
Trump warnt Iran wegen Hormus-Gebühren: Globale Ölversorgung unter Druck
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US-Präsident Donald Trump hat Iran scharf gewarnt, falls das Land Gebühren für die Passage von Öltankern durch die Straße von Hormus erhebt. Diese Warnung, die über Truth Social erfolgte, belastet den erst vor Kurzem geschlossenen Waffenstillstand zwischen den USA und Iran erheblich, während Berichte über geplante Krypto-Zahlungen und eine anhaltende Drosselung des Schiffsverkehrs die Spannungen weiter anheizen.
Trumps Warnung und der fragile Waffenstillstand
Am Donnerstag, dem 9. April 2026, äußerte US-Präsident Donald Trump auf Truth Social eine deutliche Warnung an Iran. Er erklärte, Iran solle "jetzt aufhören", falls es Gebühren von Öltankern für die Durchfahrt durch die strategisch wichtige Straße von Hormus verlange. Diese Äußerung erfolgte weniger als zwei Tage nach Beginn eines fragilen Waffenstillstands zwischen den Vereinigten Staaten und der Islamischen Republik.
Trump hatte am Dienstagabend zugestimmt, die Feindseligkeiten gegen Iran für zwei Wochen auszusetzen, unter der Bedingung, dass Iran die "VOLLSTÄNDIGE, SOFORTIGE und SICHERE ÖFFNUNG der Straße von Hormus" gewährleistet. Trotz dieser Vereinbarung bleibt der Schiffsverkehr durch die Meerenge, eine entscheidende Arterie für etwa 20 % der weltweiten Ölversorgung, seit Kriegsbeginn am 28. Februar stark gedrosselt.
Iranische Gebühren und die Reaktion der USA
Berichten der Financial Times vom Mittwoch zufolge plant Iran, von Reedereien Gebühren in Kryptowährung zu verlangen, um ihren Schiffen die Durchfahrt durch die Wasserstraße zu ermöglichen. Präsident Trump reagierte darauf in seinem Post vom Donnerstag: "Es gibt Berichte, dass Iran Gebühren von Tankern verlangt, die durch die Hormus-Straße fahren." Er fügte hinzu: "Das sollten sie besser nicht tun, und wenn doch, dann sollten sie jetzt damit aufhören!"
In einem weiteren Beitrag betonte Trump: "Wegen mir wird IRAN NIEMALS EINE ATOMWAFFE HABEN und sehr schnell werden Sie sehen, wie Öl fließt, mit oder ohne die Hilfe Irans, und für mich macht das so oder so keinen Unterschied." Er kritisierte zudem das Redaktionsteam des Wall Street Journal, das seinen Sieg gegen Iran als verfrüht bezeichnet hatte, und schrieb: "Tatsächlich ist es ein Sieg, und daran ist nichts 'verfrüht'!"
Die Straße von Hormus: Eine strategische Lebensader unter Kontrolle Irans
Nur 36 Stunden nach der Erklärung eines Waffenstillstands demonstrierte Iran seine neu gewonnene Macht, indem es sich weigerte, die weltweit wichtigste Energiewasserstraße zu öffnen. Iranische Beamte forderten eine "Maut" von bis zu 2 Millionen US-Dollar pro Schiff für die sichere Passage durch die Straße von Hormus, ein Schritt, der jährlich bis zu 100 Milliarden US-Dollar einbringen könnte. Dieses Geld würde voraussichtlich dem Korps der Islamischen Revolutionsgarden zugutekommen, das für Irans ballistisches Raketenprogramm verantwortlich ist und das Land mit eiserner Hand regiert.
Gregory Brew, ein leitender Iran- und Energieanalyst der Geopolitik-Beratungsfirma Eurasia Group, äußerte gegenüber MS NOW, Irans neue Kontrolle über die Meerenge habe dem Land mehr Einfluss verschafft als vor dem Krieg. "Trotz wochenlanger Bombardierungen ist Iran jetzt in einer stärkeren Position, da es gezeigt hat, dass es die Meerenge schließen kann", so Brew. "Im Grunde kann es die Weltwirtschaft jederzeit als Geisel nehmen."
Widersprüchliche Berichte und internationale Reaktionen
Am Mittwoch bestritt die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, dass die Meerenge geschlossen sei. Sie erklärte gegenüber Reportern: "Wir haben heute einen Anstieg im Verkehr in der Meerenge gesehen" und bekräftigte die Erwartung und Forderung des Präsidenten nach einer Wiedereröffnung. Auf die Frage, wer die Straße von Hormus derzeit kontrolliere, lehnte Leavitt jedoch eine Antwort ab. Am Ende des ersten Tages des Waffenstillstands war klar, dass die Antwort Iran war.
Die Schiffsverfolgungsfirma Kpler berichtete, dass am Mittwoch nur vier Frachtschiffe und keine Öltanker die Meerenge passierten. Vor dem Krieg durchquerten täglich mehr als 130 Schiffe diese Wasserstraße. Hunderte von Tankern, insgesamt 426, blieben in der Region festgefahren. Am Donnerstagmorgen teilte eine ungenannte hochrangige iranische Quelle der russischen Nachrichtenagentur TASS mit, dass täglich nicht mehr als 15 Schiffe die Meerenge passieren dürften, wie Reuters berichtete.
Geopolitische Spannungen und das Seerecht
Die Straße von Hormus gilt seit Jahrzehnten als internationale Wasserstraße, die das Prinzip der friedlichen Schifffahrt garantiert. Die UN-Seerechtskonvention von 1994 sichert dieses Recht, obwohl die USA und Iran die Konvention nicht ratifiziert haben. Julien Raynaut, Leiter der französischen Vereinigung für Seerecht, betonte, dass die Nichtratifizierung Iran keine völlige Handlungsfreiheit gebe, da es weiterhin dem Völkerrecht und dem Gewohnheitsrecht der Passage unterliege.
Der am Dienstag vereinbarte zweiwöchige Waffenstillstand zwischen Iran, den USA und Israel, der eine von Präsident Trumps angedrohte Bombardierung der iranischen Zivilisation abwenden sollte, zeigte schnell unterschiedliche Interpretationen der Bedingungen. Iran erklärte, das Abkommen würde es ihm ermöglichen, seine neue Praxis der Gebührenerhebung für Schiffe in der Straße von Hormus zu formalisieren. Trump hingegen sprach davon, dass die USA mit Iran zusammenarbeiten würden, um vergrabenes angereichertes Uran zu entfernen, was Iran jedoch nicht bestätigte.
Am Mittwoch schloss Iran die Straße von Hormus erneut als Reaktion auf israelische Angriffe gegen die Hisbollah-Miliz im Libanon. Diese israelischen Angriffe auf Wohn- und Geschäftsviertel in Zentral-Beirut töteten Dutzende und verwundeten Hunderte von Menschen. UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte die israelischen Angriffe scharf und warnte, sie stellten ein "ernsthaftes Risiko für den Waffenstillstand" dar. Der australische Premierminister Anthony Albanese forderte am Donnerstag, dass der Waffenstillstand auch für den Libanon gelten müsse.