
Trump fordert 10% Zinskappe für Kreditkarten: Was bedeutet das für Banken und Verbraucher?
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Präsident Donald Trump hat die US-Gesetzgeber dazu aufgerufen, eine Gesetzgebung zur Begrenzung der Kreditkartenzinsen auf 10 % zu verabschieden. Dieser Vorstoß, der auf einen früheren Social-Media-Beitrag folgt, in dem er Banken aufforderte, ihre Zinssätze freiwillig zu senken, zielt darauf ab, Millionen von Amerikanern zu helfen, Geld zu sparen und den Erwerb eines Eigenheims zu erleichtern. Die Initiative löst eine Debatte über die Auswirkungen auf Verbraucher und die Finanzindustrie aus.
Trumps Forderung und die Begründung
Am Mittwoch, dem 21. Januar 2026, forderte Präsident Trump vom Weltwirtschaftsforum in Davos, Schweiz, aus den Kongress auf, eine einjährige Zinsobergrenze von 10 % für Kreditkarten zu erlassen. Er kritisierte die aktuellen Zinssätze, die seiner Meinung nach bei 28 %, 30 %, 31 % oder sogar 32 % liegen, und fragte: "Was ist aus dem Wucher geworden?" Zuvor hatte er bereits am 9. Januar 2026 über Truth Social seine Unterstützung für eine temporäre 10%-Kappe angekündigt, die am 20. Januar 2026 in Kraft treten sollte. Trump betonte, dass die amerikanische Öffentlichkeit nicht länger von Kreditkartenunternehmen "abgezockt" werden dürfe.
Hintergrund: Steigende Kreditkartenschulden und Zinsen
Der Vorschlag kommt zu einer Zeit, in der die Kreditkartenschulden in den USA Rekordhöhen erreichen. Die ausstehenden Kreditkartenschulden beliefen sich im September auf 1,23 Billionen US-Dollar, ein Anstieg von 1,17 Billionen US-Dollar im Vorjahr und von 770 Milliarden US-Dollar im ersten Quartal 2021. Im November lag die durchschnittliche Kreditkartenschuld pro Kunde bei 6.555 US-Dollar, so TransUnion. Gleichzeitig sind die durchschnittlichen Zinssätze gestiegen: Im August betrugen sie 22,83 %, verglichen mit 16,28 % im Jahr 2020. Die Lebenshaltungskosten sind ein zentrales Anliegen der US-Wähler, und Erschwinglichkeit wird voraussichtlich ein wichtiges Thema bei den Zwischenwahlen im November sein.
Reaktionen der Finanzindustrie: Warnungen vor "wirtschaftlicher Katastrophe"
Die Ankündigung Trumps löste gemischte Reaktionen aus. Nach seinen Kommentaren in Davos stiegen die Aktien der Banken, wobei der KBW Bank Index um 2,2 % und Capital One um 1,9 % zulegten. Dies könnte darauf hindeuten, dass der legislative Weg als weniger bedrohlich angesehen wird als andere mögliche Maßnahmen.
Allerdings äußerten Banken und Analysten erhebliche Bedenken. Jamie Dimon, CEO von JPMorgan Chase, bezeichnete den Vorschlag in Davos als "wirtschaftliche Katastrophe". Er schlug vor, die Zinsobergrenze testweise in nur zwei Bundesstaaten, Vermont und Massachusetts, einzuführen, um eine "echte Lektion" zu erteilen. Dimon warnte, dass es im schlimmsten Fall zu einer "drastischen Reduzierung des Kreditkartengeschäfts" für 80 % der Amerikaner kommen könnte. Bankenvertreter wiesen darauf hin, dass eine solche Begrenzung unbeabsichtigte Folgen hätte, darunter die Kündigung von Konten für viele Kunden, insbesondere solche mit niedrigerer Kreditwürdigkeit.
Nach den jüngsten Quartalsberichten fielen die Aktien der vier größten US-Banken – JPMorgan Chase, Bank of America, Citigroup und Wells Fargo – um 5 % bis 7 %. Der vorgeschlagene 10%-Zinssatzdeckel wurde als "riesiger negativer Katalysator" für die Branche bezeichnet. Eine Analyse der Vanderbilt University schätzte, dass eine 10%-Zinsobergrenze den Verbrauchern jährlich 100 Milliarden US-Dollar an Zinszahlungen ersparen könnte, was direkt von den Banken käme. JPMorgan Chase beispielsweise erwirtschaftete 2025 etwa 28 Milliarden US-Dollar, oder 15 % des Gesamtumsatzes, aus Kartendiensten und Autokrediten.
Politische Unterstützung und Hürden
Die Idee einer Begrenzung der Kreditkartenzinsen findet parteiübergreifende Unterstützung. Bereits im Februar 2025 hatten die Senatoren Josh Hawley (Missouri) und Bernie Sanders (Vermont) einen Gesetzentwurf eingebracht, der die Kreditkarten-APR für fünf Jahre auf 10 % begrenzen sollte. Dieser Gesetzentwurf ist jedoch im Kongress ins Stocken geraten.
Experten wie Sanjay Sakhrani von KBW halten es für unwahrscheinlich, dass ein solcher Gesetzentwurf genügend parteiübergreifende Unterstützung finden wird, um Gesetz zu werden. Republikanische Gesetzgeber, darunter der Sprecher des Repräsentantenhauses Mike Johnson, äußerten sich vorsichtig bezüglich Preiskontrollen bei Kreditkarten. Brian Shearer, Direktor für Wettbewerbs- und Regulierungspolitik am Vanderbilt Policy Accelerator, betonte, dass eine Zinsobergrenze nur durch eine Gesetzgebung des Kongresses rechtsverbindlich werden könnte, nicht durch eine Exekutivanordnung.
Senator Roger Marshall (R-KS) kündigte an, eine entsprechende Gesetzgebung zur Deckelung der Zinssätze voranzutreiben. Er und Senator Dick Durbin (D-IL) führten diese Woche auch den "Credit Card Competition Act" (CCCA) wieder ein, der darauf abzielt, "Swipe Fees" zu reduzieren. Marshall schätzt, dass der CCCA die Preise um 1 % bis 2 % senken und die 10%-Kappe den Verbrauchern monatlich 150 US-Dollar einsparen könnte.
Mögliche unbeabsichtigte Folgen
Während Zinsobergrenzen auf den ersten Blick verbraucherfreundlich erscheinen, warnen Experten vor einer Reihe unbeabsichtigter Folgen:
- Kreditverfügbarkeit: Eine einheitliche 10%-Kappe könnte die Fähigkeit der Emittenten einschränken, Kredite an Verbraucher zu vergeben, deren Risikoprofile höhere Preise erfordern, um erwartete Verluste und Betriebskosten auszugleichen. Banken könnten ihre Zeichnungsstandards anpassen, Kreditlimits reduzieren oder die Zielgruppen für Kreditkarten einschränken.
- Produktdesign und Preisgestaltung: Wenn die Zinsflexibilität eingeschränkt wird, könnten Emittenten andere Elemente von Kartenprogrammen neu bewerten, einschließlich Jahresgebühren, Prämienstrukturen und Werbeangebote. Dies könnte die Verbraucherwahl und die Gesamtwirtschaftlichkeit von Kartenprodukten beeinflussen.
- Verlust von Kredit für Risikogruppen: Milliardär Bill Ackman, ein Trump-Unterstützer, warnte, dass Millionen von Amerikanern ihre Karten gekündigt bekommen könnten, wenn Kreditkartenunternehmen nicht in der Lage sind, "Verluste zu decken und eine angemessene Eigenkapitalrendite zu erzielen".
Die Diskussion um eine Kreditkarten-Zinsobergrenze verdeutlicht den Konflikt zwischen dem Wunsch nach Verbraucherschutz und den potenziellen Auswirkungen auf die Kreditmärkte und die Finanzstabilität. Die Umsetzung eines solchen Vorschlags bleibt eine komplexe Herausforderung, die weitreichende Konsequenzen für Millionen von Amerikanern und die gesamte Finanzbranche haben könnte.