
Top-Berater verlassen MBB für KI-Startups: Ein Branchenwandel
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Im Zuge des rasanten Aufstiegs der Künstlichen Intelligenz (KI) vollzieht sich ein bemerkenswerter Wandel in der Welt der Unternehmensberatung: Immer mehr erfahrene Berater, insbesondere von renommierten Firmen wie Bain, McKinsey und BCG (MBB) sowie den Big Four (EY, Deloitte, PwC, KPMG), kehren ihren etablierten Karrieren den Rücken, um eigene KI-Startups zu gründen. Dieser Trend wird nicht nur durch die Attraktivität der neuen Technologien befeuert, sondern stellt auch die traditionellen Beratungsmodelle vor neue Herausforderungen.
Abkehr von der klassischen Beratung
Der einst als ultimatives Karriereziel geltende Partnerstatus bei MBB-Firmen weicht zunehmend dem Traum vom eigenen Unternehmen. Die KI-Revolution senkt die Hürden für die Gründung von Firmen erheblich und macht das bloße Beraten aus der Ferne für viele nicht mehr ausreichend. James Ransome, Partner und Leiter der Strategieberatung bei Patrick Morgan, einem auf die Besetzung von Führungspositionen spezialisierten Unternehmen, sprach bereits letztes Jahr von einem "Exodus" aus den traditionellen Beratungshäusern.
Die Anziehungskraft der KI-Gründerszene
Viele der ehemaligen Berater verspürten schon lange den Drang, etwas Eigenes aufzubauen. Die KI-Entwicklung bot hierfür den idealen Zeitpunkt. Nach Jahren in der Beratung empfanden sie den Schritt, ein eigenes Geschäft zu führen, anstatt nur Strategien zu empfehlen, als logische Weiterentwicklung. Die Möglichkeit, aktiv zu gestalten und Innovationen voranzutreiben, ist ein starker Motor für diesen Karrierewechsel.
Der steinige Weg zum Startup-Gründer
Der Übergang vom Berater zum Startup-Gründer ist jedoch alles andere als einfach. Nathan Wangliao, der McKinsey in seinen Zwanzigern für das Startup-Leben verließ, beschreibt den abrupten Wechsel: "Ich kam von einem riesigen Büro mit allen möglichen Annehmlichkeiten in einen Coworking Space mit nur zwei anderen Leuten." In seinem ersten Monat dachte er sogar darüber nach, zurückzukehren, da sich die Situation "zu beängstigend" anfühlte.
Ehemalige Berater mussten feststellen, dass sie viele ihrer erlernten Gewohnheiten ablegen mussten. Dazu gehörten übermäßiges Analysieren, das Streben nach perfekten Daten und die Vermeidung von Risiken. Im Startup-Umfeld ist es entscheidend, "schnell mit pragmatischer Improvisation" zu handeln, was einen fundamentalen Unterschied zur oft datengetriebenen und risikoaversen Beratungsarbeit darstellt.
Auswirkungen auf das Recruiting in der Branche
Parallel zum Abgang erfahrener Kräfte verlangsamt sich auch die Neueinstellung in der traditionellen Beratungsbranche. Daten des Workforce-Intelligence-Unternehmens Revelio Labs zeigen einen deutlichen Rückgang:
- Die Neueinstellungen auf Einstiegsniveau in Beratungsfirmen fielen im Juni 2025 im Jahresvergleich um 54%.
- Bei Neueinstellungen auf Manager-Ebene sank der monatliche Zustrom um 22%, wie Revelio Labs in einem Bericht vom September mitteilte.
Diese Zahlen unterstreichen den tiefgreifenden Wandel, der sich in der Beratungsbranche vollzieht, während die KI-Gründerszene immer mehr Talente anzieht.