: Zuckerberg setzt auf KI, Scott auf Gleichheit

Tech-Philanthropie im Wandel: Zuckerberg setzt auf KI, Scott auf Gleichheit

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Die Philanthropie von Tech-Milliardären zeigt eine wachsende Divergenz: Während Mark Zuckerberg und die Chan Zuckerberg Initiative (CZI) ihren Fokus von sozialer Interessenvertretung auf Wissenschaft und KI-Infrastruktur verlagern, setzt MacKenzie Scott verstärkt auf Gleichheit und DEI-Initiativen. Diese Entwicklung markiert einen deutlichen Unterschied in den Spendenstrategien zweier prominenter Persönlichkeiten des Technologiesektors.

Wandel bei der Chan Zuckerberg Initiative: Fokus auf Wissenschaft und KI

Mark Zuckerbergs philanthropisches Engagement, insbesondere durch die Chan Zuckerberg Initiative (CZI), hat eine bemerkenswerte Neuausrichtung erfahren. Nach mehr als einem Jahrzehnt der Unterstützung für soziale Interessenvertretung, wie die pro-Einwanderungsgruppe FWD.us, hat CZI die Finanzierung dieser Organisation eingestellt. FWD.us war seit 2013 ein Vorzeigebeispiel für Zuckerbergs Bestreben, die Macht des Silicon Valley mit der Politik in Washington zu verbinden, um Einwanderungs- und Strafrechtsreformen voranzutreiben.

Im Jahr 2025 erhielt FWD.us erstmals keine Unterstützung mehr von Zuckerberg, seiner Frau Priscilla Chan oder ihrer Philanthropie, was das Ende einer Beziehung markierte, die mit einem Meinungsartikel im Jahr 2013 begann und Hunderte Millionen Dollar an Unterstützung umfasste. Bereits Ende 2022 begann CZI, sich von der sozialen Interessenvertretung abzuwenden und stellte FWD.us eine "grundlegende" Finanzierung zur Verfügung, um den Übergang zu ermöglichen. Die Formalisierung der Trennung erfolgte im April 2025. Laut Business Insider wird der Zeitpunkt dieser Neuausrichtung als strategische Anpassung an Zuckerbergs politische Neukalibrierung in der Trump-Ära interpretiert, in der Meta die von Konservativen kritisierten Inhaltsregeln lockerte.

CZI's neue Strategie: Infrastruktur für Forschung

Die neue Ausrichtung der Chan Zuckerberg Initiative klingt weniger nach einer traditionellen Stiftung und mehr nach einem Forschungslabor. Die Führungsebene spricht nun über GPUs statt über Gala-Dinner. Im November kündigten Zuckerberg und Chan an, dass CZI sich auf Wissenschaft und Künstliche Intelligenz (KI) konzentrieren werde. Dies beinhaltet eine verstärkte Investition in das Biohub-Netzwerk von Biologielaboren, das seit 2016 finanziert wird, und die Rekrutierung von Forschern mit dem Versprechen massiver Rechenleistung.

Während frühe CZI-Zuschüsse über Einwanderungs-, Strafjustiz- und Bildungspolitik verteilt waren, konzentriert sich die aktuelle Strategie auf den Aufbau von Infrastruktur – Daten, Werkzeuge und Modelle –, die Wissenschaftler über Jahrzehnte hinweg nutzen können. Die Wette ist, dass CZI durch die Unterstützung KI-gestützter biomedizinischer Entdeckungen und verwandter Felder langfristige, systemweite Auswirkungen erzielen kann, ohne die politische Volatilität, die mit brisanten sozialen Debatten wie Grenzpolitik oder Polizeiarbeit einhergeht.

MacKenzie Scotts Engagement für Gleichheit und DEI

Im Gegensatz dazu bewegt sich MacKenzie Scott, die Ex-Frau von Amazon-Gründer Jeff Bezos, in die entgegengesetzte Richtung. Sie engagiert sich stark für Gleichheits- und DEI-Agenden (Diversity, Equity, Inclusion), von denen sich viele Unternehmen und Universitäten unter politischem Druck zurückziehen. Allein im Jahr 2025 kündigte sie Spenden in Höhe von rund 7,1 Milliarden US-Dollar an, womit sich ihr Gesamtspendenvolumen seit 2019 auf über 26 Milliarden US-Dollar beläuft.

Ihre Spenden konzentrieren sich stark auf Historically Black Colleges and Universities (HBCUs), Stammeshochschulen, Stipendienanbieter für indigene Studenten und Organisationen, die einkommensschwache und unterrepräsentierte Studenten unterstützen. Zu ihren jüngsten Zuwendungen gehören 70 Millionen US-Dollar an den United Negro College Fund zum Aufbau gemeinsamer Stiftungen für 37 HBCUs, zig Millionen US-Dollar an Native Forward, den größten Stipendienanbieter für indigene Studenten, sowie eine Rekordsumme von 42 Millionen US-Dollar an 10.000 Degrees, eine gemeinnützige Organisation in der Bay Area, die sich auf Studenten der ersten Generation und überwiegend nicht-weiße Studenten konzentriert.

Das Modell MacKenzie Scott: Vertrauen und direkte Wirkung

Scotts Spendenmodell ist explizit vertrauensbasiert: Sie vergibt große, uneingeschränkte Schecks, beteiligt sich minimal an der öffentlichen Governance und finanziert wiederholt Organisationen, die sich auf Gleichheit konzentrieren und nachweislich dazu beitragen, Chancenlücken zu schließen. Ihr Ansatz zielt darauf ab, Institutionen zu stabilisieren und zu stärken, die von und für farbige Gemeinschaften, einkommensschwache Studenten und andere marginalisierte Gruppen geführt werden.

Sie ist zu einem der sichtbarsten Gegengewichte zum Backlash gegen DEI geworden und nutzt ihre beträchtlichen Spenden, um diese Initiativen zu unterstützen. Während CZI's Rückzug aus der Einwanderungsreform signalisiert, dass politisch exponierte Interessenvertretung für mindestens einen Silicon Valley-Titanen zu einer Belastung geworden ist, deutet Scotts Beschleunigung darauf hin, dass es weiterhin Raum und Appetit für Philanthropie gibt, die Partei ergreift im Kampf um den Zugang zu Macht, Kapital und Bildung.

Zwei Pole der Philanthropie: Technokratie versus Umverteilung

Mark Zuckerberg und MacKenzie Scott repräsentieren somit zwei unterschiedliche Pole der Philanthropie. Die Chan Zuckerberg Initiative baut eine kapitalintensive Plattform für Wissenschaft und KI auf, in der Hoffnung, dass Durchbrüche in Biologie und Informatik der Gesellschaft letztendlich in großem Maßstab zugutekommen werden, auch wenn der Weg indirekt ist und die Begünstigten diffus sind. Dies kann als ein Modell der technokratischen Infrastruktur-Philanthropie beschrieben werden.

MacKenzie Scott hingegen hat sich zu einer Verfechterin der umverteilenden Gleichheit entwickelt. Sie nutzt ihre Spenden, um Institutionen zu stärken, die historisch von Macht und Reichtum ausgeschlossenen Gemeinschaften dienen. Ihr Ansatz ist direkter und zielt darauf ab, Chancenlücken zu schließen und marginalisierte Gruppen zu unterstützen. Diese Divergenz zeigt, wie Tech-Milliardäre ihre Ressourcen einsetzen, um unterschiedliche Visionen für gesellschaftlichen Wandel zu verfolgen.

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