
Uber kämpft um Anschluss bei autonomen Fahrzeugen nach früher Kehrtwende
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Uber, einst ein Pionier im Bereich autonomer Fahrzeuge, musste nach einem tragischen Unfall sein ambitioniertes Projekt einstellen. Heute, da Konkurrenten wie Waymo und Tesla Erfolge feiern, unternimmt das Ride-Hailing-Unternehmen eine aggressive Aufholjagd durch zahlreiche strategische Partnerschaften und Investitionen. Diese Entwicklung zeigt, wie sich frühere Entscheidungen nun auf Ubers Position im Zukunftsmarkt auswirken.
Ubers frühe Ambitionen und der Rückschlag
Uber startete sein autonomes Fahrzeugprojekt bereits Anfang 2015 unter dem damaligen CEO Travis Kalanick. Zu dieser Zeit galt Uber als ernstzunehmender Konkurrent im Rennen um die fahrerlose Technologie, neben Unternehmen wie Waymo und Tesla. Die Vision war klar: Autonome Fahrzeuge sollten die Zukunft der Mobilität prägen.
Ein tragisches Ereignis im Jahr 2018 in Arizona änderte jedoch alles. Ein fahrerloses Uber-Fahrzeug, das mit einem Sicherheitsfahrer unterwegs war, erfasste und tötete einen Fußgänger. Dieser Unfall war ein Schock für die gesamte aufstrebende Autonomfahrbranche und erfüllte die schlimmsten Befürchtungen der jungen Industrie.
Nach diesem Vorfall und der Ablösung Kalanicks durch CEO Dara Khosrowshahi wurde Ubers Fahrerloses-Auto-Programm eingestellt und die Vermögenswerte verkauft. Diese Entscheidung war Teil einer Strategie, Uber vor dem Börsengang 2019 als "seriöseres Unternehmen" zu positionieren.
Die Kehrtwende und ihre Folgen
In den Jahren nach der Einstellung des AV-Programms entwickelte sich Uber zunächst positiv. Der Marktanteil in den USA stieg stetig, während Konkurrent Lyft Schwierigkeiten hatte. Das Unternehmen erreichte eine gesunde Profitabilität, und der Aktienkurs von Uber legte kräftig zu.
Doch die harte Arbeit von Waymo und Tesla im Bereich der autonomen Fahrzeuge beginnt sich nun auszuzahlen. Die AV-Technologie hat ein hohes Niveau erreicht; Waymos autonome Fahrzeuge konkurrieren in San Francisco bereits mit Ubers von Menschen betriebenen Ride-Hailing-Netzwerk.
Investoren haben diese Entwicklung bemerkt und den Uber-Aktienkurs in den letzten Monaten abgestraft, da das Unternehmen als potenzieller Nachzügler im AV-Sektor wahrgenommen wird. Tesla und Waymo bauen eigene autonome Fahrdienste auf, die eine direkte Bedrohung für Ubers Geschäftsmodell darstellen.
Der Wettlauf um die autonome Zukunft
Mark Mahaney, ein führender Technologieanalyst bei Evercore ISI, äußerte sich zu Ubers damaliger Entscheidung. Er meinte, es sei "keine schlechte Interpretation", dass Uber heute nicht aufholen müsste, hätte es an seinem ursprünglichen AV-Projekt festgehalten. Dies hänge jedoch davon ab, wie viel Überzeugung das Unternehmen in seinen Technologie-Stack gehabt hätte.
Vor elf Jahren waren autonome Fahrzeuge noch keine ausgemachte Sache. Frühe Google-Fahrzeuge im Jahr 2014 waren zwar solide, aber viele "Grenzfälle" waren noch nicht gelöst, was Zweifel an der Geschäftstauglichkeit der Technologie aufkommen ließ.
Unternehmen wie Google und Tesla hielten jedoch mutig an ihren AV-Entwicklungen fest. Sie ernten nun die Früchte ihrer Beharrlichkeit und sind der Konkurrenz um viele Jahre voraus.
Ubers aggressive Aufholjagd
Uber versucht nun, mit Hochdruck wieder ins Spiel zu kommen. Allein in den letzten zwei Monaten wurden sechs wichtige Deals im Bereich der autonomen Technologie bekannt gegeben, was Ubers Tempo in diesem Sektor unterstreicht.
Zu diesen strategischen Partnerschaften gehören:
- Eine 1,25 Milliarden US-Dollar schwere Partnerschaft mit Rivian, die Uber Zugang zu Rivians zukünftiger autonomer Fahrtechnologie verschafft. Rivian-Aktien stiegen nach dieser Nachricht, die auch den Kauf von 10.000 vollautonomen Rivian-Robotaxis und eine Investition von bis zu 1,25 Milliarden US-Dollar in den Tesla-Konkurrenten umfasst.
- Eine Zoox-Uber-Partnerschaft, bei der Zoox Uber als ersten externen Rideshare-Partner außerhalb der eigenen App wählte.
- Eine Wayve-Uber-Nissan-Partnerschaft für einen Pilotversuch in Tokio (Ende 2026) mit Nissan Leaf Elektrofahrzeugen, die von Wayves AI Driver-Technologie angetrieben werden.
- Eine Partnerschaft mit Motional (einem Hyundai Joint Venture), die Uber-Fahrern in Las Vegas Zugang zu Motional's IONIQ 5 Robotaxi (mit Sicherheitsfahrer) ermöglicht, wobei volle Autonomie für Ende 2026 angestrebt wird.
- Eine Uber-Nvidia-Partnerschaft zur Bereitstellung einer globalen Flotte von Nvidia-Software-gesteuerten AVs, mit einem ersten Rollout in Los Angeles und San Francisco in der ersten Hälfte 2027 und einer Skalierung auf 28 Städte bis 2028.
- Eine Investition in Waabi: Uber beteiligte sich mit 250 Millionen US-Dollar an Waabis Serie C und plant den Einsatz von 25.000 Waabi-betriebenen AVs.
Es gibt sogar Berichte, dass Uber eine Unterstützung von Kalanicks neuem autonomen Fahrzeugprojekt in Betracht ziehen könnte, was eine bemerkenswerte Ironie wäre. Uber hat seine Haltung zu AVs eindeutig geändert.
Fazit: Ein teurer Lernprozess
Die Entwicklung vollautonomer Fahrzeuge, die mit Tesla und Waymo mithalten können, ist eine enorme Herausforderung. Ubers aggressive Strategie zeigt jedoch den klaren Willen, in diesem entscheidenden Zukunftsmarkt wieder eine führende Rolle zu spielen.
Auf eine Anfrage an Ubers Presseabteilung bezüglich möglicher Reue über die damalige Entscheidung gab es am Donnerstag keine sofortige Antwort. Die Geschichte von Ubers AV-Engagement ist ein Lehrstück darüber, wie schwierig und riskant es ist, an der Spitze zu stehen, aber auch, wie groß der potenzielle Gewinn sein kann, wenn man mutige Entscheidungen trifft und hart arbeitet.