
Uber & DoorDash: Identitätsdiebstahl führt zu unerwarteten Steuerforderungen
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Gig-Economy-Plattformen wie Uber und DoorDash melden dem US-Finanzamt (IRS) Einkünfte für Personen, die nach eigenen Angaben nie für diese Unternehmen tätig waren. Diese fehlerhaften Meldungen führen bei den Betroffenen zu unerwarteten Steuerschulden und werfen ernsthafte Fragen bezüglich Identitätsdiebstahl und den Verifizierungspraktiken der Plattformen auf. Mehrere Fälle, darunter eine Sammelklage gegen Uber, beleuchten die weitreichenden Konsequenzen für unschuldige Steuerzahler.
Klage gegen Uber wegen Identitätsdiebstahl und Steuerproblemen
Damian Josefsberg, ein in Florida ansässiger Unternehmer, hat im vergangenen Monat eine Klage gegen Uber eingereicht. Er behauptet, Uber habe dem IRS für das Steuerjahr 2021 über 1.200 US-Dollar an Einkünften unter seinem Namen gemeldet, obwohl er nie für die App gearbeitet habe. Sein Anwalt, Kenneth Dante Murena, bestätigte gegenüber Business Insider, dass Josefsberg ein Unternehmen für Laserausrichtung betreibt und keinerlei Verbindung zu Uber hat.
Die Klage strebt den Status einer Sammelklage an, um weitere Kläger mit ähnlichen Erfahrungen einzubeziehen. Ein Uber-Sprecher bestätigte, dass Josefsberg nie für die App tätig war, und verwies auf ein Online-Formular namens "1099 delivery error". Dieses Formular fordert Betroffene auf, fehlerhafte Steuerformulare, ein Bild ihres amtlichen Ausweises, ein Selfie mit dem Ausweis und einen Polizeibericht zur Untersuchung einzureichen.
Murena gab an, etwa zwei Dutzend Anrufe von Personen erhalten zu haben, die ebenfalls 1099-Formulare von Uber erhielten, obwohl sie nie für die App gearbeitet hatten. Josefsbergs Klage fordert Schadensersatz von Uber sowie eine Korrektur seiner Steuerunterlagen, da das Unternehmen das Einkommen unter seinem Namen an das IRS gemeldet hatte.
Vorwürfe gegen Ubers Verifizierungspraktiken
Die Klage von Josefsberg wirft ein Schlaglicht auf ein Problem, mit dem Uber und andere Gig-Work-Apps seit Jahren konfrontiert sind: Die Personen, die Fahrgäste befördern oder Essen liefern, sind nicht immer die, für die sie sich ausgeben. Einige haben Accounts auf illegalen Märkten gekauft, anstatt sich ordnungsgemäß anzumelden und verifizieren zu lassen. Die Klage behauptet, Uber unternehme nicht genug, um die Identität seiner Millionen von Gig-Workern zu überprüfen.
Laut der Klageschrift behindern "Screening barriers such as 'clean' background checks, issue-free driving records, or the ability to work legally in the United States" Ubers Fähigkeit, seinen Fahrerpool und damit die Fahrten schnell zu erhöhen. Die Klage spricht von einem "Barrier-Free Driver Screening Scheme", das es Bewerbern ermöglichen soll, gestohlene persönliche Identifikationsdaten (PII) wie Sozialversicherungsnummern zu verwenden, um den Überprüfungsprozess zu umgehen. Dies würde es "Unscreened UBER Drivers" ermöglichen, auf die Plattform zu gelangen, die sonst aufgrund von Vorstrafen, schlechten Fahrhistorien oder fehlender Arbeitserlaubnis disqualifiziert wären.
Die Klage argumentiert, dass Uber zwar öffentlich seine Richtlinien zur Fahrerüberprüfung bewirbt, interne Praktiken jedoch Schlupflöcher schaffen. Diese erlauben es unqualifizierten Fahrern, mit gestohlenen Identitäten auf die Plattform zu gelangen. Die von diesen Fahrern erzielten Einkünfte werden dann angeblich unter dem Namen und der Sozialversicherungsnummer des Identitätsdiebstahl-Opfers an das IRS gemeldet, während die Zahlungen an den tatsächlichen Fahrer gehen.
Ubers Stellungnahme und Sicherheitsbedenken
Ein Uber-Sprecher erklärte, das Unternehmen widerspreche den Behauptungen in Josefsbergs Klage. Uber "maintains robust safeguards designed to detect and prevent fraudulent activity, and we continually enhance these systems to address emerging tactics", so der Sprecher. Das Unternehmen betonte zudem, dass es Hintergrundüberprüfungen bei Fahrern durchführt, einschließlich der Überprüfung von Fahr- und Strafregistern.
Anwalt Murena äußerte Bedenken hinsichtlich der Sicherheit von Passagieren. Fahrer, deren wahre Identität und Hintergrund unbekannt sind, stellten ein Sicherheitsrisiko dar. Er betonte: "The public at large would like to know that Uber is confirming that the drivers are who they say they are." Uber sieht sich bereits mehreren Klagen gegenüber, die dem Unternehmen die Haftung für sexuelles Fehlverhalten, einschließlich Vergewaltigung, durch seine Fahrer vorwerfen.
Ähnliche Probleme bei DoorDash
Auch andere Fahrdienst- und Liefer-Apps sind mit ähnlichen Problemen konfrontiert. Christie Reynolds, die in Rio Rancho, New Mexico, für ein Nachmittagsprogramm arbeitet, gab an, nie für DoorDash gearbeitet zu haben. Dennoch erhielt sie im letzten Monat einen Brief vom IRS, der besagte, DoorDash habe für 2023 Einkünfte in Höhe von 24.000 US-Dollar unter ihrem Namen gemeldet. Dieser Brief, den Business Insider einsehen konnte, informierte sie auch darüber, dass die zuvor nicht gemeldeten Einkünfte sie daran hindern würden, den Kinderfreibetrag (Child Tax Credit) zu beantragen.
Reynolds kontaktierte das IRS, welches ihr mitteilte, dass DoorDash die Korrektur ihrer Steuerunterlagen vornehmen müsse. Sie ist sich unsicher, wie sie dies bewerkstelligen soll, da sie weder DoorDash-Kundin noch Gig-Workerin ist. Ein DoorDash-Sprecher erklärte nach der Weitergabe von Details zu Reynolds' Fall, die "root cause is identity theft unrelated to the DoorDash platform." Das Unternehmen ermutigt Betroffene, die glauben, ihre Identität sei betrügerisch für "Dashing" verwendet worden, den DoorDash-Support sofort zu kontaktieren.
Reynolds konnte nicht herausfinden, wie jemand an ihre persönlichen Daten gelangt ist, um das DoorDash-Konto einzurichten. Sie vermutet jedoch, dass ihre persönlichen Informationen in mindestens zwei Datenlecks in den letzten Jahren offengelegt wurden. Sie plant nun, sich von einem befreundeten Anwalt beraten zu lassen. "Right now, I'm just in a bad place," sagte Reynolds. "I don't know what to do."
Branchenweites Problem und Gegenmaßnahmen
Die Erfahrungen von Josefsberg und Reynolds sind keine Einzelfälle, sondern weisen auf ein branchenweites Problem hin, mit dem Gig-Work-Apps seit Jahren zu kämpfen haben. Der Kauf und Verkauf von Accounts auf illegalen Märkten trägt maßgeblich dazu bei, dass Personen unter falscher Identität auf den Plattformen tätig werden.
Die Apps haben auf diese Herausforderungen mit neuen Verifizierungsbemühungen reagiert. Dazu gehören die regelmäßige Aufforderung an die Worker, Selfies einzureichen, oder die persönliche Anwesenheit zur Identitätsprüfung. Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, die Authentizität der auf den Plattformen tätigen Personen besser sicherzustellen und Identitätsdiebstahl in der Gig-Economy einzudämmen.