Trumps Grönland-Zölle: TACO-Trade oder Eskalation des Handelskonflikts?

Trumps Grönland-Zölle: TACO-Trade oder Eskalation des Handelskonflikts?

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Die Finanzmärkte sind in Aufruhr, nachdem US-Präsident Donald Trump acht europäischen Nationen mit Zöllen gedroht hat, sollte keine Einigung über Grönland erzielt werden. Investoren fragen sich, ob dies ein weiterer Fall des sogenannten "TACO"-Handels ist – die Annahme, dass Trumps aggressive Taktiken letztlich nur ein Bluff sind, um Verhandlungen zu erzwingen. Die Situation hat bereits zu spürbaren Kursrückgängen an den globalen Börsen geführt.

Trumps Grönland-Drohungen erschüttern die Märkte

US-Präsident Donald Trump kündigte am Samstag an, ab dem 1. Februar einen Zehn-Prozent-Zoll auf Güter aus acht europäischen Ländern zu erheben. Diese Zölle sollen bis zum 1. Juni auf 25 Prozent ansteigen, falls keine Einigung über Grönland erzielt wird. Betroffen sind Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Deutschland, Großbritannien, die Niederlande und Finnland – Länder, die militärisches Personal nach Grönland entsandt haben, um die dänische Präsenz zu stärken. Trump begründet die Maßnahme mit nationalen Sicherheitsinteressen und der Notwendigkeit, Grönland zu kontrollieren, da auch China und Russland Interesse zeigen.

Die Ankündigung löste umgehend Turbulenzen an den Finanzmärkten aus. Am Dienstag, dem ersten Handelstag nach dem Feiertag in den USA, fielen der S&P 500 um 1,5 Prozent, der Dow Jones um 1,3 Prozent und der technologieintensive Nasdaq um 1,8 Prozent. Auch europäische Indizes wie der britische FTSE 100 (-0,7%), der französische CAC (-0,6%), der deutsche DAX (-1%) und der italienische FTSE MIB (-1,1%) verzeichneten Rückgänge. Der Dollar gab gegenüber einem Währungskorb um 0,9 Prozent nach, während Gold einen neuen Rekordwert von 4.690 US-Dollar pro Feinunze erreichte.

Das "TACO"-Phänomen: Bluff oder Ernst?

Die Frage, die Investoren nun umtreibt, ist, ob der "TACO"-Handel – "Trump Always Chickens Out" (Trump kneift immer) – erneut zum Tragen kommt. Diese Theorie besagt, dass Trumps aggressive Politik vor allem darauf abzielt, Verhandlungspartner an den Tisch zu bringen. Analysten von JPMorgan's internationalem Marktintelligenz-Desk schrieben dazu: "Ich denke, wir müssen dies aus einer 'Art of the Deal'-Perspektive lesen. Trump erzeugt Lärm und nimmt eine maximale Haltung ein, um Verhandlungen auszulösen und Druck/Dringlichkeit zu erzeugen."

David Rosenberg, Ökonom und Präsident von Rosenberg Research, betonte, dass die Überzeugung, Präsident Trump bluffe bei Grönland und arbeite nur auf einen "Deal" hin, sich immer wieder als schwer zu brechen erwiesen habe. US-Handelsminister Howard Lutnick spielte die Wahrscheinlichkeit eines neuen Handelskriegs herunter und erklärte auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, Trump nutze Zölle als Mittel zur Diplomatie. Er betonte, dass Globalisierung den Westen und die USA zurückgelassen habe und Zölle ein Weg seien, um zu sagen: "Hey, ihr müsst mit uns reden."

Drei Szenarien für die Grönland-Krise

Analysten sehen verschiedene mögliche Ausgänge für die Grönland-Situation:

  • 1. Trump erzielt eine Einigung mit Dänemark: JPMorgan schätzt dieses Szenario mit einer Wahrscheinlichkeit von 55 Prozent als das wahrscheinlichste ein. Eine Einigung könnte eine erweiterte US-Präsenz in Grönland umfassen, beispielsweise durch Zugang zu natürlichen Ressourcen. Die Bank merkte an, dass der Zeitpunkt der Zolldrohungen angesichts des Weltwirtschaftsforums in Davos "nicht zufällig" sei. Ein Verkauf Grönlands sei unwahrscheinlich, da die Zustimmung Dänemarks erforderlich wäre, und ein militärisches Vorgehen der USA sei "höchst unwahrscheinlich" aufgrund des Widerstands von Republikanern und Wählern sowie möglicher Aggressionen von NATO-Rivalen.
  • 2. Trump zieht die Zölle zurück: Matt Gertken, Chef-Geopolitik- und US-Politikstratege bei BCA Research, sieht eine 40-prozentige Chance, dass Trumps neue Zölle überhaupt nicht umgesetzt werden, möglicherweise durch einen "eigenen Rückzug" Trumps. Gertken geht von einer 70-prozentigen Wahrscheinlichkeit einer "nicht-militärischen" Lösung aus. Christopher Granville, Managing Director bei TS Lombard, erwartet einen "Waffenstillstand" zwischen den USA und Europa, bei dem die USA die Zölle während der laufenden Verhandlungen über Grönland aussetzen könnten. Er verwies auf ähnliche Situationen bei Zöllen gegen Mexiko und Kanada im letzten Jahr und auf den politischen Druck der kommenden Zwischenwahlen.
  • **3. Der Oberste Gerichtshof kippt Trumps Zölle:** BCA schätzt die Wahrscheinlichkeit, dass der Oberste Gerichtshof Trumps Zölle aufheben könnte, auf rund 50 Prozent, eine Steigerung von zuvor 30 Prozent. Gertken argumentiert, dass das Gericht normalerweise dem Präsidenten in internationalen Angelegenheiten nachgeben würde, aber Trumps Drohungen gegen die NATO-Allianz könnten die Glaubwürdigkeit des Gerichts und die verfassungsmäßige Gewaltenteilung gefährden. Das Marktintelligenz-Team von JPMorgan wies darauf hin, dass die vorgeschlagenen Zölle auf dem IEEPEA (International Emergency Economic Powers Act) basieren, dessen Anwendung der Oberste Gerichtshof möglicherweise als illegal einstufen könnte. Zudem sei es praktisch unmöglich, sechs EU-Länder mit unterschiedlichen Sätzen zu belegen, da der freie Warenverkehr innerhalb der EU strukturell gegeben ist.

Globale Reaktionen und mögliche Gegenmaßnahmen

Die europäischen Länder und die EU haben scharf auf Trumps Drohungen reagiert. Die acht betroffenen Länder gaben eine gemeinsame Erklärung ab, in der sie ihre volle Solidarität mit Dänemark und der Bevölkerung Grönlands bekundeten. Sie warnten, dass Zolldrohungen die transatlantischen Beziehungen untergraben und eine "gefährliche Abwärtsspirale" riskieren. EU-Beamte diskutierten am Sonntag bereits Vergeltungsmaßnahmen, darunter die Aktivierung eines 93 Milliarden Euro schweren Zollpakets und den Einsatz des Anti-Coercion Instruments, das US-Unternehmen den Zugang zum EU-Binnenmarkt einschränken könnte. Ein Notfallgipfel der EU-Staats- und Regierungschefs ist für Donnerstag angesetzt.

Kemi Badnoch, Vorsitzende der Konservativen Partei im Vereinigten Königreich, nannte die Zölle eine "schreckliche Idee" und betonte, dass die Souveränität Grönlands nur von den Menschen Grönlands entschieden werden sollte. Susannah Streeter, Chef-Anlagestrategin bei Wealth Club, kommentierte, dass diese jüngsten Schritte eine "hässliche Wendung der Ereignisse" markieren, da sie einen Keil in die transatlantische Allianz treiben. Das Europäische Parlament erwägt zudem, die Arbeiten an einem US-EU-Handelsabkommen auszusetzen.

Die Rolle des Rechts und der Diplomatie

Die aktuelle Krise unterstreicht die Bedeutung sowohl rechtlicher Rahmenbedingungen als auch diplomatischer Bemühungen. Die rechtliche Grundlage der Zölle, der IEEPEA, steht unter genauer Beobachtung des Obersten Gerichtshofs. Gleichzeitig sind die diplomatischen Kanäle, insbesondere auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, aktiv. US-Finanzminister Scott Bessent forderte die europäischen Länder in Davos zur Deeskalation auf.

Die britische Schatzkanzlerin Rachel Reeves betonte ebenfalls die Notwendigkeit, einen kühlen Kopf zu bewahren und die transatlantische Allianz zu erhalten. Sie sagte, die Zukunft Grönlands liege bei den Menschen Grönlands. Präsident Trump wird am Mittwoch eine Rede in Davos halten, die mit Spannung erwartet wird, um weitere Einblicke in seine Haltung zu Grönland und den Zöllen zu geben.

Erwähnte Persönlichkeiten