Tschechien: Babiš vor PM-Amt – Interessenkonflikt und Ministerwahl als Hürden

Tschechien: Babiš vor PM-Amt – Interessenkonflikt und Ministerwahl als Hürden

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Der tschechische Präsident Petr Pavel hat seine Bereitschaft signalisiert, den populistischen Milliardär Andrej Babiš als Premierminister zu vereidigen. Dies ist jedoch an die Bedingung geknüpft, dass Babiš eine Lösung für seinen Interessenkonflikt findet und die vorgeschlagene Kabinettsliste den Anforderungen des Präsidenten entspricht. Die geplante Koalition steht zudem vor Herausforderungen bezüglich ihrer Haltung zur EU und zur Ukraine.

Andrej Babiš und die Hürden zur Regierungsbildung

Präsident Petr Pavel erklärte am Mittwoch, er sei bereit, Andrej Babiš innerhalb einer Woche als Premierminister zu vereidigen. Voraussetzung ist, dass der Geschäftsmann klärt, wie er einen Interessenkonflikt zwischen seinen privaten Geschäften und seinem neuen politischen Status vermeiden will. Babiš, dessen ANO-Bewegung die Parlamentswahlen gewann, wurde bereits im letzten Monat von Pavel beauftragt, eine neue Regierung zu bilden.

Die ANO-Bewegung hat sich mit zwei weiteren kleineren politischen Gruppen, der migrationskritischen Partei Freiheit und direkte Demokratie sowie den rechtspopulistischen Motoristen für sich selbst, auf die Bildung einer Mehrheitskoalitionsregierung geeinigt. Das geplante Kabinett soll 16 Mitglieder umfassen, wobei ANO acht Posten, einschließlich des Premierministers, besetzen wird. Die Motoristen erhalten vier und die Freiheitspartei drei Ministerposten. Babiš äußerte den Wunsch, die neue Regierung bis Mitte Dezember ernennen zu lassen.

Das Konfliktpotenzial: Vermögen und politische Macht

Ein zentrales Hindernis für Babiš ist das 2023 geänderte tschechische Interessenkonfliktgesetz. Dieses Gesetz wurde verschärft, um zu verhindern, dass Politiker Reichtum und Macht kombinieren, und untersagt die Übertragung von Eigentum an Treuhandfonds oder Verwandte, wie es zuvor möglich war. Babiš besitzt rund 200 Unternehmen unter dem Agrofert-Konglomerat und ist stark im Gesundheitssektor engagiert.

Um staatliche und EU-Subventionen für seine Unternehmen weiterhin zu erhalten, muss Babiš die Anforderungen dieses Gesetzes erfüllen. Die Einhaltung dieser Vorschriften ist entscheidend, da andernfalls seine Unternehmen von wichtigen Fördergeldern ausgeschlossen wären. Die Gesetzesänderung wurde von Babiš und seinen Anhängern scharf kritisiert.

Kontroverse um Ministerkandidaten: Filip Turek abgelehnt

Während eines Treffens mit dem Präsidenten am Mittwoch präsentierte Babiš seine vorgeschlagene Kabinettsliste. Eine der umstrittensten Figuren, die von der Koalition für die Regierung vorgeschlagen wurde, war Filip Turek, Ehrenpräsident der Motoristen. Turek geriet in die Kritik, nachdem eine Tageszeitung Beiträge von seiner Facebook-Seite veröffentlichte, die als offen rassistisch, homophob und sexistisch eingestuft wurden.

Turek entschuldigte sich für einige der Beiträge, bestritt jedoch, andere gepostet zu haben. Präsident Pavel lehnte seine Kandidatur am Mittwoch ab und erklärte, Turek sei nicht wählbar für ein Regierungsamt. Babiš bestätigte nach dem Treffen: „Die Position des Präsidenten ist, dass Herr Turek kein Mitglied der Regierung sein sollte.“ Obwohl die Rolle des Präsidenten in der Tschechischen Republik weitgehend zeremoniell ist, muss er internationale Abkommen und Kabinettsbesetzungen, einschließlich des Premierministers, ratifizieren.

Die politische Ausrichtung der neuen Koalition

Die drei Parteien, die die Koalition bilden, stehen der Europäischen Union kritisch gegenüber und lehnen mehrere ihrer Politiken ab, insbesondere in den Bereichen Umwelt und Migration. Diese Haltung könnte zu Spannungen mit Brüssel führen und die tschechische Außenpolitik beeinflussen.

Es wird zudem erwartet, dass die neue Regierung das Land von der Unterstützung der Ukraine in ihrem Krieg gegen die russische Invasion abwenden wird. Eine solche Kursänderung hätte weitreichende geopolitische und wirtschaftliche Implikationen für die Tschechische Republik und ihre Beziehungen zu internationalen Partnern.

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