
The Onion übernimmt Infowars: Satire statt Verschwörung, Gerechtigkeit für Sandy Hook
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Das Satire-Nachrichtenportal The Onion plant, die umstrittene Plattform Infowars von Alex Jones zu übernehmen. Ziel ist es, die Website in eine Satire-Maschine umzuwandeln und gleichzeitig zur Gerechtigkeit für die Sandy Hook-Familien beizutragen, denen Jones über 1 Milliarde US-Dollar schuldet. Ein Lizenzierungsdeal wurde bereits vereinbart und wartet auf gerichtliche Genehmigung in Texas.
The Onion übernimmt Infowars: Eine neue Ära der Satire
The Onion, bekannt für seine satirischen Nachrichten, hat einen neuen Plan zur Übernahme von Infowars, der weit über den Besitz von Alex Jones hinausgeht. Ben Collins, CEO von The Onion und ehemaliger NBC News Journalist, erklärte gegenüber Business Insider, dass sie "große Pläne" haben, die verschwörungstheoriegetriebene Seite in eine Satire-Maschine zu verwandeln. Diese soll die "Grievance Culture", die das amerikanische Leben und die Politik durchdrungen hat, aufs Korn nehmen.
Am Montag gab The Onion bekannt, eine Vereinbarung zur Lizenzierung des Infowars-Namens und der Website von Greg Mulligan getroffen zu haben. Mulligan ist der gerichtlich bestellte Verwalter, der mit dem Verkauf der Infowars-Vermögenswerte beauftragt wurde. Der Vorschlag sieht eine Lizenzierung für sechs Monate mit einer Verlängerungsoption für weitere sechs Monate vor, wobei das langfristige Ziel der vollständige Kauf der Website ist. Collins ist zuversichtlich, dass Richterin Maya Guerra Gamble in Austin, Texas, den Vorschlag genehmigen wird.
Bereits 2024 trat The Onion als Käufer von Infowars auf, nachdem eine Auktion zur Begleichung der Urteile gegen Jones stattgefunden hatte. Ein Richter vereitelte den Verkauf damals jedoch unter Berufung auf Bedenken hinsichtlich des Prozesses und der Transparenz. Collins blieb in den 17 Monaten seit dem gestoppten Verkauf motiviert, einen Weg zur Übernahme zu finden. Dies verstärkte sich im Januar, als Jones falsche Behauptungen über den Tod von Renee Good, einer 37-jährigen Mutter aus Minneapolis, auf Infowars verbreitete.
Gerechtigkeit für Sandy Hook-Familien im Fokus
Ein wesentlicher Antrieb für die Übernahme ist die Gerechtigkeit für die Familien der Opfer des Sandy Hook-Massakers. Alex Jones, eine der führenden Stimmen bei den Verschwörungstheorien über Sandy Hook, wurde wegen Verleumdung für haftbar befunden und zur Zahlung von über 1 Milliarde US-Dollar an die Familien verurteilt. Anschließend meldete er Insolvenz an. Die Sandy Hook-Familien haben bisher keine Zahlungen erhalten, und Collins freut sich darauf, ihnen einen Teil des geschuldeten Geldes zukommen zu lassen.
Chris Mattei, der Anwalt der Familien, äußerte sich in einer Erklärung: "Wenn Infowars endlich dunkel wird, wird die Lügenmaschinerie, die Jones aufgebaut hat, dank des Mutes der Familien und der Vision, Beharrlichkeit und Verwaltung von The Onion zu einer Kraft für das soziale Wohl." Die Sandy Hook-Familien würden auch von den Gewinnen der neuen Operationen profitieren. Die Lizenzgebühr für den Deal beläuft sich auf knapp 500.000 US-Dollar.
Infowars 2.0: Satire statt Verschwörungstheorien
The Onion hat bereits mit der Produktion von Inhalten für seine Version von Infowars begonnen, darunter eine achtteilige Parodie-Show im Stil von Tucker Carlson. Als Kreativdirektor wurde der Komiker Tim Heidecker engagiert, bekannt als eine Hälfte des Comedy-Duos Tim & Eric. Heidecker kündigte die Nachricht in einem Video an, das Jones' markante, raue Stimme imitierte.
Ein erster Einblick in die neue Website ist in einem Promo-Video auf der Website von The Onion zu sehen, das mit dem Slogan "TURN YOUR PISS INTO GOLD" wirbt. Die eigene Infowars-Webseite von The Onion, deren Muttergesellschaft Global Tetrahedron LLC ist, zeigt ein modifiziertes Infowars-Logo, bei dem der Buchstabe "O" durch das Logo von The Onion ersetzt wurde. Dort finden sich auch satirische Anzeigen für die Umwandlung von Urin in Gold und andere fiktive Produkte, die Jones' Verkauf von Nahrungsergänzungsmitteln parodieren.
Collins sieht die neue Infowars-Plattform nicht nur als Möglichkeit, sich über die extreme Rechte lustig zu machen. Er möchte auch all den "dummen" Dingen im Internet und darüber hinaus nachgehen – wie Influencern, die Rindertalg bewerben, "Van Lifers", die "80 Kinder in den hinteren Teil eines Wohnmobils stopfen und es ein Haus nennen", und KI-Typen, die "genau den Geistesvirus haben, den sie bei allen anderen vermuten". Collins fasst zusammen: "Wir wollen, dass Infowars ein Ort wird, an den man strebt, anstatt eine psychopathische Website, auf der sie Nahrungsergänzungsmittel für Ihren kaputten Penis verkaufen."
Alex Jones' Reaktion und Zukunftspläne
Alex Jones selbst hat in einem auf X geposteten Video erklärt, dass sein Publikum bald von einer neuen Website hören werde und dass das "REAL Infowars am 1. Mai schließen wird". Er kündigte an, den Lizenzierungsvorschlag vor Gericht anzufechten, räumte jedoch ein, dass er und sein Team Ende des Monats aus dem Gebäude geworfen werden könnten.
Jones beabsichtigt, seine Sendungen in einem anderen Studio fortzusetzen, das er vorbereitet. Diese sollen auf seinem persönlichen X-Konto, anderen neuen sozialen Medienkonten und Websites sowie auf Dutzenden von Radiosendern ausgestrahlt werden. Er hat auch neue Websites für die von ihm verkauften Waren eingerichtet, darunter Nahrungsergänzungsmittel und Kleidung, die jährlich Millionen von Dollar einbringen. Er betonte: "Ich werde genau die gleiche Show fortsetzen. Sie wird einfach 'Alex Jones Show' heißen. Es ist also derselbe Satellit, dasselbe System. Es ist eine andere Nachrichtenseite und ein anderes Nachrichtenstudio. Ich gehe also nirgendwo hin."