
Trumps Wirtschaftstour: Zölle, Bezahlbarkeit und die US-Konjunktur
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Präsident Donald Trump hat eine Reihe von Reden begonnen, um seine Wirtschaftsbotschaft unter dem Motto "Niedrigere Preise, höhere Gehälter" zu verbreiten. Dies geschieht vor dem Hintergrund wachsender Besorgnis über die steigenden Lebenshaltungskosten in den USA, die sich in Umfragen widerspiegeln.
Trumps Wirtschaftstour und die Debatte um "Bezahlbarkeit"
Bei seiner ersten Rede in Mount Pocono, Pennsylvania, verteidigte Präsident Trump seine Wirtschaftspolitik und bewertete die Leistung seiner Regierung mit "A-plus-plus-plus-plus-plus". Er bezeichnete die Kritik an hohen Preisen durch Demokraten zunächst als "Hoax" und "Scam", räumte jedoch später ein, dass er "Bezahlbarkeit" nicht als Hoax bezeichnen könne, da die Preise tatsächlich zu hoch gewesen seien. Er betonte, dass die Preise nun "tremendously" sinken würden und schob die Verantwortung für hohe Preise den Demokraten zu.
Trump hob in seiner über 90-minütigen Rede auch Jobwachstum in Pennsylvania und sinkende Benzinpreise hervor. Er sprach über Steuerkomponenten seines "big, beautiful bill", darunter Pläne für Investitionskonten für Kinder mit einer Startsumme von 1.000 US-Dollar von der Regierung und einen Steuerabzug für Trinkgelder. Zudem verteidigte er die Übernahme von U.S. Steel durch das japanische Unternehmen Nippon Steel, die er als Rettung des Unternehmens darstellte.
Trumps Verteidigung der Zölle und ihre Auswirkungen
Ein zentraler Punkt von Trumps Botschaft ist seine Verteidigung der Zölle, die er als sein "Lieblingswort" bezeichnete. Er behauptete, seine Politik habe "Hunderte von Milliarden Dollar" an Zolleinnahmen für die Regierung generiert. Dabei argumentierte er, dass Amerikaner bereit sein sollten, auf bestimmte Produkte zu verzichten, um die heimische Produktion zu stärken. Als Beispiele nannte er Bleistifte und Puppen: "Man kann auf bestimmte Produkte verzichten. Man könnte auf Bleistifte verzichten. Weil unter der China-Politik, wissen Sie, jedes Kind 37 Bleistifte bekommen kann. Sie brauchen nur ein oder zwei, wissen Sie. Sie brauchen nicht so viele."
Trotz dieser Verteidigung hat Trump in der Realität viele seiner früheren Zölle zurückgenommen, insbesondere solche, die am 2. April in Kraft traten. Die ursprünglichen 25%-Zölle auf Importe aus Mexiko und Kanada wurden für die meisten im USMCA-Handelsabkommen abgedeckten Waren aufgehoben. Zölle auf Importe aus China, die einst über 100% lagen, wurden auf einen Basiszoll von 10% reduziert, der für alle anderen Länder gilt. Im November wurden zudem Zölle auf eine Reihe von Lebensmitteln wie Rindfleisch, Kaffee, Bananen und Tomaten angepasst oder entfernt, um den Lebensmittelpreisen entgegenzuwirken.
Dennoch sind die Zölle immer noch höher als in vielen Jahrzehnten. Eine im Oktober von der Federal Reserve of St. Louis veröffentlichte Analyse, die Daten von Januar bis August dieses Jahres untersuchte, deutet darauf hin, dass Zollmaßnahmen bereits "messbaren Aufwärtsdruck auf die Verbraucherpreise" ausüben. Der Anstieg der Preise Anfang 2025 korreliert demnach eng mit den Zollentwicklungen, und modellbasierte Regressionen bestätigen, dass diese Effekte statistisch und wirtschaftlich signifikant sind. Die Studie merkt jedoch an, dass die Weitergabe der Effekte bisher nur teilweise erfolgt ist, was auf Verzögerungen, Wettbewerbsdruck oder die Erwartung temporärer Zölle hindeuten könnte. Die meisten Ökonomen befürchten, dass Zölle zu einem langsameren Wirtschaftswachstum und höheren Verbraucherpreisen führen können.
Verbraucherstimmung und Preisentwicklung
Trumps optimistische Einschätzung der Wirtschaft steht im Kontrast zur aktuellen Verbraucherstimmung. Laut der Umfrage der University of Michigan sank das Konsumentenvertrauen im November auf 51 Punkte, den zweitniedrigsten Wert seit 1952. Eine Fox News-Umfrage zeigte im letzten Monat, dass 76% der Befragten eine negative Einschätzung der nationalen Wirtschaftslage hatten.
Insbesondere die Lebensmittelpreise sind seit Trumps Amtsantritt im Januar gestiegen, wobei die Verbraucherpreisindex-Daten einen Anstieg von etwa 2% bis 3% im Jahresvergleich zeigen. Eine Nasdaq-Analyse weist darauf hin, dass Rindersteaks, Kaffee und Müsli deutlich teurer geworden sind. Obwohl die Verbraucherpreise im September im Jahresvergleich um 3% stiegen – deutlich unter dem Höchststand von 9,1% im Jahr 2022 – liegen sie immer noch über dem 2%-Inflationsziel der Federal Reserve.
Politische Reaktionen und Ausblick
Die Demokraten haben die "Bezahlbarkeit" zu einem zentralen Thema ihrer Botschaft vor den Zwischenwahlen 2026 gemacht und machen Trumps Zoll- und Handelspolitik für die steigenden Kosten verantwortlich. Zohran Mamdani, der gewählte Bürgermeister von New York City, gewann seine Wahl hauptsächlich mit dem Fokus auf die Bezahlbarkeit.
Trump erhielt auch Kritik aus den eigenen Reihen. Repräsentantin Marjorie Taylor Greene, eine frühere Verbündete, kritisierte ihn wiederholt dafür, dass er innenpolitische Themen nicht ausreichend in den Vordergrund rücke, was zu ihrer angekündigten Rücktrittsabsicht aus dem Repräsentantenhaus im Januar führte. Während seiner Rede wich Trump auch von wirtschaftlichen Themen ab und sprach über Einwanderung, einen Betrugsskandal in Minnesota und befragte das Publikum, ob er seinen Vorgänger Joe Biden als "sleepy Joe" oder "crooked Joe" bezeichnen solle.