
Trumps Vorschlag: 10% Zinsdeckel für Kreditkarten und die Folgen
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Donald Trump hat eine temporäre Obergrenze von 10 % für Kreditkartenzinsen vorgeschlagen, die ab dem 20. Januar für ein Jahr gelten soll. Dieser Schritt zielt darauf ab, den wirtschaftlichen Druck auf amerikanische Haushalte zu mindern, stößt jedoch bereits auf erheblichen Widerstand aus der Finanzbranche und bei einigen Politikern. Die Umsetzung und Durchsetzung des Vorschlags bleiben bislang unklar.
Trumps Vorschlag: Eine Obergrenze für Kreditkartenzinsen
Präsident Trump kündigte auf Social Media an, dass die amerikanische Öffentlichkeit nicht länger von Kreditkartenunternehmen "abgezockt" werden solle, die Zinssätze von 20 bis 30 % oder mehr verlangen. Er forderte eine einjährige Zinsobergrenze von 10 %, die am 20. Januar in Kraft treten soll. Details zur Umsetzung oder zur Sicherstellung der Einhaltung durch die Unternehmen wurden jedoch nicht genannt; Trump erklärte lediglich, dass Nicht-Einhaltung einen "Gesetzesverstoß" darstellen würde.
Aktuelle Zinssätze und die Belastung für Verbraucher
Die durchschnittlichen Kreditkartenzinsen liegen derzeit bei etwa 23 % und waren laut Federal Reserve seit 1994 nicht unter 10 %. Personen mit niedrigerer Kreditwürdigkeit zahlen laut Bankrate sogar Zinssätze von bis zu 36 %. Auch durchschnittliche Ladenkreditkarten verlangen über 30 % Zinsen. Zum Vergleich: Bei bundesstaatlichen Kreditgenossenschaften sind die Zinssätze gesetzlich auf 18 % begrenzt.
Ein Grund für die hohen Zinssätze sind erhöhte Zahlungsausfälle und Abschreibungen, da Kreditkartenschulden unbesichert sind. Aktuell sind etwa 2,98 % der Kreditkartensalden überfällig, ein Anstieg gegenüber unter 2 % in den Jahren 2021 und 2022. Die amerikanische Kreditkartenschuld erreichte im dritten Quartal 2024 einen Rekordwert von 1,17 Billionen US-Dollar, gegenüber 770 Milliarden US-Dollar im ersten Quartal 2021.
Potenzielle Vorteile für Haushalte
Eine Zinsobergrenze von 10 % könnte amerikanischen Haushalten laut einer aktuellen Analyse der Vanderbilt University jährlich rund 100 Milliarden US-Dollar an Zinszahlungen ersparen. Dies könnte für einzelne Verbraucher eine spürbare Entlastung bedeuten. Senator Josh Hawley (R-Missouri) und Senator Bernie Sanders (I-Vermont) hatten bereits im Februar 2025 einen parteiübergreifenden Gesetzentwurf für eine fünfjährige Zinsobergrenze von 10 % eingebracht, um Familien in Not zu entlasten.
Kritik und Bedenken aus der Finanzbranche
Der Vorschlag stößt auf erheblichen Widerstand von Kreditkartenherausgebern und Banken. Aktien großer Kreditkartenunternehmen wie Capital One und JPMorgan Chase fielen nach der Ankündigung. Bankengruppen wie das Bank Policy Institute und die American Bankers Association warnten in einer gemeinsamen Erklärung, dass eine 10%-Obergrenze die Kreditverfügbarkeit reduzieren und Millionen amerikanischer Familien sowie Kleinunternehmer schädigen würde.
- Reduzierter Kreditzugang: Schätzungsweise zwei Drittel der Kreditkartennutzer mit ausstehendem Saldo könnten eine Reduzierung oder Streichung ihrer Kreditlinien erleben.
- Auswirkungen auf Subprime-Kunden: Praktisch alle 47 Millionen Amerikaner mit einer Subprime-Kreditwürdigkeit könnten keine Kreditkarte mehr erhalten oder behalten.
- Erhöhte Gebühren: Kreditgeber, einschließlich vieler Kreditgenossenschaften, müssten Gebühren erhöhen oder neue Servicegebühren einführen, um Kosten zu decken und Risiken zu managen.
- Wirtschaftliche Folgen: Einzelhändler und kleine Unternehmen könnten Umsatzrückgänge verzeichnen, wenn Kunden ihre Karten nicht mehr nutzen können oder niedrigere Kreditlimits haben.
Der Hedgefonds-Milliardär Bill Ackman, ein Trump-Unterstützer, äußerte ebenfalls Bedenken. Er warnte, dass Kreditkartenunternehmen Karten kündigen könnten, wenn sie keine ausreichenden Zinssätze zur Deckung von Verlusten und zur Erzielung einer angemessenen Eigenkapitalrendite verlangen könnten.
Politische Reaktionen und Umsetzbarkeit
Der Vorschlag belebt eine Forderung wieder, die Trump bereits im Präsidentschaftswahlkampf 2024 geäußert hatte. Senator Bernie Sanders hatte Trump kurz vor der Ankündigung kritisiert, dass er sein Wahlversprechen zur Zinsdeckelung nicht eingehalten habe. Senator Josh Hawley hingegen begrüßte Trumps Vorschlag. Senatorin Elizabeth Warren (D-Massachusetts) äußerte Skepsis und betonte, dass ein solcher Schritt eine Gesetzgebung erfordern würde, und bezeichnete das "Betteln bei Kreditkartenunternehmen" als Witz. Der parteiübergreifende Gesetzentwurf von Sanders und Hawley ist im Kongress aufgrund des Widerstands von Bankengruppen bisher nicht vorangekommen.
Alternativen zur Zinsdeckelung
America's Credit Unions, die sich erfolgreich gegen frühere legislative Bemühungen zur Zinsdeckelung gewehrt haben, schlagen stattdessen "gezielte, datengesteuerte Lösungen" vor, die Verbrauchern ohne negative Nebeneffekte helfen. Dazu gehören:
- Unterstützung von Finanzbildung und Budgetierungsressourcen.
- Erweiterung des Zugangs zu gemeinnütziger Schuldnerberatung.
- Förderung von Umschuldungsmöglichkeiten für hochverzinste Schulden.
- Förderung der Verfügbarkeit von Kreditoptionen mit niedrigeren Zinssätzen, wie sie von Kreditgenossenschaften angeboten werden.
Kreditgenossenschaften bieten aufgrund ihrer kooperativen Struktur konsistent niedrigere Kreditkartenzinsen als Banken an.