
Tesla: Das "Prove-it"-Jahr für Autonomie, Robotaxis und neue Produkte
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Tesla steht in diesem Jahr vor einer Reihe selbst auferlegter Fristen, die maßgeblich mit der Skalierung seiner autonomen Technologie zusammenhängen. Elon Musk hat das vergangene Jahr damit verbracht, eine Welle neuer Hard- und Software anzukündigen, die Teslas Zukunft definieren sollen, und postete am 1. Januar auf X, dass "2026 etwas Besonderes sein wird."
Die Wette auf die Autonomie: Robotaxis im Fokus
Im Juni 2025 startete Tesla seinen selbstfahrenden Taxidienst in begrenzter Form. Model Ys und Model 3s beförderten Passagiere in Austin, Texas, zunächst mit sogenannten "Sicherheitsfahrern" auf dem Beifahrersitz. Derzeit sind die Robotaxis in Phoenix, San Francisco, Los Angeles, Austin und Atlanta unterwegs.
Seth Goldstein, Analyst bei Morningstar, der Tesla genau beobachtet, sieht 2026 als das "Prove-it"-Jahr für Teslas Robotaxi-Geschäft. Er erwartet, dass dies der Haupttreiber für Tesla in diesem Jahr sein wird. Goldstein beobachtet genau, wo Regulierungsbehörden den Betrieb von Teslas selbstfahrenden Fahrzeugen zulassen und ob das Unternehmen genügend Vertrauen in seine Technologie gewinnt, um die Sicherheitsfahrer vollständig zu entfernen.
Cybercab: Volumenproduktion und Design ohne Lenkrad
Teslas speziell für autonomes Fahren entwickeltes Fahrzeug, der Cybercab, soll im April in die Volumenproduktion gehen. Elon Musk kündigte während des Ergebnisberichts für das dritte Quartal an, dass das zweisitzige Fahrzeug ohne Lenkrad oder Bremspedale konzipiert ist. Musk äußerte die Erwartung, dass die Nachfrage "ziemlich verrückt" sein werde.
Ashok Elluswamy, Teslas Vizepräsident für Autopilot- und KI-Software, betonte, dass Kunden bereits über sechs Milliarden Meilen im überwachten Full Self-Driving-Modus zurückgelegt haben. Er bezeichnete dies als einen "großen Meilenstein" und hob hervor, dass die Sicherheit weiterhin "sehr gut" sei. Musk behauptete in einem Post auf X, Tesla sei Nvidia, dem weltweit wertvollsten Unternehmen, in der selbstfahrenden Technologie fünf Jahre voraus.
Produktneuheiten: Roadster und Semi vor dem Rollout
Tesla bereitet sich auch auf die Wiedereinführung des Roadster der zweiten Generation vor, eines zweitürigen Elektro-Sportwagens, der vor über acht Jahren erstmals vorgestellt und wiederholt verschoben wurde. Eine neue Enthüllung ist für den April angesetzt. Musk sprach im November mit Podcaster Joe Rogan über eine Zusammenarbeit mit SpaceX, die Raketentechnologie für den neuen Roadster umfassen soll.
Musk bezeichnete die bevorstehende Präsentation als "die denkwürdigste Produktenthüllung aller Zeiten". Der Semi, ein elektrischer Sattelschlepper, wird ebenfalls voraussichtlich in der ersten Hälfte des Jahres 2026 aus Teslas Fabrik in Nevada rollen. Frühe Produktionsmodelle wurden bereits in Pilotversuchen mit Pepsi- und Walmart-Produkten auf Kaliforniens Autobahnen eingesetzt.
Optimus: Der humanoide Roboter als "größtes Produkt aller Zeiten"
Ein weiteres großes Vorhaben für Tesla ist Optimus, der humanoide Roboter, den Musk als "das größte Produkt aller Zeiten" bezeichnet hat. Musk zufolge sollen die Roboter schließlich allgemeine Aufgaben wie Wäsche falten, Schrauben festziehen oder Nudeln umrühren übernehmen können. Die Herstellung von Optimus erweist sich jedoch als herausfordernd; Musk nannte beispielsweise das Design der Hände eine "unglaublich schwierige technische Herausforderung".
In einem Post auf X im Jahr 2024 erklärte Musk, Tesla strebe bis 2026 eine "hohe Produktion für andere Unternehmen" an, was darauf hindeutet, dass die Roboter eines Tages in großem Maßstab für externe Kunden hergestellt werden könnten.
Herausforderungen im EV-Markt und Anlegervertrauen
Musks Optimismus bei Fristen und Zielen ist bekannt, und er hat in der Vergangenheit viele seiner Versprechen eingelöst, wenn auch manchmal mit Verzögerung. Seth Goldstein würdigt Musk als Visionär, der viele schwierige Probleme gelöst hat, wie die Herstellung profitabler Elektrofahrzeuge und wiederverwendbarer Raketen.
Goldstein merkt jedoch an, dass Teslas Weg zur Dominanz im Automobilbereich enger wird. Während sich das Unternehmen stark auf die Autonomie konzentriert hat, haben andere Autohersteller ihre Fahrzeughardware schnell verbessert und Teslas Vorsprung herausgefordert. Dies gilt insbesondere für China, wo BYD Tesla übertroffen und in Schlüsselmärkten in China und Europa niedrigere Preispunkte angeboten hat.
Tesla verzeichnete zwei aufeinanderfolgende Jahre mit Umsatzrückgängen, und 2026 könnte ein drittes werden, so Goldstein. Gleichzeitig ziehen sich viele US-Autohersteller aus dem EV-Bereich zurück, und Käufer können den staatlichen EV-Anreiz von 7.500 US-Dollar nicht mehr nutzen. Robby DeGraff, Produkt- und Verbraucherinsights-Manager bei AutoPacific, kommentiert, dass Teslas Modellpalette "veraltet ist und in Bezug auf Design, Leistung und Ausstattung hinter einem Großteil der Konkurrenz zurückbleibt."
DeGraff betont, dass es für Tesla am wichtigsten sei, einen erschwinglichen Einstiegs-EV für Verbraucher bereitzustellen, insbesondere angesichts der Verlangsamung des EV-Marktes. Die "Standard"-Versionen des Model 3 und Model Y seien ein guter Schritt, aber die Preise müssten weiter gesenkt werden, da dies für unentschlossene EV-Käufer immer noch ein großes Hindernis darstellt. Trotz dieser Risiken bleiben viele Anleger von Musks Vision überzeugt: Mitte Dezember erreichten Tesla-Aktien ein Rekordhoch von über 481 US-Dollar, mit einem Anstieg von etwa 12 % im letzten Jahr und einem Anstieg von rund 50 % in den letzten sechs Monaten.