
Tycoon Chen Zhi: Auslieferung nach China im Fokus der Cyberkriminalität
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Der prominente Tycoon Chen Zhi, Vorsitzender der kambodschanischen Prince Holding Group, wurde kürzlich in Kambodscha festgenommen und nach China ausgeliefert. Ihm wird vorgeworfen, ein riesiges Online-Betrugsnetzwerk angeführt zu haben, das weltweit Opfer betrogen und Zwangsarbeiter ausgebeutet hat, was zu weitreichenden internationalen Sanktionen und Vermögensbeschlagnahmungen führte.
Festnahme und Auslieferung des mutmaßlichen Betrugs-Drahtziehers
Die kambodschanische Regierung gab Anfang Januar bekannt, dass Chen Zhi und zwei weitere chinesische Staatsbürger, Xu Ji Liang und Shao Ji Hui, festgenommen und nach China ausgeliefert wurden. Dies geschah am Dienstag, dem 6. Januar, nach monatelangen Ermittlungen und auf Ersuchen der chinesischen Behörden. Chen Zhis kambodschanische Staatsbürgerschaft, die er 2014 erworben hatte, wurde bereits im Dezember per königlichem Dekret widerrufen.
Die Auslieferung erfolgte im Rahmen der Zusammenarbeit zur Bekämpfung der transnationalen Kriminalität. Weder die US-Bundesstaatsanwaltschaft in Brooklyn, wo Chen angeklagt worden war, noch die chinesischen Behörden äußerten sich unmittelbar zu den Auslieferungen.
Schwere Vorwürfe gegen Chen Zhi und die Prince Holding Group
Chen Zhi, 38 Jahre alt, wurde im Oktober von dem US-Finanzministerium und dem britischen Außenministerium beschuldigt, ein transnationales kriminelles Netzwerk zu leiten. Dieses Netzwerk soll weltweit Opfer betrogen und Menschenhändler zur Ausbeutung von Arbeitern eingesetzt haben. Die US-Behörden werfen ihm Drahtbetrug und Geldwäscheverschwörungen vor.
Zu den Anschuldigungen gehört, dass Chen Zhi Gewalt gegen Arbeiter sanktionierte, Bestechungsgelder an ausländische Beamte genehmigte und seine anderen Unternehmen, darunter Online-Glücksspiel und Kryptowährungs-Mining, zur Geldwäsche illegaler Gewinne nutzte. Seine Organisation soll 250 Amerikaner um Millionen von Dollar betrogen haben, wobei ein Opfer 400.000 US-Dollar in Kryptowährung verlor. Die Prince Holding Group, die mindestens zehn Komplexe in Kambodscha gebaut haben soll, wies alle Vorwürfe zurück.
Globale Dimensionen des Betrugs und umfassende Vermögensbeschlagnahmungen
Die Auswirkungen der Betrugsaktivitäten sind immens. Schätzungen des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung zufolge verloren Betrugsopfer weltweit im Jahr 2023 zwischen 18 und 37 Milliarden US-Dollar. Allein im Jahr 2024 verloren Amerikaner laut dem US-Finanzministerium mindestens 10 Milliarden US-Dollar durch Betrügereien aus Südostasien.
Als Reaktion darauf verhängten die USA und Großbritannien Sanktionen gegen Chen Zhi und seine Unternehmen, die hauptsächlich in der Immobilienentwicklung und im Finanzdienstleistungsbereich tätig waren. US-Behörden beschlagnahmten Bitcoin im geschätzten Wert von 14 Milliarden US-Dollar, die mit Chen oder seinen Operationen in Verbindung gebracht wurden. Britische Behörden froren seine britischen Unternehmen und Vermögenswerte ein, darunter eine 12-Millionen-Euro-Villa und ein 100-Millionen-Euro-Bürogebäude in London. Weitere Vermögenswerte wurden später in Singapur, Taiwan und Hongkong beschlagnahmt. In Singapur wurden Vermögenswerte im Wert von über 150 Millionen US-Dollar, darunter Bankkonten, Wertpapierkonten, Bargeld, eine Yacht und elf Autos, sichergestellt.
Die Rolle Südostasiens als Zentrum der Cyberkriminalität
Betrugszentren haben sich in ganz Südostasien, insbesondere in Kambodscha und Myanmar, stark ausgebreitet, wo die Strafverfolgung schwach ist. Casinos dienen oft als Drehscheiben für kriminelle Aktivitäten. Menschenhandelopfer, oft mit falschen Stellenangeboten rekrutiert, wurden gezwungen, in nahezu sklavenähnlichen Bedingungen zu arbeiten und sogenannte "Romance"- und Kryptowährungsbetrügereien durchzuführen. Diese "Pig Butchering"-Betrügereien bauen über längere Zeit Vertrauen zu den Opfern auf, bevor deren Gelder gestohlen werden.
Ein Bericht des UN-Menschenrechtsbüros aus dem Jahr 2023 schätzte, dass mindestens 120.000 Menschen in Myanmar und 100.000 Menschen in Kambodscha in Situationen festgehalten wurden, in denen sie zu Online-Betrügereien gezwungen wurden. Amnesty International veröffentlichte im vergangenen Jahr die Ergebnisse einer 18-monatigen Untersuchung zur Cyberkriminalität in Kambodscha, die auf eine "staatliche Komplizenschaft bei Missbräuchen durch chinesische kriminelle Banden" hindeutet.
Internationale Reaktionen und geopolitische Implikationen
Jacob Daniel Sims, Experte für transnationale Kriminalität und Gastwissenschaftler am Asia Center der Harvard University, kommentierte die Auslieferung Chen Zhis als "den Weg des geringsten Widerstands" für die kambodschanische Regierung. Er erklärte, dass Kambodscha aufgrund des anhaltenden internationalen Drucks keine andere Wahl mehr hatte. Sims fügte hinzu: "Was wir hier sehen, ist ein Mafia-Staat, der in die Enge getrieben wird und die beste unter schlechten Optionen wählt, nicht Anzeichen einer legitimen Reform."
Die Auslieferung nach China entschärft die westliche Kontrolle und entspricht Pekings wahrscheinlicher Präferenz, einen politisch sensiblen Fall von US- und britischen Gerichten fernzuhalten. Aus Pekings Sicht reduziert die Sicherung von Chen, bevor westliche Staatsanwälte handeln konnten, das Reputationsrisiko und ermöglicht es, den Fall innerhalb Chinas eigenem rechtlichen und politischen Rahmens zu behandeln. China hatte bereits Mitte 2023 Druck auf Myanmar ausgeübt, um gegen diese Verbrechen vorzugehen, was zur Auslieferung einiger Drahtzieher und sogar zu Todesurteilen führte.