
UK-Pharma-Riesen trotzen US-Druck: AstraZeneca & GSK mit starken Gewinnen – NHS-Deal umstritten
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Die britischen Pharmariesen AstraZeneca und GSK haben im ersten Quartal 2026 überraschend starke Gewinne erzielt und die Erwartungen übertroffen. Diese positiven Ergebnisse kommen zu einer Zeit, in der die Pharmabranche mit den Auswirkungen der US-Medikamentenpreispolitik ringt und eine neue, umstrittene Pharma-Partnerschaft zwischen dem Vereinigten Königreich und den USA in Kraft tritt.
Starke Quartalsergebnisse für AstraZeneca und GSK
AstraZeneca und GSK, das zweit- bzw. neuntwertvollste Unternehmen Großbritanniens, meldeten für das erste Quartal 2026 Gewinne, die über den Analystenerwartungen lagen. AstraZeneca verzeichnete einen Kerngewinn pro Aktie von 2,58 US-Dollar, während Analysten 2,53 US-Dollar prognostiziert hatten. GSK erreichte einen Kerngewinn pro Aktie von 0,47 Pfund (0,63 US-Dollar) gegenüber erwarteten 0,43 Pfund, laut FactSet.
Die Umsätze von AstraZeneca beliefen sich im ersten Quartal auf 15,3 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von 8 % gegenüber dem Vorjahr, und übertrafen die Erwartungen von 14,9 Milliarden US-Dollar. GSK erzielte einen Umsatz von 7,63 Milliarden Pfund (10,3 Milliarden US-Dollar), was einem Anstieg von 5 % gegenüber dem Vorjahr entspricht und den Erwartungen entsprach. Beide Aktien haben in den letzten 12 Monaten den Stoxx 600 und den FTSE 100 deutlich übertroffen, mit einem Plus von 42 % für GSK und 30 % für AstraZeneca.
AstraZeneca-CEO Pascal Soriot sprach von einer "katalysatorreichen" Periode für das anglo-schwedische Unternehmen, das er seit 2012 führt. Im April zeigte eine Spätphasenstudie für eine Kombinationstherapie mit dem Krebsmedikament Imfinzi eine signifikante Verbesserung der Zeit bis zur Verschlechterung bei Patienten mit Leberkrebs. Ende März überraschte das Unternehmen Investoren mit positiven Ergebnissen eines experimentellen Medikaments gegen Lungenkrankheiten, das in zwei Spätphasenstudien sein Ziel erreichte, nachdem Konkurrenten mit ähnlichen Behandlungen gescheitert waren. AstraZeneca ist auf Kurs, sein Ziel von 80 Milliarden US-Dollar Umsatz bis 2030 zu erreichen.
US-Medikamentenpolitik und ihre Auswirkungen auf Europa
Die positiven Ergebnisse der britischen Pharmakonzerne stehen im Kontrast zu den Warnungen zahlreicher Pharma-CEOs, dass Europa aufgrund der Bemühungen von US-Präsident Donald Trump, die Medikamentenpreise in Amerika zu senken, weniger neue Medikamente auf den Markt bringen könnte. CEOs von Novartis, AstraZeneca, Roche und Boehringer Ingelheim befürchten, dass europäische Länder neuartige Medikamente verpassen könnten.
Dies liegt an Trumps "Most-Favored-Nation" (MFN)-Politik zur Medikamentenpreisgestaltung, die Preise auf dem lukrativen US-Markt an niedrigere Preise in vergleichbaren Ländern koppeln würde. Novartis-CEO Vas Narasimhan erklärte im April, dass die "Realität der MFN" noch nicht vollständig eingetreten sei, aber in den nächsten 18 Monaten Auswirkungen zeigen werde.
Historische Pharma-Partnerschaft zwischen Großbritannien und den USA
Parallel zu diesen Entwicklungen wurde eine umfassende Pharma-Partnerschaft zwischen dem Vereinigten Königreich und den USA bekannt gegeben. Diese Vereinbarung sieht vor, dass britische Pharmaexporte in die USA von Zöllen befreit werden, die der US-Präsident auf einige importierte Medikamente erheben will. Das Vereinigte Königreich ist damit das erste Land weltweit, das eine Verpflichtung zu 0 % Zöllen auf Pharmaexporte in die USA für mindestens drei Jahre sichert.
Die britische Regierung bezeichnete die Partnerschaft als "Gewinn für britische Patienten, britische Unternehmen und die britische Wirtschaft". Sie soll die 50.000 Arbeitsplätze in der britischen Pharmaindustrie schützen und Pharmaunternehmen ermutigen, in Forschung, Entwicklung und Produktion im Vereinigten Königreich zu investieren. Die britische Pharmaindustrie trug 2025 28,5 Milliarden Pfund zur britischen Wirtschaft bei und exportierte im vergangenen Jahr Pharmaprodukte im Wert von fast 21 Milliarden Pfund weltweit.
UK Science Minister Lord Vallance betonte, dass Patienten im gesamten NHS von lebensverändernden neuen Medikamenten profitieren werden, die ihnen zuvor verwehrt geblieben wären. Er fügte hinzu, dass die Partnerschaft durch die Förderung größerer Investitionen die Entwicklung neuer Medikamente im Vereinigten Königreich ermöglichen und hochqualifizierte Arbeitsplätze schaffen werde.
Verbesserter Zugang zu Medikamenten für NHS-Patienten
Ein zentrales Element der Partnerschaft ist der verbesserte Zugang zu lebensverändernden Behandlungen für NHS-Patienten. Dies wird durch Änderungen in der Bewertung von Medikamenten durch das National Institute for Health and Care Excellence (NICE) ermöglicht. Ab dem 31. März 2026 wurde der Betrag, den der NHS für eine Behandlung ausgeben kann, um Patienten ein längeres und qualitativ besseres Leben zu ermöglichen, von 30.000 Pfund auf 35.000 Pfund pro Jahr erhöht.
Diese Anpassung des NICE-Kosten-Effektivitäts-Schwellenwerts reagiert auf langjährige Forderungen von Patientengruppen und soll sicherstellen, dass NICE seinen weltweit führenden Ansatz zur Bewertung von Medikamenten fortsetzen kann. Bereits zwei neue Krebsmedikamente wurden unter dem aktualisierten Ansatz empfohlen. Pharmaunternehmen erhalten stärkere Anreize, innovative Behandlungen im Vereinigten Königreich einzuführen, wodurch Patienten schneller von neuen Therapien profitieren können.
Kritik an den Kosten der Vereinbarung
Trotz der von der Regierung hervorgehobenen Vorteile stößt die Pharma-Partnerschaft auf erhebliche Skepsis. Kritiker befürchten, dass die Vereinbarung den NHS Milliarden kosten wird. Die britische Regierung hat sich verpflichtet, ihre Ausgaben für neu entwickelte Medikamente bis 2035 von 0,3 % des BIP auf 0,6 % des BIP zu verdoppeln.
Dr. Andrew Hill, ein Medikamentenexperte der University of Liverpool, schätzt, dass diese Erhöhung das Vereinigte Königreich bis 2035 jährlich 9 Milliarden Pfund kosten wird. Hill argumentiert: "Warum zusätzliche 9 Milliarden Pfund pro Jahr für höhere Medikamentenpreise ausgeben, um Medikamentenexporte in die USA von nur 5 Milliarden Pfund pro Jahr zu schützen? Die Rechnung geht einfach nicht auf." Er fügte hinzu, dass die 9 Milliarden Pfund mehr Leben retten würden, wenn sie stattdessen für den Ausbau bestehender Dienste ausgegeben würden.
Helen Morgan, die Gesundheitssprecherin der Liberal Democrats, forderte, dass Abgeordnete die Vereinbarung prüfen und darüber abstimmen dürfen. Sie äußerte Bedenken, dass "Entscheidungen über die Geldausgaben in unserem NHS vom britischen Volk getroffen werden sollten, nicht von einem ausländischen Regime." Die Kampagnengruppe Global Justice Now warnte, dass die Bereitschaft, mehr für Medikamente zu zahlen, dazu führen würde, dass "der NHS geopfert wird, um Donald Trump und die Forderungen der Big Pharma nach höheren Medikamentenpreisen zu befriedigen."