
Trump fordert Notfallauktion: Big Tech soll für Datenzentren-Strom zahlen
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Die Trump-Administration drängt den größten US-Stromnetzbetreiber PJM Interconnection zu einer Notfallauktion. Diese Maßnahme ist Teil einer umfassenderen Initiative, um Tech-Giganten an den stark steigenden Energiekosten für ihre Datenzentren zu beteiligen. Ziel ist es, die Strompreise für Haushalte zu senken und das Risiko von Stromausfällen in der Mid-Atlantic-Region zu reduzieren.
Die Kernidee: Tech-Giganten zur Kasse bitten
Präsident Trump plant eine beispiellose Intervention in den US-Strommärkten. Er will eine „Notfallauktion“ einführen, die große Technologieunternehmen dazu verpflichtet, den Bau neuer Stromerzeugungsanlagen direkt zu finanzieren. PJM Interconnection, das rund 67 Millionen Kunden in 13 Bundesstaaten und Washington, D.C. versorgt, soll diese spezielle Zuverlässigkeitsauktion durchführen. Die Initiative könnte den Bau neuer Kraftwerkskapazitäten im Wert von bis zu 15 Milliarden US-Dollar ermöglichen, wie Reuters und Bloomberg berichteten.
Steigende Energiekosten und die Rolle der Datenzentren
Die Strompreise in den USA steigen bereits deutlich an. Laut dem Verbraucherpreisindex vom Dezember sind die Stromkosten im Vergleich zum Vorjahr um 6,7 % gestiegen, was mehr als dem Doppelten der gesamten Inflationsrate entspricht. Ein Haupttreiber dieser Entwicklung ist der Boom der Datenzentren, der durch die Künstliche Intelligenz (KI)-Revolution und Cloud-Computing befeuert wird. Diese Infrastruktur übersteigt die derzeitige Stromversorgungskapazität und belastet die Netze.
Eine Studie der Carnegie Mellon University und der North Carolina State University schätzt, dass Datenzentren und Kryptowährungs-Mining die durchschnittlichen Stromrechnungen in wichtigen Datenzentrums-Märkten bis 2030 um mehr als 25 % erhöhen könnten. PJM selbst schlug vor, dass große Datenzentren entweder ihre eigene Stromversorgung sichern oder bei hoher Nachfrage mit Kürzungen rechnen müssen. Die Kapazitätsstrompreise von PJM werden voraussichtlich ab 2024 um über 1.000 % steigen, wobei die Kunden bis 2033 voraussichtlich zusätzliche 100 Milliarden US-Dollar zahlen müssen.
Der Mechanismus der Notfallauktion
Unter dem vorgeschlagenen Auktionsmodell würden Technologieunternehmen auf 15-jährige Stromlieferverträge von neu gebauten Kraftwerken bieten. Unternehmen wie Amazon, Microsoft, Google und Meta, die maßgeblich den Bau von Datenzentren vorantreiben, müssten für ihre gesamte vertraglich vereinbarte Strommenge über die volle 15-jährige Laufzeit zahlen, unabhängig davon, ob sie den Strom tatsächlich nutzen. Dies soll garantierte Einnahmequellen schaffen, die zur Finanzierung des Baus neuer Kraftwerke erforderlich sind. Die Auktion soll idealerweise bis Ende September stattfinden und könnte das Kapital für den Bau von 15 Milliarden US-Dollar an neuer Stromerzeugung sichern, wie Bloomberg berichtete.
Politische Dimension und breite Unterstützung
Präsident Trump hat wiederholt betont, dass Verbraucher nicht die Last der Energienachfrage von Big Tech tragen sollten. In einem Truth Social Post kritisierte er die Biden-Administration für steigende Stromrechnungen und versprach, dass die Amerikaner nicht für Datenzentren "die Zeche zahlen" müssten. Er schrieb: „Ich möchte niemals, dass Amerikaner höhere Stromrechnungen wegen Datenzentren.“ Die Strompreise sind zu einem zentralen politischen Thema geworden.
Die Initiative wird von einer überparteilichen Gruppe von Gouverneuren unterstützt, darunter Josh Shapiro aus Pennsylvania und Wes Moore aus Maryland. Bei einem Treffen im Weißen Haus wurde eine unverbindliche „Grundsatzerklärung“ unterzeichnet. Taylor Rogers, Sprecherin des Weißen Hauses, erklärte gegenüber ABC News: „Die Sicherstellung einer zuverlässigen und erschwinglichen Stromversorgung für das amerikanische Volk ist eine der obersten Prioritäten von Präsident Trump, und dies würde der Mid-Atlantic-Region dringend benötigte, langfristige Entlastung bringen.“
Auswirkungen und Ausblick
Sollte die Notfallauktion erfolgreich sein, könnte sie die Betriebskosten für Bitcoin-Miner senken, die ebenfalls mit hohen Stromkosten zu kämpfen haben, da KI-Datenzentren langfristige Stromverträge sichern. Dies könnte die Rentabilität für Miner verbessern und möglicherweise die Verlagerung hin zu KI-fokussierter Infrastruktur verlangsamen. Die Auswirkungen des Vorschlags werden sich jedoch voraussichtlich erst allmählich über die Zeit entfalten.
Die Maßnahme wird als einmalige Notfallmaßnahme und nicht als dauerhafte Änderung des Marktdesigns betrachtet, um die Preise zu stabilisieren und eine ausreichende Versorgung sicherzustellen, bevor die Nachfrage weiter ansteigt. Sie könnte zudem einen Präzedenzfall dafür schaffen, wie andere Regionen den Konflikt zwischen KI-getriebener Stromnachfrage und alternder Strominfrastruktur bewältigen.