
Tesla droht Verkaufsstopp in Kalifornien wegen "Autopilot"-Marketing
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Die kalifornische Kraftfahrzeugbehörde (DMV) hat Tesla eine Frist von 90 Tagen gesetzt, um seine Marketingaussagen für die Fahrerassistenzsysteme "Autopilot" und "Full Self-Driving" (FSD) zu ändern. Dies folgt auf ein Urteil, das besagt, Tesla habe Verbraucher über die tatsächlichen Fähigkeiten seiner Fahrzeuge in die Irre geführt. Andernfalls droht dem Elektroautohersteller ein 30-tägiger Verkaufsstopp im Bundesstaat Kalifornien.
Frist für Tesla: Marketing-Anpassung oder Verkaufsstopp
Steve Gordon, der Direktor der kalifornischen DMV, erklärte in einem Medienbriefing am Dienstag, dass Tesla innerhalb von 90 Tagen seine Werbesprache anpassen muss. Die DMV fordert Tesla auf, den Namen "Autopilot" zu ändern, um klarzustellen, dass die Systeme des Unternehmens fortschrittliche Fahrassistenzsysteme sind und keine automatisierten oder autonomen Fahrzeuge. Bei Nichteinhaltung der Frist wird die DMV "die Einstellung des Verkaufs durchsetzen".
Gordon vermutet, dass Tesla eine Lösung finden wird, wobei die einfachste Option die Einhaltung der Vorschriften sei. Tesla selbst hat auf eine Anfrage zur Stellungnahme bisher nicht reagiert.
Hintergrund des Urteils: Irreführende Bezeichnungen
Die Entscheidung der DMV basiert auf einem vorgeschlagenen Urteil von Verwaltungsrichterin Juliet E. Cox vom 21. November. Cox hatte geprüft, ob Tesla Verbraucher in die Irre geführt hat, indem es den Anschein erweckte, seine Autos könnten sich besser selbst fahren, als dies tatsächlich der Fall ist. Das Dokument mit dem Vorschlag wird der Öffentlichkeit erst am 22. Dezember zugänglich gemacht.
Die Klage der DMV gegen Tesla wurde bereits 2022 eingereicht. Sie warf dem Autohersteller vor, Verbraucher durch seine Werbung und die Benennung seiner Fahrerassistenztechnologien als "Full Self-Driving" und "Autopilot" in die Irre zu führen. Die DMV strebte damals an, Teslas Verkaufsfähigkeit im Bundesstaat für mindestens 30 Tage auszusetzen und den Verbrauchern finanziellen Schadenersatz zuzusprechen.
Die Klage und Teslas Verteidigung
Im Rahmen einer einwöchigen Anhörung im Juli vor dem Verwaltungsgericht in Oakland wurde der Fall verhandelt. Die DMV führte an, dass Teslas Website in den Jahren 2021 und 2022 das FSD-System als "designed to be able to conduct short and long-distance trips with no action required by the person in the driver's seat" beworben habe.
Tesla, das ein turbulentes Jahr hinter sich hat, bestritt, jemals versucht zu haben, die Tatsache zu verschleiern, dass seine Fahrzeuge nicht vollständig autonom fahren können. Teslas Anwälte betonten während der Anhörung, dass das Unternehmen Käufer stets darüber informiert habe, dass sie sich "nicht vollständig" auf FSD oder Autopilot verlassen könnten. Rechtsanwalt Matthew Benedetto, Mitglied von Teslas Rechtsteam, erklärte, dass Autos mit Full Self-Driving-Fähigkeiten "derzeit nicht in der Lage sind, sich selbst zu fahren".
Die Entscheidung der DMV: Gnadenfrist statt sofortiger Sanktion
Richterin Cox hatte in ihrem Vorschlag sowohl eine Aussetzung von Teslas Verkaufs- als auch Fertigungslizenz in Kalifornien empfohlen. Die DMV entschied sich jedoch, die Aussetzung der Fertigungslizenz nicht zu verfolgen und setzte die Aussetzung der Verkaufslizenz für 90 Tage aus, um Tesla die Möglichkeit zur Korrektur zu geben. Die Fertigungslizenz wird auf unbestimmte Zeit ausgesetzt, um den Betrieb der Fabriken in Kalifornien nicht zu stören.
Steve Gordon betonte die Bedeutung Teslas für den Bundesstaat: "Sie sind sehr wichtig für den Staat. Wir wollen fair zu ihnen sein und ihnen eine Chance geben, eine Lösung zu finden, nachdem nun ein Urteil des Verwaltungsrichters vorliegt." Er fügte hinzu, dass Tesla im dritten Quartal dieses Jahres mit dem Model Y das meistverkaufte Auto in seinem Segment hatte. Die DMV ist der Ansicht, dass der Hebel über den Vertriebskanal ausreicht, um die Einhaltung der Vorschriften zu erreichen.
Bedeutung für Tesla und den Markt
Diese regulatorische Prüfung ist eine weitere Herausforderung für Tesla, das sich an der Spitze des autonomen Fahrens positionieren möchte. Behörden in verschiedenen Gerichtsbarkeiten haben Bedenken geäußert, wie Fahrerassistenzsysteme beschrieben und von Verbrauchern verstanden werden.
Interessanterweise schlossen die Tesla-Aktien am Dienstag auf einem Rekordhoch, angetrieben von Optimismus bezüglich der Robotaxi-Ambitionen des Unternehmens und der Erwartung, dass autonome Mobilität eine bedeutende neue Einnahmequelle erschließen könnte. Dies deutet auf eine Diskrepanz zwischen kurzfristigen regulatorischen Risiken und dem längerfristigen Vertrauen der Anleger in Teslas Technologiestrategie hin.
Ausblick und nächste Schritte
Der Ausgang wird davon abhängen, ob Tesla seine Marketingaussagen so anpasst, dass sie die Regulierungsbehörden zufriedenstellen, ohne die strategische Erzählung rund um die Autonomie zu untergraben. Während die potenzielle Lizenzsperre ein Schlagzeilenrisiko bleibt, unterstreicht die Episode, wie sich die regulatorische Kontrolle verschärft, gerade wenn Tesla seinen Vorstoß in Richtung fahrerloser Transport beschleunigt. Die DMV hofft, dass Tesla "einen Weg finden wird, diese irreführenden Aussagen zu korrigieren."