Trumps Zoll-Kehrtwende: Der "TACO-Trade" beflügelt globale Märkte erneut

Trumps Zoll-Kehrtwende: Der "TACO-Trade" beflügelt globale Märkte erneut

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US-Präsident Donald Trump hat seine Drohung mit Zöllen gegen acht europäische Länder zurückgenommen, was eine globale Markterholung ausgelöst hat. Diese Kehrtwende belebt erneut das Anlegerphänomen des "TACO-Trade", bei dem Investoren auf Trumps Rückzug von aggressiven Handelspositionen spekulieren.

Trumps Kehrtwende bei Zöllen beflügelt Märkte

Präsident Donald Trump hat am Mittwochabend, dem 21. Januar 2026, auf dem Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos, Schweiz, eine überraschende Kehrtwende in seiner Handelspolitik vollzogen. Er erklärte gegenüber CNBC, dass er die angedrohten 10-prozentigen Zölle auf acht europäische Länder, die ab dem 1. Juni auf 25 Prozent steigen sollten, zurückgenommen habe.

Als Grund nannte Trump ein "Konzept für ein Abkommen" bezüglich Grönland. Zuvor hatte er wochenlang die Annexion der arktischen Insel durch die USA gefordert. Die europäischen Länder hatten im Falle neuer Zölle eine "unbeirrbare" Reaktion angekündigt.

Die anfängliche Drohung führte am Dienstag zu einem starken Ausverkauf an den Aktien-, Anleihe- und US-Dollar-Märkten, da Investoren eine neue Handelskonfrontation befürchteten. Nach Trumps Rückzug am Mittwoch sprangen die großen Wall-Street-Indizes jedoch an, und die Gewinne setzten sich am Donnerstagmorgen fort. Diese Erholung breitete sich auf die globalen Märkte aus, wobei auch europäische und asiatische Aktien bei Wiedereröffnung der regionalen Märkte am Donnerstag zulegten.

Das Phänomen "TACO-Trade" kehrt zurück

Die jüngste Markterholung hat das Konzept des "TACO-Trade" wiederbelebt, ein Akronym für "Trump Always Chickens Out" (Trump kneift immer). Dieser Begriff, der letztes Jahr nach Trumps "Liberation Day"-Zollankündigung im April 2025 geprägt wurde, beschreibt Trumps wiederholtes Muster, intensive Zölle anzudrohen, diese dann aber zu lockern, zu verzögern oder ganz aufzuheben.

Russ Mould, Investment Director bei AJ Bell, verglich die aktuellen Marktbewegungen mit denen des Vorjahres. Er kommentierte: "Donald Trumps TACO-Glocke hat erneut geläutet, sehr zur Freude der Finanzmärkte." Mould betonte, dass Trump in der Vergangenheit oft von seinen Drohungen abgewichen sei, nachdem die Finanzmärkte ins Wanken geraten waren.

Alan Siow, Co-Leiter für Schwellenländer-Unternehmensanleihen bei Ninety One, bestätigte, dass die TACO-Mentalität die Rally der Risikoanlagen nach dem "Liberation Day" antrieb und weiterhin die Märkte beeinflusst. Paul Surguy von Kingswood Group bemerkte, dass die Marktreaktionen auf die Politik des Weißen Hauses seit dem "Liberation Day" generell gedämpfter ausfallen.

Globale Marktreaktionen im Detail

Die asiatischen Märkte zeigten sich am Donnerstag robust. Der chinesische Shanghai Composite Index schloss 0,14 Prozent höher bei 4.122,58 Punkten, während der Hang Seng Index in Hongkong um 0,17 Prozent auf 26.629,96 Punkte zulegte.

In Japan erholte sich der Nikkei-Durchschnitt um 1,73 Prozent auf 53.688,89 Punkte und beendete damit eine fünftägige Verlustserie, angetrieben von Halbleiter- und KI-bezogenen Aktien. Der breitere Topix-Index stieg um 0,74 Prozent auf 3.616,38 Punkte. Südkoreanische Aktien kletterten ebenfalls, wobei der Kospi-Durchschnitt um 0,87 Prozent auf 4.952,53 Punkte schloss und intraday die historische 5.000-Punkte-Marke überschritt. Samsung Electronics und SK Hynix stiegen um rund 2 Prozent, LG Energy Solution sogar um 5,7 Prozent.

Australische Märkte verzeichneten ebenfalls deutliche Gewinne, nachdem Daten zeigten, dass die Arbeitslosenquote im Dezember unerwartet auf ein 7-Monats-Tief gefallen war. Der S&P/ASX 200 sprang um 0.75 Prozent auf 8.848,70 Punkte, während der breitere All Ordinaries Index 0,70 Prozent höher bei 9.172,50 Punkten schloss. Der Öl- und Gasproduzent Santos stieg um 5,3 Prozent, während der Goldminenbetreiber Northern Star Resources um 8,4 Prozent fiel.

Gold verzeichnete im asiatischen Handel kaum Veränderungen und lag bei 4.833 US-Dollar pro Unze, während die Befürchtungen über eine schwindende Dominanz des US-Dollars bestehen blieben. Die Ölpreise gaben nach, da das Überangebot wieder in den Vordergrund rückte.

Skepsis und langfristige Perspektiven

Trotz der positiven Marktreaktion bleiben einige Analysten vorsichtig. Russ Mould wies darauf hin, dass die Goldrallye eine Atempause einlegte und es keinen größeren Ausverkauf gab, was darauf hindeutet, dass Anleger weiterhin Sicherheitselemente in ihren Portfolios halten möchten. Auch Gesundheits- und Tabakaktien waren gefragt, was normalerweise in Zeiten der Besorgnis und nicht bei Markterholungen zu erwarten wäre.

Toni Meadows, Head of Investments bei BRI Wealth Management, äußerte sich skeptisch zum TACO-Trade und mahnte Investoren, auf Details des Grönland-Abkommens und Europas Reaktion zu warten. Auch Chris Weston von Pepperstone betonte, dass Anleger mehr über Trumps "Rahmenabkommen" zu Grönland wissen wollen, bevor sie weitere Risiken in Europa vollständig ausschließen.

Sascha Faxe, ein Mitglied des dänischen Parlaments, äußerte gegenüber Sky News Zweifel an der Realität eines Abkommens zwischen Trump und der NATO über Grönland. Sie betonte, dass ein Abkommen ohne die Beteiligung Grönlands an den Verhandlungen nicht möglich sei. Alan Siow merkte an, dass sich aus der Rhetorik globaler Führer in Davos möglicherweise "etwas auf politischer Ebene verhärtet und vielleicht dauerhaft verändert" hat, was sich auf die Wirtschaft auswirken könnte. Er fügte hinzu, dass es angesichts der schnellen Entwicklungen noch zu früh sei, um dies zu beurteilen.

Trumps Verhandlungstaktik und die Anlegerstrategie

Präsident Trump selbst verteidigte seine Vorgehensweise als "Verhandlung" und nicht als "Kneifen", als er auf die TACO-Theorie angesprochen wurde. Er erklärte, dass er oft hohe Zölle als Verhandlungsmasse vorschlage, um ausländische Regierungen zu Gesprächen zu bewegen. "Man setzt eine lächerlich hohe Zahl an, und wenn sie reagieren, geht man runter", so Trump.

Dieses Muster zeigte sich auch bei früheren Handelspolitikänderungen, etwa bei den China-Zöllen, die zuerst auf 145 Prozent erhöht und dann auf 30 Prozent gesenkt wurden. Im April 2025 verhängte Trump breite Zölle, kündigte aber bereits am nächsten Tag eine 90-tägige Pause an, nachdem die Märkte stark reagiert hatten.

Infolgedessen argumentieren einige Analysten, dass Trumps Zolldrohungen inzwischen eher kurzfristige Handelsspiele als langfristige Ängste auslösen. Die neue Anlegerstrategie lautet: die Rhetorik abwarten, den Dip kaufen und die Erholung mitnehmen. Michael McCarthy von Moomoo merkte an, dass Investoren potenzielle Auslöser für Korrekturen, wie Inflation oder geopolitische Spannungen, bisher ignoriert haben.

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